Tam-Tam

Es gibt verschieden gestaltete Yogaräume – oft ist ihnen doch gemeinsam, das vorne ein kleiner Altar aufgebaut ist. Welche Dinge, Götter, Bilder sich dort tummeln, hängt von der jeweiligen Yogaschule, dem Yogalehrer ab. Es gibt keine Vorgaben, keine Regeln, kein Muss für diese Art der Präsentation. Manche mögen es als Tam-Tam, als unnötigen Kram, vielleicht sogar als die Darstellung einer Religion empfinden. Doch Yoga ist keine Religion, es ist eine – sehr offene und freie – Philosophie, in deren Geschichte, die schließlich in Indien beginnt, sich auch die Götter des Hinduismus wiederfinden. Doch warum greifen Yogaschulen hier im heutigen Europa diese Idee auf und schmücken den Raum mit Devotionalien einer anderen Kultur? Ist das nur Dekoration, Show, Tam-Tam?

Es wird vielleicht manches Mal so sein. Die Frage kann jeder Yogalehrer nur für sich beantworten – und ich möchte dazu ein paar Worte von Sharon Gannon und David Life, den Gründern des Jivamukti Yoga, aus ihrem Buch "Yoga der Befreiung" zitieren:

"Wir erinnerten uns daran, wie die Beatles aus Indien zurückgekommen waren und die Farben, Bilder und Klänge Indiens so hip gemacht hatten, dass sie auf die westliche Kultur abfärbten. Wir wollen einen Ort schaffen, der jeden genauso in Bezug auf den Reichtum von Yoga anturnte.

Was uns jedoch nicht anturnte, waren die weißen Wände und die Topfpflanzen in den anderen Yogazentren, die wir in New York besuchten. Deshalb bemalten wir die Wände in allen möglichen wundervollen Farben, stellten Bilder von indischen Gottheiten auf und rollten riesige orientalische Teppiche auf dem Boden aus. Wir hängten Bilder von unseren Gurus und Menschen, die uns inspiriert hatten, über unseren Altären auf, angefangen von Swami Shivananda bis zu unserer ersten Lehrerin Tara, von der Heiligen Teresa von Avila bis zu Glinda, der guten Hexe. Und wir spielten alle möglichen Arten von spirituell inspirierender Musik, von Bhagavan Das über Van Morrison bis zu der Mischung aus traditioneller indischer Musik und Jazz von Bill Laswell."

Es ist sicher auch eine Frage der Persönlichkeit, wie man einen Yogaraum gestaltet, doch diese Anklänge der Ursprünge, die Vermischung der Religionen (und auch des Weltlichen) und damit das Betonen der Gemeinsamkeiten, eine visuell und akustisch ansprechende Atmosphäre, empfinde ich als Teil des Yoga.

Das Gute ist: Yoga ist eben offen und frei und nicht dogmatisch – wenn ich Kerzen, Symbole, indische Götter in meinen Yogastunden aufbaue, dann hat jedes Element für mich eine Bedeutung, schafft einen Raum, in dem ich Yoga versuche lebendig werden zu lassen – du darfst dir davon annehmen, mitnehmen, was du magst! Vielleicht ist es für dich nur Tam-Tam, der halt da rumsteht, vielleicht magst du diese kleinen Besonderheiten, die Yoga auch ein wenig anders erscheinen lassen, vielleicht ignorierst du diesen Altar und machst einfach Yoga. Fühl dich frei!