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nimm dich wahr ...

Das eigene Ich verbarrikadiert sich, hinter einer Fassade, hinter Konventionen, hinter Wünschen und Vorstellungen. Sich selbst wahrzunehmen, zu spüren, zu fühlen, ernst zu nehmen, ist manchmal nicht so einfach. Wer bin ich eigentlich, wenn alles andere von mir abfällt, wenn nur noch mein reines Ich überbleibt?

Sic öffnen und fallen lassen, dafür steht auch eine meiner Lieblings-Asana: Kurmasana, die Schildkröte. Eine Stunde voller Hüftöffner und Vorbeugen, meine Favoriten, aber nicht immer die der Schüler, denn da sitzen oft unsere Verspannungen, unser verhärteter Rücken ist im Weg, unsere Beine wollen nicht geschmeidig sein, alles nicht so einfach. Und doch haben viele eine neues Ich in sich entdeckt, sind weitergegangen, als sie dachten, haben neue Grenzen erfahren und hoffentlich auch ein wenig von allem fallenlassen, was uns so verhüllt. 

Sei du selbst. Sei authentisch. Sei wahr.

von innen leuchten ...

Du kannst es Seele, Licht, dein Innerstes, ... wie auch immer nennen – ich denke, die meisten von spüren, dass da etwas in uns ist, etwas Unveränderliches, etwas Leuchtendes.

Dieses Licht vergessen wir manchmal. Wir bauen uns eine Fassade drumherum und sehen auch bei anderen nur das Äußere. Doch tatsächlich steckt dieser Kern in jedem von uns, egal, ob wir einen Menschen als gut oder böse empfinden, begabt oder einfach, extrovertiert und in sich vertieft – daran glaube ich fest.

Und dann kann es doch ein Ziel sein, das eigene Leuchten mehr zum Strahlen zu bringen, das Herz zu öffnen und der Seele Raum zu geben – zu scheinen, aber auch bereit zu sein, das Licht der anderen wahrzunehmen, hinter Mauern aus Äußerlichkeiten und Verhalten zu blicken, und das Gemeinsame, das Ewige in jedem zu erkennen. 

... durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort ...

eins sein ...

Ein Widerspruch, der scheinbar in der heutigen Zeit besonders zelebriert wird, ist der Wunsch, auf der einen Seite möglichst individuell und einzigartig zu sein, und gleichzeitig auf der anderen Seite zu einer Gruppe, einer Einheit, dazuzugehören.

Fragt man seine Mitmenschen, werden das viele bestreiten, aber wenn man sich umschaut, prägt dieser Umstand die Welt doch sehr bestechend. Soviele Fotos, Videos, Statements von Leuten, die sonst außer dem normalen Umfeld keiner kennen würde, prasseln auf uns ein, das Internet macht es möglich. Jeder will anders sein, etwas besonderes, herausstechen aus der Masse, verrückt, bloß nicht spießig, individuell eben. Gleichzeitig gibt es eben tausende solcher Darstellungen, völlig austauschbar. Du bist nicht bei dem und dem sozialen Netzwerk? Hm, du gehörst nicht dazu!

Es gab mal eine Fotoreihe, wo beliebige Menschen fotografiert und kategorisiert wurden. Es entstanden ganze Bilderbögen, wo Leute die gleiche Kleidung trugen. Und das war nicht nur der Bürostandard mit Hemd und Krawatte, sondern eben auch vermeintliche individuell gestaltete Outfits. Nicht von ungefähr gibt es schon Anleitungen, wie "style like a hipster" :) Der Wunsch nach Individualität schafft Konformität.

Besonders schön ist dieses Paradoxon in Monty Pythons Film "Das Leben des Brian" (den vielleicht noch der ein oder andere kennt) dargestellt: Brian ruft bei seiner unfreiwilligen Predigt vor hunderten Leuten "Ihr seid alle Individuen." Und die Masse antwortet im Chor: "Ja, wir sind alle Individuen." Einer ruft: "Ich nicht."

Was machen wir nun mit dieser Tatsache? Vielleicht wie immer nicht soviel Drama :) Wir verbringen soviel Zeit im Grübeln über uns, verharren aber häufig beim Äußerlichen, wollen uns ändern, statt zu aktzeptieren und zu genießen, was wir sind.

