Wahrheit oder Glückskeks

Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte, über ihre Yoga-Erfahrungen. Sie hatte erst vor kurzem Yoga für sich entdeckt – in früheren Kursen hatte es sie einfach nicht gepackt. Das lag zum Teil auch daran, dass diese zu esoterisch daherkamen, mit Worten begleitet wurden, die einfach nicht berühren wollten, und dem Klang einer Stimme, die nicht authentisch war.

Schwierige Sache. Für mich macht Yoga aus, dass es eben mehr ist als Bewegung und Rumturnen. Nicht nur sind die Asanas an sich ausgeklügelte und ganzheitlich wirkende Körperhaltungen, sondern gerade auch die Intention, die ich in diese Positionen, in die Abläufe lege, macht den Unterschied. Das hat für mich aber auch nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist einfach eine tiefe Ebene, die in uns allen steckt, und die wir so wieder wahrnehmen und zum Klingen bringen können.

Ob die Worte, die man in einer Yogastunde an die Klasse richtet, nun als Wahrheit rüberkommen oder als platte Glückskeksphilosophie, mag natürlich auch am Empfänger liegen. Nicht jeder ist in eben dieser Stunde bereit für ein bestimmtes Thema oder eine besondere Stimmung.

Aber als Lehrer ist für mich entscheidend, dass ich es ehrlich meine, dass ich authentisch bin, in dem was ich sage und wie ich handle, dass ich weitergebe, was mich berührt, ohne Zauberei, sondern mit eben jenem Gefühl, das in mir steckt. Ich glaube, das kann man schon spüren und so vielleicht eher bereit sein, die eigenen Gedanken dazu fließen zu lassen ...

Warum diese Gedanken gerade zu Ostern? Für viele Menschen sind das Osterfest und die Religion etwas Besonderes, die absolute Wahrheit, die ihre Herzen schlagen lässt und ihre Seele wärmt. Für andere ist das alles nur Hokuspokus und viel Theater um nichts. 

In diesem Fall bin ich ein Empfänger, der Worte auf sich wirken lässt. Und in dieser Rolle denke ich, sollten wir offen sein. Nicht alles mag uns berühren, vieles können wir vielleicht nicht glauben, aber wir können dem Mysterium mit freiem Geist und bereitwilligem Staunen begegnen – und unsere eigenen Gedanken dazu fließen lassen ... 

Ob wir am Ende die Wahrheit oder einen Glückskeks bekommen, wissen wir nicht. Es bleibt ein Geheimnis des Glaubens.