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03 - UMARME JEMANDEN

Jeder sehnt sich im Herzen nach Umarmung und Berührung – schenk jemandem diese Liebe. Vielleicht ist es auch jemand, den du sonst selten oder nie umarmst. Trau dich!

Diese Aufgabe fand ich nicht leicht – ich dachte, es wäre einfach für mich, jemanden zu umarmen – und es scheiterte auch nicht an Schüchternheit – doch ich merkte, mein Gegenüber muss auch bereit sein, eine Umarmung anzunehmen!

Zeitpunkt, Umgebung, Grund – darüber machte ich mir mehr und mehr Gedanken. Ich wollte niemanden in eine unangenehme Situation bringen!

So machte ich es mir mit der Aufgabe letztendlich einfach (zumindest in der Durchführung), denn dieser Tag fiel auf den Geburtstag meiner Oma – doch die Gedanken dazu sind nicht einfach gewesen und bleiben in meinem Kopf – vielleicht, um nun wachsamer durch den Tag zu gehen, immer für eine Umarmung bereit :)

02 - SCHENK DIR BLUMEN

Du darfst an dich denken, dich lieben, dir Gutes tun. Kauf oder pflück dir Blumen, stell sie in eine schöne Vase, an einen hellen Ort ... Duften sie? Welche Farben entdeckst du? Erfreu dich daran, jedne Tag ...

Häufig pflücke ich mir eine Blume, einen Zweig aus dem Garten, manchmal kaufe ich mir welche – diese waren für einen anderen Zweck bestimmt, blieben danach aber bei mir und haben mein Herz tatsächlich jeden Tag erfreut!

Ich mag diese Vielfalt, die Natürlichkeit, soviel Farbe, Licht und Liebe!

Wer auch immer sich diese Welt erdacht haben mag, ist unglaublich kreativ und detailverliebt :)

"Gott ist Dekorateur!" (Zitat aus "Whatever works") – zum Glück!

01 - KOMM AN

Geh an deinen Lieblingsplatz. Schau dir den Raum um dich herum an ... Was siehst du, was liebst du? Bleib ein wenig hier, genieß das Gefühl des Zuhause-Seins, die Ruhe der Geborgenheit ...

Wo genau ist mein Lieblingsplatz? Vielleicht am Küchentisch – ich mag die alten Stühle ... das glatte Holz des Tisches, die Rillen und Astlöcher ... ich blicke in den Garten, die Küche, auf meine Lieben ... immer steht etwas Schönes auf dem Tisch – Blumen, Schalen, Muscheln, Steine, Kerzen ...

Dieser Ort ist ein Ausgangspunkt, mein Start in den Tag, meine Kaffeepause, zum Planen, zum Lesen, zum Essen, Trinken, Lachen, Reden, zusammen sein, allein nachdenken ...

Sovieles. Zuhause.

Sturm

Die Ereignisse der Welt scheinen sich so oft zu überschlagen und ich fühle mich ein wenig wie auf diesem Bild des englischen Malers Joseph Mallord William Turner – wie ein Boot, das in den Wellen hin- und hergeworfen wird, nicht sicher, ob am Ende der Untergang oder ein ruhiger Hafen wartet. Die Flüchtlingskrise, verbunden mit der daraus hervorgegangenen (oder besser: zum Vorschein gekommenen) rechten Gewalt, die Anschläge, der Brexit. Sturm irgendwie. Und man wünscht sich einen, der den Weg aus diesem Unwetter heraus kennt. Aber die Geschichte zeigt zu oft, dass es keinen Weg gibt – das Chaos regiert zu allen Zeiten immer mit.

Turner | Snow Storm - Steam-Boat off a Harbour’s Mouth Date | 1842

Und wie immer bin ich auch innerlich hin- und hergerissen, zwischen Informationsflut und -wunsch auf der einen Seite, und dem Drang, die Tür zu schließen, mich auf die Verandatreppe zu setzen und einfach die Blumen anzuschauen auf der anderen. Weggucken ist sicher der falsche Weg – sich durch die ganzen Geschehnisse und Medien verrückt machen zu lassen aber auch.

Ich überlege, was Europa für mich bedeutet, welches ja in all diesen genannten Themen involviert ist, und denke an das, was mein persönlicher Hafen mir sagt: Frieden. Das gilt leider nicht für die ganze Welt, bei weitem nicht, aber hier in Deutschland haben wir, auch dank dieser Ländergemeinschaft, seit vielen Jahren Frieden.

