Was bleibt?

Man könnte meinen, die Zwangspause bringt mich auf trübe Gedanken – stimmt aber nicht, keine Sorge :) Das Thema diesmal beschäftigt mich schon eine Weile und ich finde das auch gar nicht trüb. Vielmehr scheint es auch ein aktueller Trend zu sein, wenn es mir auch mehr als individuelle Ansicht zum jetzigen Lebenszeitpunkt erscheint.

Mal als Rückblick: Als ich zuhause auszog, wollte ich eine schöne Wohnung. Also richtet man sich ein, in dem Fall zu zweit, und macht es sich mit den damals eher spärlichen Mitteln gemütlich. Ein paar Jahre später ist man zu dritt und mein Hang zum Schönen, zum Design, zum Perfektionismus hatte diverse Anschaffungen zur Folge. Nicht, dass ich generell Unmengen kaufe und horte, es ging mir immer schon um eine feine Auswahl, in meinen Augen auch das Besondere, aber nichtsdestotrotz sammelt sich so einiges an.

Aktuell habe ich das Gefühl, noch mehr auf Beständigkeit zu achten, nicht alles, was ich schön finde, auch besitzen zu müssen, und gleichzeitig ein wenig auszusortieren. Diese Aussage würde meinen langjährigen Gefährten wohl ein Grinsen aufs Gesicht zaubern – von seinem Standpunkt könnte noch eine ganze Menge mehr verschwinden. 

Klar, ein Leben in zwei Koffern finde ich auch faszinierend. Es gab da mal einen Artikel in der Zeitschrift "slow" über einen Mann, der das tatsächlich geschafft hat. Allen Besitztum in zwei Koffer packen. Toll.

Gut, davon bin ich wirklich weit ... entfernt. Aber auch kleine Schritte sind ja wichtig, gerade die, darum versuche ich zB, mir nicht jedes Buch zu kaufen, sondern mehr in die Bücherei zu gehen. Bücher, die nur leichter Zeitvertreib waren und die ich definitiv nicht nochmal lese, habe ich gespendet. Wenn ich etwas kaufen möchte, überlege ich mir, ob ich es wirklich brauche. Lebensmittel versuche ich aufzubrauchen, nicht soviel wegzuschmeißen. Ich räume auf und möchte wissen, was in jeder Ecke steckt. Keine Leichen im Keller sozusagen. Kleidung habe ich eh schon nicht in Unmengen, aber auch da versuche ich noch mehr auf Langfristiges zu setzen. 

Weil es dazu passt, oute ich mich jetzt noch als großer Fan der Serie "Downton Abbey". Die reiche Familie lebt Anfang des 20. Jahrhunderts und wandert langsam durch die ersten drei Jahrzehnte. Auf der einen Seite herrscht also Überfluss. Gleichzeitig sieht man die andere Seite, die Dienstboten, Köche, Butler, die den Betrieb am Laufen halten. Und das bedeutet auch, pflegen dessen, was da ist. Ob aus Armut oder Tradition, viele Dinge werden nicht ersetzt, sondern erhalten. 

Es gab Zeiten, wo unsere Großeltern das mussten. Mit dem Auskommen, was da ist. Dh nicht, dass wir das auch müssen, aber ich finde, man muss den Überfluss, den wir alle heute hier haben, nicht bis zum Letzten ausschöpfen. Verantwortung und Nachhaltigkeit sind nicht nur ökologische Aspekte. 

Zuletzt und aktuell: Ich frage mich, was ich mitnehmen würde, wenn ich ein Flüchtling wäre ... dann hätte ich nichtmal zwei Koffer zur Verfügung.