Jeder Mensch ist einzigartig. Egal, ob man das unbedingt nach außen darstellen möchte oder einfach ist. Und jeder Mensch sehnt sich wahrscheinlich auch nach einer gewissen Zusammengehörigkeit, ob zu einem Partner oder zu einer Gruppe oder einfach in der Gesellschaft. Das allein ist nicht paradox, sondern kann wunderschön sein.

Sich selbst wahrnehmen, als einzelnen Menschen, als eins mit den anderen, mit dem Universum :)

Man braucht nur eine Insel allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen, aber den braucht man sehr.
(Mascha Kalekó)

neues lieben ...

Das Thema Liebe findet sich häufig im Yoga, zumindest kommt es in meinen Stunden immer wieder vor. Liebe ist vielleicht das Wichtigste, wer weiß. Passend dazu finden sich untern den Asanas die Rückbeugen, oft so schön als Herzöffner bezeichnet :) Und ist es nicht eine schöne Vorstellung? Sich zurückzulehnen, die Schultern weit werden zu lassen und sich vorzustellen, wie die Liebe nur so aus dir herausfliegt?

Dabei muss es nicht immer um eine Person gehen. Die Intention darf auch eine ganz andere sein. Vielleicht entflammt dein Herz gerade für den Frühling, vielleicht für ein gutes Buch, vielleicht für die Musik ...

Und dabei darfst du dich auch Neuem öffnen, Asanas, die du vorher noch nicht ausprobiert hast, Kraft, die du vorher noch nicht gespürt hast, Energie, die ganz neu in dir erwacht!

Wie und wofür auch immer:

wieder ankommen ...

Auch wenn es nur zwei Wochen Pause waren – ich höre von vielen Seiten schon das Vermissen, die Sehnsucht, und ja, das macht Yoga so wunderbar. Darum widme ich die erste Stunde dem Ankommen – der Wiedersehensfreude, Bekanntem, Heimat.

Yoga kann dein Zuhause sein, das du immer mit dir herumträgst, das dich nie verlässt – Yoga bietet dir überall, zu jeder Zeit einen Ort des Friedens, der Liebe, der Stille, der Freiheit, ... 

Haiku

Zum Abschluss dieses Quartals packte mich irgendwie die Lust, einige Stempel zu schnitzen und damit eine Karte zu gestalten. Vor Jahren, während des Designstudiums, habe ich mal eine ganze Reihe zum Thema Tee fotografiert. Um diese Bilder auch textlich zu begleiten, hatte ich mir damals ein Buch mit Haikus gekauft, diesen dreizeiligen japanischen Kurzgedichten, die einer bestimmten Form unterliegen (ins Deutsche kaum übertragbar) und immer ein Naturthema, einen gegenwärtigen Augenblick in Worte fassen.

Da es in der dritten und letzten Kriegerstunde um die Achtsamkeit ging – weg vom allgegenwärtigen Multitasking, hin zu bewusst ausgeführten Handlungen und wahrgenommenen Momenten – fand ich diese Idee aufzugreifen ganz passend. 

Außerdem schließt damit das Winterquartal und nach kurzen Ferien beginnen wir dann im Frühling wieder – klingt das nicht herrlich? Immer wieder aufs Neue ...!

sthirasukhamasanam

Die zweite Kriegerrunde basierte auf diesem Zitat aus dem Yogasutra nach Pantajali, der Bibel des Yoga sozusagen :) Gut, wir wissen ja, Yoga ist keine Religion, aber eben doch eine sehr alte Philosophie, die auch ihre schriftlichen Wurzeln hat. Pantajali werden diese zusammengefassten Sutren zugeschrieben, die den achtgliedrigen Pfad des Yoga zur Erleuchtung beschreiben. Konkrete Asanas findet man darin allerdings nicht, wohl aber Anweisungen, wie diese zu sein haben, nämlich shira und skuha!

Übersetzt würde das heißen:

Die ideale Haltung ist stabil und leicht zugleich. (YS 2.46)

sthira bedeutet soviel wie fest, stabil, verwurzelt – sukha dagegen leicht, wohlgefallend.