In Zeiten, wo es uns wirklich schlecht geht, wo es existenziell wird, würden wir uns wohl wenig sehnlicher wünschen, als eben Frieden. Hier geht es uns aber nicht schlecht – wie Hagen Raether sagt, es wird nicht besser – und so regen wir uns auf, über EU-Gurken und Fremdartigkeit, über Nationalstolz und dessen Verletzung, über Identität und Freiheit (wovon die meisten von uns ziemlich viel haben), über Politiker und Nachbarn ... Die Liste ist endlos.

Vielleicht sollten wir mehr Listen der Dankbarkeit schreiben – um uns jetzt daran zu erinnern, was wir hier erleben dürfen, und nicht erst dann, wenn es vorbei ist ...

Was ein Yogalehrer immer dabei hat ...

In den ersten Yogastunden (als Lehrer) habe ich immer das Gefühl gehabt, ich bräuchte einen kleinen Transporter. Yogamatten für die Schüler, verschiedenes für den Altar, ein Hefter mit Notizen, der Stunde und noch ein paar Ideen für den Notfall (welcher das auch immer sein sollte, aber am Anfang war ich so aufgeregt, dass ich immer irgendeine Basicstunde in petto haben musste ...), Lotion ... und dazu natürlich noch so der allgemeine Kram (Taschentuch, Wasser, Hustenbonbons ...).

Das ist natürlich auch vor allem ein Problem, wenn man kein festes Yogastudio hat, sondern einen freien Raum, der auch für anderes genutzt wird und man damit immer wieder alles einpacken muss. Inzwischen haben alle meine Schüler eigene Yogamatten und ich habe mehr herausgefunden, was ich eigentlich brauche.

Bis vor wenigen Wochen habe ich meine Stunden immer noch stundenlang in den Rechner getippt, alles schön farblich aufbereitet (da kommt der Grafikdesigner in mir durch und kann nicht anders :), was mich Stunden gekostet hat. Denn wenn etwas fein säuberlich auf dem Papier steht, dann will man (oder zumindest ich) es auch perfekt haben. Mal abgesehen vom Umweltaspekt des Ausdruckens wollte ich mich einfach mehr reduzieren. 

Eine Stunde zu unterrichten, ist für mich nach eineinhalb Jahren Erfahrung nicht mehr so kompliziert. Natürlich gibt es Unmengen an erfahreneren Lehrern und wenn man einen besonderen Fokus angehen möchte, dann kann man das auch nicht aus dem Ärmel schütteln, aber zumindest eine solide Basic-Vinyasastunde bekomme ich ohne Vorbereitung hin. 

Nun mache ich mir aber dennoch ziemlich viel und gerne Gedanken über den Inhalt meiner Stunden. Denn Yoga ist eben nicht immer gleich, nicht einmal gelernt und gut, sondern unendlich facettenreich und das möchte ich auch meinen Schülern vermitteln (ganz abgesehen davon, dass ich dabei selbstverständlich auch mich ständig weiterbilde und entwickle!). 

Darum gab es gegen Ende des Jahres den Plan, nur noch ein Notizbuch zu führen. Und eine sehr, sehr liebe Freundin hat mir eins geschenkt (und dann noch genau das, welches ich mir selbst auch ausgesucht hätte!!). Es ist nun mein ständiger Begleiter, jede Idee wird notiert, die Stunden mehr oder weniger ausführlich aufgeschrieben, hin und wieder auch ein Yoga Woman skizziert und natürlich auch die Zettel eingeklebt, die ich immer noch gestalte und verteile für die Ganeshabox! (In der entspannten Stunde letztens hatte ich tatsächlich mal keinen Zettel – das wurde direkt angemerkt :) Werde ich also nicht mehr wagen, ohne zu kommen ... :)

Außer dem Buch habe ich Creme dabei – Kampfer für den Start, Lavendel-Orange (oder nächste Stunde mal meinen Favoriten Eukalyptus-Rosmarin zum Testen). Auch diese beiden dürfen nicht fehlen – wer verzichtet schon gerne auf etwas Feuer zu Beginn und eine entspannende Massage in Shavasana!

