peace

Teil 2: Frieden. Finde ich auch von der Reihenfolge schlüssig, aber dazu vielleicht nächste Woche, beim letzten Thema. Warum verbinde ich Mund mit Frieden?

(nochmal bezugnehmend auf den Ursprung der Themenreihe: Ich sage am Schluss der Stunden: Nimm deine Hände in Anjali Mudra vor dein Herz – für die Liebe, an den Mund – für den Frieden ...)

Die wenigsten in unserem Umfeld neigen wahrscheinlich zu körperlicher Gewalt. Wir sind zivilisiert, kultiviert und leben in einer relativ entspannten Umgebung, so dass wir wohl kaum jemanden schlagen oder treten etc. Allerdings glaube ich, dass nahezu jeder Mensch dazu fähig ist. Berichte von Soldaten, die Schlimmes erlebt und dann selbst gefoltert haben, berühren mich immer zweifach – für die armen Opfer, aber auch für die armen Täter. Es scheint in uns zu liegen, diese Möglichkeit zur Aggression, zur Brutalität. Sicher, wie so vieles, verankert aus der Steinzeit, als es einfach ums Überleben ging und man allein zur Nahrungssicherung viel direkter Gewalt anwenden musste, als heute mit unseren fein abgepackten Lebensmitteln ... aber das ist noch ein anderes Thema.

Wir waren beim Frieden.

Wenn ich in mich hineinschaue, dann bin ich am ehesten zum Frieden fähig, wenn es mir gut geht. Dann fällt es mir leicht – habe ich alles, was ich brauche, dann kann ich mitfühlend und großzügig sein. Schwieriger wird es, wenn es mir nicht gut geht. Wenn ich traurig bin, Angst habe, mir um meine Existenz sorgen mache, krank bin, etwas nicht geschafft habe, keine Gegenliebe erfahre, nicht anerkannt werde ... dann neige auch ich manchmal zur Gewalt, nicht zur körperlichen, aber zur verbalen oder auch nonverbalen. Wir können brutal sein, mit unseren Worten, unseren Handlungen, kleinen Gesten und Blicken. Wir können anderen die Anerkennung verweigern, das Mitgefühl, die Liebe. Auch das ist Gewalt. Auch das ist kein Frieden! 

(kleiner Buchtipp am Rande: Rosenberg . Gewaltfreie Kommunikation)

Aber wie wird nun Frieden?

Ich kann nur, wie immer, bei mir anfangen. Selbstreflexion. Ich schaue auf meine Gefühle, meine Worte, meine Handlungen – warum bin ich wütend, warum habe ich das gesagt, getan? Häufig wandelt sich das Gefühl, der Ursprung des Ganzen, wenn ich darüber nachdenke. Hilfreich ist für mich auch eine Art der Globalisierung, mein Problem in einen größeren Kontext setzen, mit Distanz auf die Dinge schauen.

Es ist nicht leicht. Gefühle sind stark und seelische Verletzungen lassen uns manchmal um uns schlagen wie ein in die Enge getriebenes Tier. Wir fahren unsere Krallen aus und sind erst mal im Verteidigungsmodus. Aber Selbstreflexion und Distanz schaffen es manchmal, den Blickwinkel zu verändern und wieder klar auf die Dinge zu schauen. 

Ja, auch Yoga hilft. 

Finde ich zumindest. Wenn ich mich auf die Bewegung konzentriere, auf meinen Atem fokussiere, dann bin ich dananch ruhiger. Gelassener. Friedvoller!

Vielleicht probierst du es mal aus? Wenn ein negatives Gefühl in dir hochkommt, stell dich diesem. Lauf nicht weg. Schau dir deinen Feind an, nur so kannst du ihn besiegen. Und wenn die Gedanken zu schlimm werden, dann lass deinen Körper für dich arbeiten. Yoga, Laufen, was auch immer, hol alles aus dir raus, konzentrier dich darauf und finde danach nochmal den Moment, um dein Innerstes wahrzunehmen. 

Manches dauert einfach auch. An manchen Baustellen arbeite ich seit Jahren :) Dann sage ich mir, das ist halt deine Aufgabe im Leben, keiner hat gesagt, dass die nach einem Tag bewältigt ist :) 

Eine friedvolle Weihnachtszeit. Das wünsch ich dir.