Auch wenn sich das Sutra wahrscheinlich hauptsächlich auf den (Meditations-)Sitz bezieht, kann man sich gerade bei den Kriegerpositionen diese Eigenschaften gut vorstellen: Ein fester Stand ist wichtig, der Aufbau von den Füßen aus, verwurzelt, Stabilität über den gesamten Körper, aber eben gleichzeitig keine verkrampfte Haltung, sondern ein offenes, freies und friedvolles Herz. 

Nicht so einfach, gebe ich zu. Für viele scheinen gerade die Krieger eine Herausforderung zu sein. Aber auch darum fand ich dieses Sutra so passend: Nicht aufzugeben, immer wieder den Stand zu überprüfen, die Haltung noch stabiler zu gestalten – und dabei das Lächeln nicht zu vergessen!

*

Diese Woche haben wir mit einer Reihe zu den Kriegern begonnen. Scheinbar nicht gerade die beliebtesten Asanas unter den Schülern ... :) Vielleicht weil sie recht einfach aussehen und doch viel fordern: Kraft in den Beinen und auch in Bauch und Rücken, Feinheit in der Ausrichtung und nicht zuletzt Balance.

Spricht man über diese Krieger im Yoga, kommt bei mir meistens direkt das Gegenteil in den Fokus, der Frieden. Denn ja, diese Krieger geben dir Kraft, Halt und Größe, dennoch implizieren sie vor allem den Verzicht auf Gewalt. Der friedvolle Krieger ist vielleicht das stärkste Symbol für diesen vermeintlichen Widerspruch. 

Innerlich stark sein, bereit den Kriegswirren um uns herum zu trotzen, und dennoch gelassen bleiben, friedlich, liebevoll, lächelnd – das ist die wahre Kriegskunst. Schaut man in die Geschichte, sind es doch tatsächlich oft die Menschen, die Stärke und Persönlichkeit gezeigt haben, ohne blutige Schlachten zu führen, die uns nachhaltig beeindrucken. 

Wir müssen kein Krieger werden, der die Welt verändert, aber in unserem kleinen Kosmos stark und gelassen sein, das ist schon viel wert. Einen Versuch allemal. 

Augen auf und tanzen

Aus der letzten Stunde wurde diese Woche Plan T – der Notfallplan, wenn alle anderen bereits gescheitert sind (A, B, C, ...) und nichts mehr hilft, außer Musik laut aufdrehen und T-anzen!

Es war eine fordernde Yogastunde, nicht kompliziert, aber schön im Flow, mit vielen Rückbeugen und seit langem mal wieder mit einem klassischen Peakpoint: Natarajasana, der Tänzer. Eigentlich nicht so schwer, wenn das verflixte Gleichgewicht nicht wäre :) Balance kann eine ganz schöne Herausforderung sein. Aber alle haben es elegant gemeistert und vor allem viel gelacht, Plan T hat funktioniert, würde ich sagen!

yoga, yin, restorative ...

Gibt es offensichtlich zum einen den Wunsch, Yoga immer sportlicher werden zu lassen, dass es nahezu an Aerobic und Akrobatik erinnert (ohne Core und Handstand geht nix mehr!), entwickelt sich genauso intensiv die vermeintliche Gegenrichtung, das maximal entspannte, tief dehnende, langsame Yoga.

Begriffe wie Yin Yoga, Restorative Yoga oder LSD (long, slow, deep – die Bryan Kest Variante) benennen langgehaltene, oft unterstützte Asanas, die an die Faszien gehen und die Muskeln sanft und intensiv dehnen.

Als Kontraprogramm zum Karneval, der ja gerne turbulent sein darf, habe ich schon im letzten Jahr am Rosenmontag eine sehr ruhige Yogastunde gegeben. So auch der Plan für dieses Jahr. Statt reinem Yin Yoga möchte ich aber verschiedene Elemente kombinieren und habe mich daher nochmal intensiver mit möglichen Übungen befasst, auch dem Pro und Kontra. 

Zunächst muss ich für mich klar sagen: Ich würde mich weder für das eine (schweißtreibende, bewegungsfreudige) noch für das andere (entspannende, dehnende) Yoga allein entscheiden. Ich weiß nicht, warum Menschen so häufig einer Richtung ganz gehören wollen (ist so ein bisschen wie bei 1, 2 oder 3 früher ... du musst dich entscheiden, drei Felder sind frei ... :) – warum nicht von allem etwas? Gerade die Kombination finde ich großartig. Sowohl innerhalb einer Stunde oder auch separat, je nach Tagesform und -verfassung!

