kurz mal weg ...

So schnell kann es gehen. An dem einen Tag noch voller Pläne, am nächsten im Krankenhaus. Blinddarm. Ist ein Teufel, meint die Ärztin. Nun ja, jetzt ist er stillgelegt – und ich auch. Darum gab es diese Woche kein neues Thema, keine neuen Worte, nur Stillstand, überall. Das liegt mir ja so gar nicht.

Und dennoch, es ist ja alles für etwas gut und so bin ich nun um eine Erfahrung reicher. Oder mehrere. Am nachhaltigsten hat mich ein Gedanke begleitet: Was macht uns aus? 

Am ersten Tag lagen zwei Omas mit mir auf dem Zimmer, eine rechts, eine links. Eine noch recht fidel, doch ständig seufzend, die andere mit schwerer Atemnot und noch diversen anderen Dingen. Es ist erstmal ein Schock, so mit dem Leben konfrontiert zu werden, keine Frage. Das ist der Moment, wo wir gerne wegsehen, den wir verdrängen, nicht wahrhaben wollen. Dann, zwei Tage später, Kontrastprogramm. Ein Zeitungsartikel, den mir mein Papa mitbrachte, weil es da um Yoga ging. Yogagirl nannte sich die Frau, Schwedin, in der Karibik lebend, ein Star durch Instagram. Über dem Text ein großformatiges Bild, blauer Himmel, durchtrainierte, sonnengebräunte Yogis auf Surfbrettern in Anjaneyasana. 

Wie passt das zusammen, dachte ich? Die Yogawelt scheint gefangen in der Illusion der ewigen Jugend. Man sieht nur wunderbare Körper in bunten Hosen grüne Smoothies schlürfen und dabei Handstand machen (so ungefähr von einer Freundin zusammengefasst, sehr treffend :) – alte Yogis sind höchstens die indischen Gurus, die langsam aussterben. Glauben wir wirklich, diesen Status erhalten zu können? Nicht irgendwann dort zu liegen, krank, bedürftig? Wohl kaum.

So trüb diese Gedanken erstmal scheinen mögen, ich bin selten ein Mensch der darauf verweilt. Natürlich möchte ich auch noch lange nicht soweit sein und es nach Möglichkeit umgehen, aber man muss sich, als Mensch und gerade auch als Yogi, damit auseinandersetzen, finde ich. Wozu sonst die ganze Besinnung auf das Innerste, die Meditation, der Fokus auf den Atem? Das mache ich doch nicht nur, weil die Sonne so schön scheint!

Viel mehr – meine Meinung – sollte es uns dahin bringen, unseren wahren Kern zu erkennen, unser Leuchten, das aus jedem strahlt, auch aus der Oma neben mir. Nicht die Hülle und die Umstände zu sehen, sondern den Menschen dahinter. Nicht das Leben als ewige Jugend propagieren, sondern Umstände wie Krankheit akzeptieren und gleichzeitig das Alter unwichtig werden lassen. Was bedeutet es letztendlich? Es gibt Menschen, die sind mit 30 schon alt – und welche, die sind mit 80 noch jung – sowohl körperlich als auch geistig sagt die Zahl nichts über uns aus. 

Es gibt aber Menschen, die findet man immer großartig, da scheint alles andere plötzlich egal, die haben Ausstrahlung, sagen wir oft. Ja, die strahlen aus, tatsächlich, da sieht man den Kern, das Leuchten, das Wahre – und das finde ich, ist ein Ziel. Selbst so zu werden. Nicht für die anderen, sondern für sich allein. An sich zu arbeiten, in sich zu gehen, Mensch zu sein, in jedem Augenblick. Egal ob nach einer kleinen OP oder mit Dauersauerstoffzufuhr. Ist nicht so einfach, ich weiß. 

Die Worte, die ich meinen Yogaschülern nach einer Stunde mitgebe, können für manche reine Glückskeksphilosophie sein – du kannst sie für dich aber zu etwas Wahrem machen. Mir hat es in dem Moment geholfen, hier und jetzt zu sein. Das Bestmögliche aus jedem Augenblick zu machen.