Sturm

Die Ereignisse der Welt scheinen sich so oft zu überschlagen und ich fühle mich ein wenig wie auf diesem Bild des englischen Malers Joseph Mallord William Turner – wie ein Boot, das in den Wellen hin- und hergeworfen wird, nicht sicher, ob am Ende der Untergang oder ein ruhiger Hafen wartet. Die Flüchtlingskrise, verbunden mit der daraus hervorgegangenen (oder besser: zum Vorschein gekommenen) rechten Gewalt, die Anschläge, der Brexit. Sturm irgendwie. Und man wünscht sich einen, der den Weg aus diesem Unwetter heraus kennt. Aber die Geschichte zeigt zu oft, dass es keinen Weg gibt – das Chaos regiert zu allen Zeiten immer mit.

Turner | Snow Storm - Steam-Boat off a Harbour’s Mouth Date | 1842

Und wie immer bin ich auch innerlich hin- und hergerissen, zwischen Informationsflut und -wunsch auf der einen Seite, und dem Drang, die Tür zu schließen, mich auf die Verandatreppe zu setzen und einfach die Blumen anzuschauen auf der anderen. Weggucken ist sicher der falsche Weg – sich durch die ganzen Geschehnisse und Medien verrückt machen zu lassen aber auch.

Ich überlege, was Europa für mich bedeutet, welches ja in all diesen genannten Themen involviert ist, und denke an das, was mein persönlicher Hafen mir sagt: Frieden. Das gilt leider nicht für die ganze Welt, bei weitem nicht, aber hier in Deutschland haben wir, auch dank dieser Ländergemeinschaft, seit vielen Jahren Frieden.

In Zeiten, wo es uns wirklich schlecht geht, wo es existenziell wird, würden wir uns wohl wenig sehnlicher wünschen, als eben Frieden. Hier geht es uns aber nicht schlecht – wie Hagen Raether sagt, es wird nicht besser – und so regen wir uns auf, über EU-Gurken und Fremdartigkeit, über Nationalstolz und dessen Verletzung, über Identität und Freiheit (wovon die meisten von uns ziemlich viel haben), über Politiker und Nachbarn ... Die Liste ist endlos.

Vielleicht sollten wir mehr Listen der Dankbarkeit schreiben – um uns jetzt daran zu erinnern, was wir hier erleben dürfen, und nicht erst dann, wenn es vorbei ist ...