Bär im Boot

Ich tue mich oft schwer mit speziellen Yoga- oder Philosphiebüchern, die einem mit kleinen netten Anekdoten diverse Lebensweisheiten nahebringen wollen. Das ist mir oft zu plump, zu einfach, zu beliebig – oder auch umgekehrt – zu kompliziert, so lebensfern, zu schwermütig. Nicht so einfach, meinen Nerv zu treffen. Ich kann es auch nicht wirklich beschreiben, aber wenn ich etwas lese, dann merke ich sofort, ob es mich packt oder nicht (wie mit der Musik). Und dieses Buch hat mich gepackt:

Die Geschichte ist eigentlich einfach: Ein Junge möchte auf die andere Seite gebracht werden, ein Bär ist der Kapitän des kleinen Ruderbootes. Über weite Strecken passiert nicht viel, nur das endlose Meer, die Langeweile, das Annähern und wieder Entfernen, Tee trinken. Dann gibt es noch diverse Schiffsbrüche, Ungeheuer und Piratenschiffe – und dennoch bleibt der Rhythmus beruhigend, wie Ruderschläge halt ...

Der schönste Begriff des Buches für mich ist wohl "unvorhersehbare Anomalien im Strömungsverlauf". 

Ist nicht allein das Philosophie und Poesie genug? Beschreibt das nicht mehr als einmal unser Leben? Wollen wir nicht auch irgendwo ankommen und sind doch die ganze Zeit unterwegs? Gibt es überhaupt eine andere Seite? Und sollten wir nicht unsere kleinen Rituale pflegen, auch in Zeiten von Sturm und Schiffsbruch, und uns eine gute Tasse Tee zubereiten? :)