Die Menschheit hat den Verstand verloren

Eigentlich der Titel eines Buches. Astrid Lindgrens Tagebücher aus dem 2. Weltkrieg. Über 70 Jahre ist das her – und leider immer noch aktuell. Vor einem Jahr war ich in Paris. Habe alte Lieblingsplätze besucht, Erinnerungen aufleben lassen, die Stadt genossen, es war wunderbar. Und heute?

Als ich den Blog begann, wollte ich natürlich vor allem über Yoga schreiben. Dazu ein bisschen Kulinarisches, ein wenig Musik, Liebe und Poesie ...

Doch gerade, weil es ein Yogablog ist, kann das nicht alles sein. So wie Yoga mich nicht nur körperlich, sondern auch etwas in meinem Geist verändert hat – so wichtig ist es mir, nicht nur beim Schönen stehenzubleiben, sondern meine Augen und Worte auch für das Dunkle zu öffnen. 

Und es ist wieder ein wenig dunkler geworden ... 

Wenige Momente, die alles verändern. Worte, die gestern noch schön klangen, sind heute absurd. Travel the world? Wohin will man heute reisen? Sicher nicht nach Paris ... und auch in keine andere Großstadt, kein gefährliches Land, überhaupt, nicht mit dem Flugzeug, keine Massenveranstaltung, nicht mal in ein Restaurant. Heute will man sich einigeln. Zuhause sein. Mit seinen Liebsten, dankbar dafür, dass sie OK sind. Wir schaffen das? An diese Worte möchte man so gerne glauben – an dem einen Tag gaben sie Hoffnung für unsere Willkommenskultur, im heutigen Kontext bekommen sie einen bitteren Beigeschmack. 

Dabei bin ich mir sicher, dass wir das schaffen – die Welt schafft es immer. Sie geht weiter, unerbittlich, gleichgültig, in ihrem eigenen Rhythmus. Wieviele grausame Kriege hat diese Welt schon gesehen? Dunkle Zeiten überstanden, Anschläge überlebt. Und zeigt nicht die Geschichte, dass auch die Menschen immer weitergehen? Auch nach härtesten Schicksalschlägen findet die Gemeinschaft zum Optimismus zurück, kann nicht anders, lebt weiter, definiert eine neue Normalität. Ja, wir werden auch das schaffen – nur wie wird die Welt dann aussehen? 

Auch wenn wir uns angesichts solcher Gewalt machtlos fühlen, es liegt in unserer Hand. Wir sind ein Teil dieser Welt, und wenn auch noch so winzig. Ein Funke allein kann vielleicht nicht den Tag erleuchten, aber doch die Nacht ein wenig erhellen. 

Es ist Zeit – für Mitgefühl, Hoffnung, Liebe und Frieden.