Für Yin oder Restorative oder wie man es auch nennen mag spricht auf jeden Fall die Tiefenwirkung. Längeres Halten der Positionen trifft andere Bereiche als kurze, knackige Workouts. Gerade zum Stichwort Faszien und chronische Muskelbeschwerden ist der sanfte Weg ein klares Plus. Auch mental kann man sehr gut loslassen und Stress abbauen – wenn man sich darauf einlässt. 

Das ist auch ein kleines Kontra – vielen fällt es schwer, so von jetzt auf gleich lang in einer Position zu bleiben, am besten noch in Stille, und abzuschalten. Darum ist Vinyasa Yoga, die Yang Variante, mit Dynamik und Kraft häufig einfacher, um in ein entspanntes Shavasana am Schluss zu kommen. Erstmal anspannen und Feuer machen, dann loslassen. 

Entspannen will gelernt sein :) 

Darum möchte ich die Stunde auch ein wenig variieren. Keine großen Flows, aber ein wenig Bewegung, WarmUp, vielleicht ein Sonnengruß, bevor es ans Innehalten geht. 

Ein Punkt sollte nicht unerwähnt bleiben: Für einige Varianten dieses ruhigen Yogas, vor allem restorative, benötigt man jede Menge Material. Es gibt Positionen, da liegt man auf vier Bolstern (das sind diese langen, dicken Kissen, rund oder eckig), diversen Blöcke, Decken, Gurt und Sandsack für das maximale Entspannungsgefühl. Wir hatten so eine Stunde in der Ausbildung, es war wunderwunderschön, aber mal ehrlich, wie soll man das im Kurs machen, wenn man nicht ein wirklich gut ausgestattetes Yogastudio hat?

Und davon abgesehen, wie soll man das zuhause machen? Denn gerade diese Übungen wären perfekte Anleitungen für die Schüler, um auch zuhause Entspannung zu finden, aber wer hat schon das volle Equipment?!

Ach ja, und nicht zu vergessen, man braucht auch eigentlich noch jemanden, der einen bettet – und am Ende wieder herausholt :) Denn so toll man vielleicht loslassen kann, irgendwann müssen die Muskeln wieder angespannt werden, wenn man nicht ewig da liegenbleiben möchte ... das ist tatsächlich nicht immer so einfach!

Ich versuche, in den nächsten Tagen Yoga Woman ein wenig in die Entspannung zu schicken – falls du möchtest, kannst du dann auch ein paar Sachen ausprobieren. Wo auch immer du dir Anregungen holst, geh langsam in die Positionen, höre wie immer gut auf deinen Körper, mach nur das, was dir guttut, und komm wirklich langsam und sanft wieder aus den Positionen heraus!

Dann mal auf die Plätze, fertig, los-lassen!

Man kann nicht immer ein Superheld sein ...

Es gibt Tage, da schafft man alles. Die Arbeit, die Familie, das Leben – kein Problem. Alles läuft wie am Schnürchen, macht gute Laune und am Abend denkt man: Was packen wir jetzt noch an?! Man fühlt sich fast wie ein Superheld, jede Aufgabe eine Leichtigkeit und am Ende steht man strahlend über dem grandiosen Werk.

Dann wieder ist schon das Aufstehen zuviel. Brote schmieren, Kaffee kochen, Hektik bricht aus, man vergisst die Hälfte, kommt zu spät und kann nur an den Berg Arbeit denken, der noch wartet. Wie soll man das nur alles schaffen?

Gestern war so ein Tag. Das Wetter hat sein übriges getan, die Müdigkeit, und das Wissen, dass es in den nächsten Tagen, vielleicht Wochen nicht weniger wird ... puh, nicht einfach, immer ein Superheld zu sein. 

(Ausschnitt Batman und Robin, Comic)

Wie gut, wenn man an so einem Tag Yoga unterrichten darf. Es fiel mir dieses Mal wirklich schwer, mich aufzuraffen – dabei freue ich mich sonst jedes Mal schon vorher so sehr darauf. Aber in den letzten Wochen waren immer einige krank, ich hatte das Gefühl, das aktuelle Thema läuft irgendwie schleppend, es fehlte der Schwung, die gewünschte Frische und Klarheit. 