Dazu kommt noch der Altar, denn gerade, weil es der Raum kein spezieller Yogaraum ist, finde ich, muss ein wenig Zauber mit einziehen. Was da alles mit auf die Reise kommt, zeig ich demnächst. 

love the world

Manchmal braucht man eine kurze Auszeit – einen Moment, in dem man laut loslacht, einen Song mitsingt, tanzt! Unabhängig von allem davor und danach, von unserer Situation, allen Umständen – die Welt lieben, das Leben lieben!

CHIN MUDRA 

Eine kurze Meditation: Setz dich in den Schneidersitz, vielleicht so halb auf ein Kissen, oder in einen Sitz, den du gut für ein paar Minuten halten kannst. Leg Daumen und Zeigefinger zusammen und deine Hände zum Himmel geöffnet auf deine Knie. Sitz aufrecht ohne Anspannung, schließ die Augen ...

Das Chin Mudra bedeutet "alles ist eins". Wir sind ein Teil dieser Welt. Auch wenn wir weniger als ein kleines Sandkorn im unendlichen Universum sind – keiner geht verloren, niemand ist unwichtig, alles formt und verändert sich beständig – und bleibt doch alles eins! 

Love your life! 

Der Soundtrack zum Hej-Moment: 

Come * Jain
Macht gute Laune und wer da nicht tanzt, ... 

La Cumbia Di Chi Cambia * Adriano Celentano
Yep, Adriano! Falls sich noch jemand an einen seiner Filme erinnern kann ... totaler Klamauk und ein großer Spaß! 

Mundian To Bach Ke * Panjabi MC
Nicht ganz so alt, aber auch nicht mehr neu und ja, schon irgendwie Bollywood, gerade darum macht es glücklich :)

Liste * gute Vorsätze *

Jedes Jahr aufs Neue.

Warum nicht! Ich denke, gute Vorsätze sind großartig – egal ob was daraus wird! :)

Erstens finde ich es gut, mal die eigenen Gedanken und Wünsche zu sortieren. Innehalten und überlegen, was man eigentlich will. Das schafft man im Alltag viel zu selten und diese Zeit zwischen den Jahren (... als hätte man eine Auszeit, losgelöst vom Geschehen drumherum, in einer wunderbaren Seifenblase aus Nichts) hat ja doch meistens so ein, zwei ruhige Tage dabei, wo man im Pyjama auf dem Sofa lümmelnd durchaus mal darüber nachdenken könnte.

Dazu bin ich ja bekennender Listenliebhaber. Aber selbst wenn man das nicht ist, Listen helfen auch chaotischen Gemütern, etwas Struktur und Reihenfolge in die Ziele zu bringen. Darum zweitens alles aufschreiben, was einem einfällt, völlig unsortiert. Dann vielleicht nach Themen ordnen, was gehört zusammen, was baut vielleicht sogar aufeinander auf, was geht in die gleiche Richtung ...

(Den Begriff Mindmap mag ich nicht so sehr, aber übersetzt – Karte der Gedanken vielleicht – finde ich das schon besser. Die Vorstellung einer Landkarte, in der meine Gedanken Berge und Täler sind, Inseln im Meer, verbunden mit kleinen Stegen und Brücken ... das ist doch schön!) 

Drittens, ein Reihenfolge festlegen. Da muss man nochmal in sich gehen. Was will man wirklich, was ist realistisch, was vielleicht eher ein Fernziel, ein Spaß – wobei man durchaus auch große Ziel anstreben darf. Aber dazu im Fazit. Nichtsdestotrotz, in einem Jahr Klaviervirtuose werden ist sicher nicht realistisch. Aber mit dem Klavierspielen anfangen und zum nächsten Weihnachtsfest ein festliches Liedchen spielen, durchaus :) 

Viertens konkret werden. Planen. In den Kalender eintragen. Auch dabei realistisch bleiben. Fünfmal joggen pro Woche – sicher von jetzt auf gleich schwierig. Aber mit etwas Ehrlichkeit findet jeder sicher etwas Zeit, die auch einzuhalten ist. Vielleicht bindet man direkt auch andere in die Pläne mit ein, dann ist die Gefahr direkt aufzugeben nicht so groß. 

Zuletzt und fünftens: nicht enttäuscht sein und gleich wieder aufgeben. Du willst abnehmen, aber am Neujahrstag gibt es noch ein Festessen bei Mama? Dann genieß das doch. Solang man nicht immer auf morgen verschiebt, muss der erste Januar nicht der erste Tag für einen Neuanfang sein. Und wenn du es eine zeitlang probierst und es dann doch nicht so gut klappt? Dann hast du es auf jeden Fall versucht und etwas dabei gelernt! 

