Max Strom

Im Frühjahr war ich in Frankfurt auf einem Workshop von Max Strom. Er ist ein amerikanischer Yogalehrer mit einem Fokus auf Pranayama, den Atem, und hat zwei Bücher geschrieben, von denen ich eins vor dem Workshop gelesen und geliebt habe: Das Herz des Yoga (A Life Worth Breathing). Mit seinen eigenen Worten beschreibt Max sich so:

"Meine Mission ist es, den Menschen zu helfen, sich zu erinnern, wer sie sind und zu was sie fähig sind und Werkzeuge zur Verfügung stellen, die sie befähigen, ein aussagekräftigeres Leben zu führen."

In dem Workshop referierte Max über die Aussagen seiner Bücher, wir praktizierten ein wenig Yoga zusammen und übten Pranayama. Es war ein guter Tag, um die Gedanken ein wenig zu fokussieren und neu auszurichten. Unter anderem stellte Max uns drei Fragen, von denen eine mich besonders nachhaltig beeindruckt bzw. beschäftigt hat:

Wen kennst du, der Glück(seligkeit) ausstrahlt?

Max erzählte in diesem Zusammenhang von einer Frau, die er, ich glaube, in Indien kennengelernt hatte, eine Ärmste der Armen, die als Bettler in der Stadt saß, aber nicht traurig, nicht wütend, sondern wahres Glück ausstrahlend und die ihm, der sich neben sie setze, ein wunderbares Gefühl von Glückseligkeit vermitteln konnte, ohne wirklich Worte füreinander zu haben, die sie verstehen konnten.

Ich fand die Frage unglaublich schwer zu beantworten. Wen kennt man schon, wenn auch flüchtig, der nicht mal schlechte Tage hat, dunkle Gedanken mit sich rumschleppt, auch mal sauer, wütend, traurig, verzweifelt ist ... Wer ist denn immer glücklich?!

Dann habe ich überlegt, ob es darum überhaupt geht. Muss es jemand sind, der immer glücklich ist, um für andere Glück auszustrahlen? Ist es nicht viel mehr jemand, der mir zeigt, dass auch in dunklen Tagen ein Licht scheint, dass auch aus etwas Negativem etwas Gutes werden kann?

Ich musste an meine Oma denken. Sie kommt dieser Idee vielleicht am nächsten. Ich glaube nicht, dass es ihr immer gut geht oder das Leben immer nur Sonnenschein war, schließlich ist sie im zweiten Weltkrieg groß geworden, hat Bombenangriffe und Verluste mitmachen müssen ... und doch würde viele sicher sagen, dass sie ein gutes Leben hat – weil sie es auch zu einem guten Leben macht! Egal, wann ich bei meiner Oma bin oder mit ihr unterwegs, es ist immer schön. Sie macht das Beste aus allem. Sie nimmt Kleinigkeiten für ein Picknick mit, breitet Taschentücher auf Parkbänken aus, zündet Kerzen an, erzählt etwas Lustiges, ist immer für mich da.

Vielleicht ist das nicht die reine Glückseligkeit, die Max bei dieser Frau in Indien verspürt hat, aber es ist doch ein Stück davon ... und dann gingen meine Gedanken noch weiter und ich überlegte, wenn es so schwierig ist, jemanden zu finden, der mir dieses positive Gefühl vermittelt – muss ich dann nicht anfangen, derjenige zu sein?

Ist das nicht die eigentliche Botschaft, die Antwort? Bei sich selbst anzufangen?

Es ist ein wenig vergleichbar mit "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!". Wenn ich mich liebe, im positiven und narzistischen Sinne, dann kann ich auch frei und aufrichtig diese Liebe weitergeben an andere. Wenn ich optimistisch, glücklich, mit mir im Reinen bin, dann kann ich auch das weitergeben, für andere positiv sein und so ein wenig Glückseligkeit verbreiten.

Mir ist klar, dass es ein wenig naiv klingen mag. Es ist einfacher, etwas destruktives zu sagen oder zu tun, als eine "frohe Botschaft" zu verbreiten. Aber wie immer, es kommt doch auf einen Versuch an, oder?

Wenn dich niemand trägt, dann raff dich auf, sei du für andere Glück, Seligkeit, Inspiration, Liebe, Licht.