Also Konzept kurzerhand umgeschmissen, statt Ruhe mehr Intensität, statt Entspannung mehr Energie, statt Schwermütigkeit doch gute Laune. Und – es hat funktioniert!! Zuhause dachte ich, und, was packen wir jetzt noch an?!

Yoga kann sovieles ... auch Superhelden wieder aufbauen :)

Durchatmen

Einatmen ist so ziemlich das erste, was du auf dieser Welt machst. Und ausatmen das letzte. Dazwischen hörst du nicht auf, einatmen, ausatmen, den ganzen Tag, die ganze Nacht. Die meiste Zeit ist es dir allerdings nicht bewusst.

Unser Atem passiert einfach. Klar, sonst würden wir ja nicht sein. Wir nehmen das zu selbstverständlich – bis wir mal keine Luft bekommen. Dabei bekommen wir eigentlich ständig keine Luft – oder zumindest viel zu wenig. 

Wir atmen flach, kurz und gerade mal in den oberen Bereich. Wann hast du das letzte mal deine Rippen richtig bewegt, zur Seite geatmet? Wann hat sich dein Bauch gedehnt, weil du soviel Luft geholt hast? Wann hattest du das bewusste Gefühl, der Sauerstoff, den du da tankst, geht bis in deinen kleinen Zeh?

Wenn wir überlegen, wie unendlich wichtig dieses Atmen für uns ist, schenken wir ihm schon sehr wenig Aufmerksamkeit. Natürlich geht das im Alltag unter. Trotzdem kann man sich mehrmals täglich bewusst werden, was wir da eigentlich machen und vor allem wie!

Richard Hackenberg sagte mal auf einem Workshop: Breath is the only prayer.

Wie wahr. Ohne Atem wären wir Nichts.

Passend zu meinen Januar-Assoziationen sollen die nächsten Yogastunden werden – frisch und klar.

Durchatmen, nach den Feiertagen, dem letzten Jahr, dem Tag. 
Einatmen, spüren, wo wir den Atem hinschicken können, wie es sich anfühlt, einmal richtig Luft zu holen, diese Freiheit und Lebendigkeit wahrzunehmen ... 
Ausatmen, loslassen, leer werden, alles hergeben, um wieder bereit zu sein, für den nächsten Atemzug ...

peace

Teil 2: Frieden. Finde ich auch von der Reihenfolge schlüssig, aber dazu vielleicht nächste Woche, beim letzten Thema. Warum verbinde ich Mund mit Frieden?

(nochmal bezugnehmend auf den Ursprung der Themenreihe: Ich sage am Schluss der Stunden: Nimm deine Hände in Anjali Mudra vor dein Herz – für die Liebe, an den Mund – für den Frieden ...)

Die wenigsten in unserem Umfeld neigen wahrscheinlich zu körperlicher Gewalt. Wir sind zivilisiert, kultiviert und leben in einer relativ entspannten Umgebung, so dass wir wohl kaum jemanden schlagen oder treten etc. Allerdings glaube ich, dass nahezu jeder Mensch dazu fähig ist. Berichte von Soldaten, die Schlimmes erlebt und dann selbst gefoltert haben, berühren mich immer zweifach – für die armen Opfer, aber auch für die armen Täter. Es scheint in uns zu liegen, diese Möglichkeit zur Aggression, zur Brutalität. Sicher, wie so vieles, verankert aus der Steinzeit, als es einfach ums Überleben ging und man allein zur Nahrungssicherung viel direkter Gewalt anwenden musste, als heute mit unseren fein abgepackten Lebensmitteln ... aber das ist noch ein anderes Thema.

Wir waren beim Frieden.

Wenn ich in mich hineinschaue, dann bin ich am ehesten zum Frieden fähig, wenn es mir gut geht. Dann fällt es mir leicht – habe ich alles, was ich brauche, dann kann ich mitfühlend und großzügig sein. Schwieriger wird es, wenn es mir nicht gut geht. Wenn ich traurig bin, Angst habe, mir um meine Existenz sorgen mache, krank bin, etwas nicht geschafft habe, keine Gegenliebe erfahre, nicht anerkannt werde ... dann neige auch ich manchmal zur Gewalt, nicht zur körperlichen, aber zur verbalen oder auch nonverbalen. Wir können brutal sein, mit unseren Worten, unseren Handlungen, kleinen Gesten und Blicken. Wir können anderen die Anerkennung verweigern, das Mitgefühl, die Liebe. Auch das ist Gewalt. Auch das ist kein Frieden! 