Denn, Fazit: Wir sind wieder mal beim der Weg ist das Ziel. Wenn ich immer gleich denke, klappt sowieso nicht, dann bleibe ich ewig auf einem Fleck stehen. Denn jeder Schritt könnte ja eine Enttäuschung sein und mich nicht zum Ziel führen. Aber wenn wir uns das mal bildlich vorstellen, wäre doch zumindest schön, ein Stück weiterzukommen. Am Weg ein bisschen was Neues gesehen zu haben. Vielleicht lernen wir ja auch jemanden kennen, der uns begleitet. Lernen über Berge zu klettern oder durch ein Meer zu schwimmen, wer weiß. Darum sind auch große Ziele nicht unbedingt verkehrt, wenn der Weg dir wichtiger wird. 

Soweit mein Plädoyer für gute Vorsätze! Vielleicht noch aus meiner Erfahrung. Vor vier Jahren hab ich schon mal öffentlich eine Liste gemacht. Es war kein Jahreswechsel, sondern ein anderer Grund für neue Pläne, aber gute Vorsätze gehen ja immer :) 

Folgendes hatte ich damals aufgeschrieben: 

+ Socken stricken (eine (!) Babysocke hab ich geschafft) 
+ neue smak-Projekte (da gab es einige) 
+ noch mehr Fahrradfahren (könnte wieder mehr sein) 
+ die besten Karamellbonbons machen (hab ich noch nicht wirklich ausprobiert) 
+ wieder ein freies Skizzenbuch anfangen (naja ... immerhin gibt es jetzt Yoga Woman :) und ein bisschen so illustriert habe ich auch, siehe nächster Punkt) 
+ ein neues Kinderbuch illustrieren (hab ich, auch wenn es kein Verlag wollte, aber es gab eine Ausstellung dazu) 
+ drei Gemüsesorten im Topf pflanzen (gemacht!) 
+ einen Monat vegetarisch essen (nicht nur einen Monat, sondern ein Jahr ... und jetzt immer noch sehr selten Fleisch) 
+ noch mehr lesen (mal ja, mal nein. Gestern ein Buch an einem Tag. Kann immer mehr sein!) 
+ Klavier spielen (leider hab ich das nicht geschafft ...) 
+ mehr Schwedisch lernen (auch nicht wirklich viel ...) 
+ die perfekten Riciarelli backen (yep!) 
+ jeden Tag Yoga (jaaaaaa!) 
+ Kinderkurse aus dem Koffer (könnte immer noch ein Plan E werden) 
+ eine Bude bauen (ja!) 
+ für eine Eismaschine sparen (geschenkt bekommen :) 
+ einfach nur sitzen und schauen (tatsächlich habe ich auch das gemacht. nicht nur einmal :) 
+ mehr kleine Reisen (dafür fehlt manchmal das Geld, manchmal die Zeit, manchmal die Motivation beim Rest der Familie, aber ich versuch es weiter auszubauen!) 
+ ... 

Einiges hat also geklappt. Anderes steht immer noch an. Manches ist vielleicht nicht mehr so wichtig im Moment. Listen ändern sich mit dem Leben. Während es Dinge gibt, die immer wichtig sind, blühen anderen nur für den Augenblick. Das ist doch gut. Und darum macht eine Liste auch immer wieder Sinn. Mindestens einmal im Jahr. Was würde ich heute auf die Liste schreiben? 

+ Bewusster atmen. Pranayama. 
+ Kleine Sammlungen. Muster, Farben, Worte. 
+ Zurück zum Sonntagssüß. Einmal in der Woche, aber besonders fein. 
+ Häufiger Tee trinken. Auch grünen. 
+ Nähmaschine überholen lassen. Versuchsweise auch mal was zum Anziehen nähen. 
+ Wenn keine große Reise, dann kleine Ausflüge. Manchmal liegt das Gute so nah. 
+ Mehr Zeit finden. Für Familie, für Freunde, für Schönes. 
+ Sterne. Zeichnen, Basteln, Suchen, Wünschen ... 
+ Weniger Materielles. Mehr Wert. 
+ Viel Musik, mehr Singen. 
+ und, und, ... und einiges von dem, was oben noch aussteht ...

Lass es leuchten, das Vergangene und das Kommende, aber vor allem den Augenblick. 

Lights will guide you home :)