eins sein ...

Ein Widerspruch, der scheinbar in der heutigen Zeit besonders zelebriert wird, ist der Wunsch, auf der einen Seite möglichst individuell und einzigartig zu sein, und gleichzeitig auf der anderen Seite zu einer Gruppe, einer Einheit, dazuzugehören.

Fragt man seine Mitmenschen, werden das viele bestreiten, aber wenn man sich umschaut, prägt dieser Umstand die Welt doch sehr bestechend. Soviele Fotos, Videos, Statements von Leuten, die sonst außer dem normalen Umfeld keiner kennen würde, prasseln auf uns ein, das Internet macht es möglich. Jeder will anders sein, etwas besonderes, herausstechen aus der Masse, verrückt, bloß nicht spießig, individuell eben. Gleichzeitig gibt es eben tausende solcher Darstellungen, völlig austauschbar. Du bist nicht bei dem und dem sozialen Netzwerk? Hm, du gehörst nicht dazu!

Es gab mal eine Fotoreihe, wo beliebige Menschen fotografiert und kategorisiert wurden. Es entstanden ganze Bilderbögen, wo Leute die gleiche Kleidung trugen. Und das war nicht nur der Bürostandard mit Hemd und Krawatte, sondern eben auch vermeintliche individuell gestaltete Outfits. Nicht von ungefähr gibt es schon Anleitungen, wie "style like a hipster" :) Der Wunsch nach Individualität schafft Konformität.

Besonders schön ist dieses Paradoxon in Monty Pythons Film "Das Leben des Brian" (den vielleicht noch der ein oder andere kennt) dargestellt: Brian ruft bei seiner unfreiwilligen Predigt vor hunderten Leuten "Ihr seid alle Individuen." Und die Masse antwortet im Chor: "Ja, wir sind alle Individuen." Einer ruft: "Ich nicht."

Was machen wir nun mit dieser Tatsache? Vielleicht wie immer nicht soviel Drama :) Wir verbringen soviel Zeit im Grübeln über uns, verharren aber häufig beim Äußerlichen, wollen uns ändern, statt zu aktzeptieren und zu genießen, was wir sind.

Jeder Mensch ist einzigartig. Egal, ob man das unbedingt nach außen darstellen möchte oder einfach ist. Und jeder Mensch sehnt sich wahrscheinlich auch nach einer gewissen Zusammengehörigkeit, ob zu einem Partner oder zu einer Gruppe oder einfach in der Gesellschaft. Das allein ist nicht paradox, sondern kann wunderschön sein.

Sich selbst wahrnehmen, als einzelnen Menschen, als eins mit den anderen, mit dem Universum :)

Man braucht nur eine Insel allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen, aber den braucht man sehr.
(Mascha Kalekó)