(kleiner Buchtipp am Rande: Rosenberg . Gewaltfreie Kommunikation)

Aber wie wird nun Frieden?

Ich kann nur, wie immer, bei mir anfangen. Selbstreflexion. Ich schaue auf meine Gefühle, meine Worte, meine Handlungen – warum bin ich wütend, warum habe ich das gesagt, getan? Häufig wandelt sich das Gefühl, der Ursprung des Ganzen, wenn ich darüber nachdenke. Hilfreich ist für mich auch eine Art der Globalisierung, mein Problem in einen größeren Kontext setzen, mit Distanz auf die Dinge schauen.

Es ist nicht leicht. Gefühle sind stark und seelische Verletzungen lassen uns manchmal um uns schlagen wie ein in die Enge getriebenes Tier. Wir fahren unsere Krallen aus und sind erst mal im Verteidigungsmodus. Aber Selbstreflexion und Distanz schaffen es manchmal, den Blickwinkel zu verändern und wieder klar auf die Dinge zu schauen. 

Ja, auch Yoga hilft. 

Finde ich zumindest. Wenn ich mich auf die Bewegung konzentriere, auf meinen Atem fokussiere, dann bin ich dananch ruhiger. Gelassener. Friedvoller!

Vielleicht probierst du es mal aus? Wenn ein negatives Gefühl in dir hochkommt, stell dich diesem. Lauf nicht weg. Schau dir deinen Feind an, nur so kannst du ihn besiegen. Und wenn die Gedanken zu schlimm werden, dann lass deinen Körper für dich arbeiten. Yoga, Laufen, was auch immer, hol alles aus dir raus, konzentrier dich darauf und finde danach nochmal den Moment, um dein Innerstes wahrzunehmen. 

Manches dauert einfach auch. An manchen Baustellen arbeite ich seit Jahren :) Dann sage ich mir, das ist halt deine Aufgabe im Leben, keiner hat gesagt, dass die nach einem Tag bewältigt ist :) 

Eine friedvolle Weihnachtszeit. Das wünsch ich dir. 

love

Ich wollte etwas zum ersten Teil der neuen Serie Liebe . Frieden . Freiheit schreiben ...

Wenn man einen neuen Text in dem Programm, mit dem ich die Website gestalte, anlegt, dann steht dort als Status "creating ..." und dann "... added". Das ergibt bei dem Titel oben Aussagen, über die ich direkt wieder gestolpert bin ...

Liebe gestalten. Aufbauen. Erschaffen. Ist das nicht der Grund, warum diese Welt da ist? Meine Einleitung in den letzten Stunden war "Liebe ist alles. Überall." Und wir gestalten sie immer wieder neu. Bauen sie auf. Erschaffen sie aus dem Nichts. Denn ohne Liebe geht es nicht.

Ja, es gibt auch viel Dunkles in der Welt. Keine Frage. Und daran scheitert so mancher Glaube. Aber ich denke, genau das ist der Prozess, die Aufgabe, der Sinn. Dem Dunklen, das Licht hinzuzufügen. Die Liebe siegen zu lassen. 

Und so ergibt sich das erste Wort, das erste von meinen drei Schlussworten vor dem Namaste. Nimm deine Hände in Anjali Mudra an dein Herz – für die Liebe. Damit wir daran erinnert werden. An die Liebe, die in jedem von uns wohnt. In dir, in deinem Freund, in deinem Feind. Überall. 

the journey goes on ...

So sollte der Titel der nächsten Yogastunde lauten. Es ging um Flow und die Reise zu uns selbst.

the journey goes on ...

So wird das Thema der nächsten Yogastunde sein. Denn auch wenn die Ereignisse den Fokus verschieben, wir bleiben auf Reisen. Dieser Fortlauf wird dadurch nicht gebremst, die Welt dreht sich weiter und wir müssen Tag für Tag bestehen, trauern, lieben, hoffen, ... Es ist ein Prozess, ein stetiger Wandel und wir müssen gerüstet sein für diese Reise durch unser Leben und ja, letztendlich immer wieder zu uns selbst. 

the journey begins ...

