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Zuckerstaub

Heute war die Welt überzogen von Zuckerstaub. Man kann es nicht wirklich Schnee nennen, dafür war es zu wenig und zu schnell wieder verschwunden, aber heute morgen, war alles weiß. Beim Laufen knirschte es, die Pfützen krachten und die Luft war so frisch und klar. So mag ich Winter.

feeling home

Manche Menschen fühlen sich überall zuhause. Andere kommen nicht über den Gartenzaun hinaus. Ich denke, ich bin irgendwo dazwischen. Früher hätte ich mich als sehr verwurzelt bezeichnet, inzwischen habe ich gelernt, dass Wurzeln nicht bedeuten, aneinem Ort, bestimmten Menschen oder Traditionen festzuhängen. Wurzeln haben etwas mit Erdung zu tun - und dieses Gefühl kann man tief im Herzen mit sich herumtragen, auch wenn es rundherum stürmt und schneit.

Dennoch ist es schön, ein Heim zu haben, einen Ort, wo man gerne ist, wo man lächelt, wenn man die Tür öffnet, wo alles so ist, wie man es mag.

Wenn wir in einem Ferienhaus sind, brauche ich immer so zwei, drei Tage, bis diese mein Zuhause für den Moment wird. Ich muss erst ein wenig räumen, vielleicht auch was putzen, im Bett geschlafen, vom Teller gegessen, ... kurz: ein wenig dort gelebt haben. Die Atmosphäre füllt sich mit unseren Schwingungen, unserem Geruch, unserem Leben.

Zuhause sammeln sich die Dinge, die wir so im Laufe der Zeit bekommen, gekauft, gefunden haben - im besten Fall, also wenn wir keinen unpersönlich durchgestylten oder stereotyp eingerichteten Räume bewohnen. Kleinigkeiten, die Geschichten erzählen, von gemeinsamen Erlebnissen, Stöbern in kleinen Läden, Ferien am Meer, all den vielen kleinen Begebenheiten, die langsam unsere Persönlichkeit gebildet haben (und es weiter tun), die sich widerspiegelt in unserem Heim.

Ich mag unseren Tisch. Je nach Jahereszeit stehen andere Blumen dort, zur Zeit noch die Barbara-Kirschzweige von unserem kleinen Baum im Garten, der bald wieder wunderbar blühen wird, die Teestasse / Zuckerdose mit dem schönen Holzdeckel und dem blauen Löffel, die auf den Namen Chai hört, Geschenk einer lieben Freundin, kleine Sojasoßenschälchen von meinem japanischen Lieblingsgeschirr Sendan Tokusa, zu denen sich seit Samstag noch zwei Suppenschalen gesellen, der große Teller mit dem Goldrand aus einem Trödelfundus, die kleine weiße Porzellantasse vom Fräulein, Kerzen, Papierlampions, ...

Yep. I'm feeling home :) 

°

Auch im neuen Jahr soll es weitergehen, mit den kleinen Aufgaben, Ideen, Worten für die Woche, meine Kurse, mich, euch ... Ein Klang, der mich bewegt, etwas, das in diesem Moment an mir rührt, mich erwischt hat. Was ich brauche, was mich froh macht, mein Anker, mein Papierflieger, für jeden in seinem Augenblick sicher etwas anderes. Heute (passend gefunden, im, nein, am Tee):

Ist nicht immer so einfach. Etwas auf sich zukommen zu lassen. Nicht einzugreifen, vorzugreifen. Keine Angst davor zu haben. Gelassen zu bleiben. Nicht in Freude vorzurennen und dann den eigentlich Moment zu verpassen. Je nachdem, was kommt. Es kommt zu dir. Einfach so, ob du willst oder nicht. Also lass es doch ... vorbeiziehen oder mit Freuden empfangen. So oder so, mit einem Lächeln wäre gut.

Vorbei und irgendwie ...

Ich weiß, ich komme zu spät mit diesem Post. Weihnachten ist vorbei – aber, sollte man nicht immer ein wenig Weihnachten in sich fühlen? Zumindest Liebe schenken und Frieden ... das kann man das ganze Jahr.

Es war wie so oft – ich wollte soviel und die Zeit war nicht da, aber auch nicht der Wille. Ich brauchte eine Pause und ich finde, es ist wichtig, so etwas zu erkennen. Allein an meinem Schlafpensum konnte ich merken, dass mein Körper nach Erholung schrie und mal ehrlich, wer vermisst hier einen Eintrag ;)

Weder beim Schreiben noch bei allem anderen sollte Zwang der Grund sein. Natürlich gibt es Dinge, die getan werden müssen und manchmal kriegen wir nicht mal unsere Einstellung dazu optimiert, aber gerade so etwas freiwilliges wie ein Blog, Karten, Geschenke und Grüße sollten doch von Herzen kommen –

darum nun, auch wenn das neue Jahr schon begonnen hat, von Herzen: Frohe Weihnachten. Und ein gutes neues Jahr. Auf das es strahlt und leuchtet, glitzert und scheint *

Besuch

Unerwartet, kurzfristig angekündigt, bekam ich gestern Besuch von einer sehr lieben Freundin, die vor Jahren nach Stockholm gezogen ist. Es war ein wunderbarer Nachmittag, so, als wäre sie tatsächlich mal eben vorbeigekommen und unsere gemeinsame Zeit nicht so selten geworden. Erinnerung an Tage, wo wir uns jede Woche getroffen haben, mit den Kindern, Tee getrunken, wesentlicher Teil im Leben des anderen. Die Distanz verändert die Freundschaft unweigerlich, man ist nicht mehr beim Alltäglichen dabei. Aber gestern war es ein wenig so, einfach so, wie immer. Das war schön.

