Neues Kursthema: Rituale

Wir haben viele tägliche Rituale, die uns vielleicht gar nicht mehr bewusst sind. Aufstehen :), Zähne putzen, waschen, essen, ...

Und manchmal denken wir, unabhängig davon, wir müssten mal mehr Sport machen, uns gesünder ernähren, mehr entspannen, ... aber wie sollen wir das machen? Wir machen es einmal, hoch motiviert und am nächsten Tag kommt uns etwas dazwischen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, oft will ich zuviel auf einmal. Mein Leben umkrempeln und alles anders, besser, machen. Das hat nie wirklich funktioniert.

Wenn ich aber in kleinen Schritten losgegangen bin, sind daraus oft tatsächlich neue Rituale geworden. Wie zB sonntags morgens joggen. Was als kleine Aktion anfing, möchte ich nun nicht mehr missen. Meinem Körper und meinem Geist fehlt etwas, wenn ich mal ein, zwei Wochen nicht joggen kann, weil ich vielleicht erkältet bin oder mal ein Termin dazwischenkommt. Doch trotz unvermeidbarer Unterbrechungen fang ich immer wieder an, mache weiter – es ist ein Ritual, eine Routine geworden.

Natürlich klappt das nicht immer – eine zeitlang bin ich so viermal in der Woche morgens um viertel vor sechs aufgestanden und hab erstmal eine halbe Stunde Yoga gemacht. Der Auslöser war ein Problem mit meiner Hüfte und es tat mir wirklich gut, diese tägliche, genau darauf abgestimmte Praxis. Ich habe das ein knappes Jahr gemacht, dann kam der Winter, mehr Müdigkeit, Erkältungen, ... und das Ritual schlief ein. Meine Hüfte sagt mir, dass ich das eigentlich mal wieder machen müsste ...

In unserer Ausbildung wurde tägliche Yogapraxis erwartet. Ich weiß noch, wie ich beim Unterschreiben des Vertrags fragte, was denn so alles auf mich zukommen würde – die Ausbildungswochenenden, klar, jede Woche mindestens einen Kurs im Studio besuchen, klar, tja, und natürlich eine tägliche eigenen Yogapraxis. Äh, was?

Ich hatte keine richtige Idee, konnte mich nicht aufraffen, aber hm, wusste ja keiner ... Dann kam unsere Intensivwoche, sechs Tage 24 Stunden zusammen. Und vorab die klare Ansage: Ihr habt jeden Morgen um halb sieben, nach dem gemeinsamen silent walk, Zeit für die eigene Yogapraxis ... Gemeinsam. Matte an Matte. Das stresste mich irgendwie. Ich wusste immer noch nicht so richtig, wie das aussehen sollte.

Klar kann man einfach was machen. Machte ich auch. Aber das fühlte sich nicht so richtig an, so nach flow, nach sinnvollem Aufbau, überhaupt nach einer Idee von Yoga ...

Meine Vorbereitung auf die Woche bestand also in erster Linie darin, mir eine halbe Stunde Yoga am Stück zu überlegen. Einen Ablauf. Eine Miniyogastunde. Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, dass ich das schwierig fand – wenn man eine zeitlang unterrichtet, macht man soviele Stunden und Flows und Sequenzings ... aber vor drei Jahren war das eben noch nicht so.

Neben den anderen fiel mir dann auf, dass die ganze Aufregung umsonst gewesen war. Keiner machte etwas Besonderes ... ein bisschen bewegen, ein paar Sonnengrüße, Vorbeugen, das war's. Was mir dabei aber auch bewusst wurde: Es tat mir gut. Diese tägliche Praxis war wunderbar. Ich machte weiter, vielleicht nicht täglich, aber immer mehr ...

Lange, lange Vorrede zum neuen Thema: Es ist toll, wenn man jede Woche zum Yoga kommt. Das ist wirklich schon eine Menge. Und vielleicht reicht das auch erstmal. Aber wenn man wirklich Feuer fängt, wenn Yoga dir Energie und Entspannung zugleich, dann fehlt es dir vielleicht auch manchmal im Alltag – und du weißt, genau wie ich früher, einfach nicht, wie du anfangen sollst ...

Darum machen wir in den nächsten Wochen kleine Yogaeinheiten, Rituale, die du, wenn du magst, in deinen Alltag mit hineinnehmen kannst – to go sozusagen.

Und dann, nach dem Yoga zuhause, ab hier: bitte lächeln :)