Das neue Thema der nächsten Stunden ist unterwegs sein, auf Reisen ...

Wenn ich mir das so um mich herum anschaue, geht es oft eher um Ziele – wir arbeiten stetig auf unsere Ziele hin. In der Schule auf einen guten Abschluss, beruflich auf einen gut bezahlten, tollen Job, auf eine lohnende Rente, privat auf die perfekte Beziehung, auf großartige Kinder, auf eine spannende Freizeit ... wir wollen uns vielleicht weiterbilden, eine Sprache lernen, abnehmen, mehr Sport machen, einen Handstand schaffen, Marathon laufen, möglichst viel und lang feiern gehen, tausend Freunde haben, ob real oder digital ... das Ziel haben wir klar vor Augen und es gilt in der entsprechenden Zeit die nächste Etappe zu erreichen.

Klar kennen wir den Spruch, der Weg ist das Ziel, und immer, wenn man vielleicht nicht so schnell da ist, wie man wollte oder es sogar nicht erreicht, dann wird dieser gerne genommen. Aber ernst nehmen wir diese Worte meistens nicht. Für uns ist doch das Ziel das Ziel. 

Auch in der klassichen Erholungszeit, den Ferien, können viele dieses verinnerlichte Streben kaum vergessen. Es geht von Ort zu Ort, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, dazwischen muss entspannt werden und das mit Wellness auf Sterneniveau. 

Wann waren wir mal Tage an einem Ort und habe nichts getan? Wer kann das denn überhaupt noch! Einfach sein.  

Auch Yoga ist eine Reise. Und auch hier können wir nicht immer vermeiden, dass wir an Ziele denken. Wir wollen den Sonnengruß perfekt machen, stärker werden, geschmeidiger, endlich im Kopfstand stehen, im Krieger III nicht umkippen, in der Vorbeuge mit dem Kopf auf den Boden kommen. 

Aber darum geht es überhaupt nicht. Nichts von dem ist eigentlich Yoga, auch wenn es uns eigentlich ständig suggeriert wird. Schaut man sich bei den Yogalehrern um, sieht man häufig Bilder im Internet, auf Instagram, von möglichst schwierigen Posen. Mindestens eine Armbalance muss es sein. Oder die Beine hinterm Kopf verdreht. Handstand ist auch beliebt. 

Nichts gegen Ziele. Die brauchen wir auch. Aber wenn wir nicht aufpassen, verpassen wir so vieles am Wegesrand! Wieviele kleine, wundervolle Momente gehen unter in dieser Hetze? Und kommt uns nicht gerade deshalb oft die Zeit so schnell vergehend vor, weil wir selbst der Antrieb sind? 

Ich habe mal gelesen, dass Kinder Zeit oft als endlos empfinden, weil sie ganz im Augenblick leben, während für uns die absolut gleiche Zeitspanne furchtbar schnell vorbei ist, weil wir immer schon an das nächste denken. 

Wenn mich diese Schnelllebigkeit selbst erwischt, dann versuche ich mich an die Momente zu erinnern, die mir wirklich wertvoll waren und sind, als einzigartige Sammlung in meinem Koffer – es sind die kleinen Erinnerungen, ein Lächeln, ein Blick ... Dazu muss ich nicht reich sein. Ich muss keine Weltreise unternehmen. Es sind die alltäglichen Dinge, die mir überall begegnen – wenn ich nicht nur das Ziel fokussiere, sondern mit offenen Augen den Weg anschaue.

Du bist das Licht.

Vielleicht habe ich es schon mal erzählt, aber ich kann es mir nicht oft genug vorstellen: diese Idee vom inneren Licht. Im Philosophie-Unterricht ging es natürlich auch um indische Lebensanschauungen und damit um das Thema Wiedergeburt. Wie immer fand Frank Schuler die richtigen Worte und wir hingen fasziniert an jedem von ihnen.

