Mach weiter.

"Reiß dich zusammen und mach weiter." Das klingt nicht nach einem netten Spruch und doch stammt er, wen wundert es bei mir, mal wieder aus Astrid Lindgrens Leben. Wenn sie als Kind Geschichten träumend am Spülbecken stand, hörte sie diese Worte von ihrer Mutter (die im übrigen nicht ganz so liebevoll gewesen sein soll, eher streng ... so klingt es ja auch).

Aber egal, ob liebevoll oder nicht, diese Worte haben Astrid Lindgren in ihrem Leben geholfen. Und mir auch schon so manches Mal. Das Leben läuft selten so, wie gewünscht und es müssen nicht immer die großen Schicksalsschläge sein, die einen zurückwerfen, nein, vielmehr die kleinen gemeinen Hindernisse, alles, was so ständig dazwischenkommt. 

Ich nehme mir etwas vor. Entweder für den Tag, die Woche, die nächste Zeit. Bin motiviert, gut gelaunt, kann es kaum abwarten – oder vielleicht bin ich auch zögerlich, musste mich überwinden, habe endlich den Mut – und dann, peng, wird nichts draus. 

Job, Kinder, Krankheit, Alltag, irgendwas ist immer. Und die vermeintlich wunderbar freie Zeit, die man gestern noch vor sich ausgebreitet sah, hat sich in Luft aufgelöst. Da ist er wieder, der Stress, die Hetze, der Frust. Man wollte soviel und schafft nichts. Man stand träumend am Spülbecken und wird jäh zurückgerissen. 

Aber reiß dich zusammen und mach weiter, das sage ich mir dann. Was nützt es, nachzutrauern. Wer sagt, dass der Plan ein guter war. Und wer, dass er nicht immer noch wahr werden kann. Wenn nicht heute, dann morgen. Das ist nicht aufgeschoben, das ist keine mangelnde Disziplin, das ist das Leben. 

Yogis haben dafür übrigens einen schöneren Spruch. Worte wie "Reiß dich zusammen" sind nicht so Teil dieser Welt :) "Einatmen, ausatmen" schon eher. Findet man auf gefühlt einer Million Shirts in Yogishops und wo man das sonst noch so draufdrucken kann. Einatmen, ausatmen. Ja, das machen wir doch eh?

Nicht bewusst. Es ist mehr so ein flacher Luftaustausch. Aber ein tiefes ein, aus ... das tut gut, das macht wieder wach, das gibt neue Energie für Tagträume und Taten.

Ich atme ein ... aus ... und denke: morgen. Morgen ist das Kind wieder gesund, das Programm gestaltet, der Staub gewischt. Morgen habe ich Zeit für das, was ich machen möchte. Und sonst halt übermorgen. 

Ein ... aus ... mach weiter.