Stell dir vor, du bist eigentlich nur Licht. Irgendwo. Vielleicht im Weltraum, vielleicht auch in einer Sphäre, die wir uns nicht vorstellen können. Und eines Tages beschließt dieses Licht, deine Seele sozusagen, auf die Welt zu kommen und zwar genau in deinen Körper. Egal unter welchen Umständen du geboren wirst. Genau dahin wollte deine Seele. Dein Leben sind ihre Aufgaben. Und diese Seele ist unverwundbar. Was auch immer mit dir passiert in deinem Leben, wievel Schlimmes du erfahren musst, durch welche Feuer du gehen musst, deiner Seele passiert nichts. Sie leuchtet weiter, auch unter Schutt und Asche. Diese Seele ist auch zeitlos. Wie lange du auch leben magst, es spielt keine Rolle. Deine Seele war schon immer da und wird immer da sein. Ewig.

Ich fand dieses Bild unglaublich schön, tröstlich und ermutigend. Ich nenne es für mich nicht Licht, sondern Seelenstern. Und ich stelle es mir wie eine goldene, schimmernde, strahlende Kugel vor – ja, so ein bisschen wie beim Froschkönig :) – die in unserer Brust, in unserem Herz schwebt. 

Bei manchen Menschen spürt man dieses Strahlen kaum. Es ist verdeckt durch Kummer und Leid, aber vielleicht auch Gedankenlosigkeit, Konsum und Banalitäten. Bei anderen kann man dieses Licht fast sehen, wie eine Aura, wenn sie den Raum betreten. Es sind Menschen, die uns faszinieren, die wir lieben, weil sie in dem Karussel des Lebens vielleicht schon eine Runde weitergekommen sind. 

Dieses Licht es auch, an das ich bei dieser Meditation denke. 

Vielleicht findest du die Vorstellung kitschig. Kinderkram. Spinnerei. Mag sein. Manche Menschen brauchen Bilder, um sich daran festzuhalten, zu orientieren, und um weiterzukommen. Der Gedanke an meinen Seelenstern lässt mich aufrechter gehen, wieder aufstehen, wenn ich in Abgründe falle, mich Trost finden, wenn all das Ungewisse mir Angst macht, glauben, dass alles einem Plan folgt ...

... und das alles gut wird. Wie im Märchen halt. Womit wir wieder beim Froschkönig wären. 

Immer diese Liebe!

Während ich an meinem Schreibtisch sitze und überlege, was ich zu dem Thema eigentlich genau sagen möchte, erscheint vor meinem geistigen Auge so ein Hippie-Yogi, total relaxed – oder gechillt, wie man heute wohl sagen würde ;) – der mit leicht schleppender, nuschelnder Stimme zur mir sagt: "Alles Liebe, man. Einfach Liebe. Peace."

Yep, Liebe ist total einfach. Wenn man im Nudelsalatland lebt, alle sich sowieso liebhaben, es keinen Streit und keinen Krieg gibt und nur Menschen mit langen wehenden Haaren, die in weißen wehenden Kleidern fröhlich umher tanzen.

Liebe ist auch total einfach, wenn man jemanden mag. Wenn man verliebt ist oder gut befreundet, wenn man alles toll findet, was der andere macht. Dann hat man das Gefühl, nichts könnte je dazwischen kommen. Love forever.

Liebe ist aber scheiße schwer (sorry, aber so ist es!), wenn was dazwischen kommt. Wenn aus dem heiterem Himmel ein Sturm wird, ohne dass man die Vorzeichen erkennen konnte. Wenn aus Freundschaft plötzlich Schweigen wird, vielleicht sogar Hass. Wenn man sich von einem auf den anderen Tag fragt, wo diese verdammte Liebe denn hin ist zwischen all den Tränen. 

Mir ist sowas mal passiert. Vor drei Jahren, von heute auf morgen. An dem einen Tag noch die beste Freundschaft, am anderen – Nichts. Und dann muss man sich echt anstrengen, dass das mit der Liebe noch klappt. Dass man dem anderen nicht die Pest wünscht, sondern im Gegenteil, ein gutes Leben, auch wenn man nicht mehr daran teilhaben kann.

Liebe in einer langfristigen Beziehung ist auch nicht immer nur einfach. Aber schön. Wenn man sich darauf einlässt und bereit ist, weiterzumachen. 

Es gibt viele Hindernisse für die Liebe. Ich denke, jeder hat diverse im Gepäck. Und jeder wird die Liebe mal verfluchen. Aber trotz allem: Alles Liebe, man. Einfach Liebe. 

Peace.