Bumerang

Das, was du in die Welt wirfst, kommt häufig wieder zu dir zurück. Es muss aber nicht immer etwas Negatives sein. Beim Yoga versuche ich, Liebe, Demut, Verständnis, ... in die Herzen zu "pflanzen", den Blickwinkel zu ändern, mehr Lächeln, Mitgefühl und Entspannung in den Menschen hervorzubringen.

Und dann kommt der Moment, wo ich, mitten im Alltag, mit etwas konfrontiert werde, was ich nicht erwarte. Es ist ein Schlag in den Magen, es überrascht mich, zieht mich runter, macht mich fertig. Ich frage mich, wieso Menschen so sein können und meine Fassungslosigkeit wandelt sich in Traurigkeit und vor allem auch Wut. Ich möchte am liebsten sofort "zurückschlagen", auf Konfrontation gehen, mich wehren, ja, meine frisch hochgekochte Aggression rauslassen.

Und dann - kommt der Bumerang zurück, trifft mich, peng!

Wenn deine Yogaschülerin (*!) zu dir sagt, nein, reagier nicht so, lächel, schlag nicht zurück, bleib gelassen - dann weißt du, dass es sich lohnt, immer wieder Gutes in die Welt hinauszuwerfen. Denn auch das kommt zurück, nicht nur das Schlechte. Auch das vermehrt sich und hilft dir, wenn du mal nicht geben kannst, sondern Hilfe brauchst.

Der erste Schritt ist gemacht - runterfahren.

Der zweite Schritt dauert länger ... nicht nur scheinbar lächeln, sondern wahrhaft mitfühlen. Die Wut nicht unterdrücken, sondern tatsächlich entspannen. Nicht traurig sein, sondern weiter positiv denken. Nicht so einfach.

Ich arbeite dran. Und bin derweil dankbar für meine Yogameister!

!

Postkarte gefunden und gekauft mit folgendem Text:

Ich weigere mich einfach irgendwas anderes zu sein als glücklich.

Punkt.

Derweil: Liebe den Herbst!

wieder soweit

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Warum kann man das Denken nicht abschalten? Gut, strenggenommen wäre das sogar das Ziel des Yoga. Vielleicht ist abschalten da zwar das falsche Worte, aber so ungefähr.

Manchmal will es jedenfalls nicht klappen mit dem Lächeln auch an Tag vier ... dann ist es wieder soweit und die Gedanken, die gestern noch so leicht dahingeflogen sind, werden schwere Regenwolken. 

Leben im Hier und Jetzt, das ist eine gute Idee, ein Ziel, ein Plan, den man aber leider nicht immer so einhalten kann. War der Mensch schon immer so? Oder hat er früher nur an das nächste Essen gedacht, nicht an das überüberüberüberübernächste ... 

Rückblickend war doch immer alles gut, dennoch so wenig Vertrauen manchmal in die Vorschau. Das Gefühl, jetzt Entscheidungen treffen zu müssen, sonst ist es zu spät. Ideale anstreben, die doch niemand erreicht. Fast froh, wenn auch andere scheitern, als Beweis, dass man es selbst nicht schaffen muss. 

Das Leben ist schön, aber nicht nur. Ich will keine rosarote Brille, wenn die Gedanken dahinter dunkel sind. Ich möchte, das mein Innerstes so sehr leuchtet, dass der Regen gar nicht erst durchkommen kann. Aber es sieht leider nicht nach permanenter Schönwetterfront aus. Es bleibt heiter bis wolkig. Immerhin. Könnte ja auch immer Unwetter sein!

immer wieder NEUSTART

Die Sommerferien sind vorbei, das gewohnte Leben plätschert langsam wieder herein, und damit auch die Gedanken, hier wieder weiterzumachen. Von mir und anderen kenne ich diesen Moment, wo man sich die Frage stellt "Weiter? Oder nicht." Egal, ob es um irgendein soziales Netzwerk geht oder eben um einen Blog – man schreibt nicht in die Öffentlichkeit, wenn man nicht gehört werden möchte. Gut, für mich als Grafiker ist es auch eine ganz schöne Plattform, um meinen Worten einen Rahmen zu geben. Aber generell wünscht man sich wohl auch Leser, ein Gegenüber, ein Gespräch, auch wenn es eigentlich ein Monolog ist. Bei meinem letzten Blog wusste ich, die Zeit ist vorbei – der Grund, warum ich schrieb, war nicht mehr vorhanden.

Bei hejyoga ist das nicht so, es gibt noch sovieles ... nicht immer kann ich das alles so schnell in Worte fassen, bebildern, strukturieren ... aber es kommt, irgendwann. 

Und ist nicht sovieles immer wieder ein Neustart? Ein Prozess, ein Weitermachen, ein Verändern ...?

In den Ferien hatte ich auch Zeit nochmal ein wenig rechts und links zu schauen, was andere Yogis so schreiben und musste feststellen, dass ich es zwar großartig finde (zumindest zum Teil), es mich auch interessiert und alles, ich aber definitiv nicht so bin. Ich kann keine Kosmetik testen, weil es bei mir selten über Wimperntusche hinausgeht. Auch Yogakleidung, hm, die besteht bei mir aus bequemer Hose und einfachem TShirt. Klar, manchmal hätte ich da auch gerne was anderes und gönne mir vielleicht mal ein Teil, aber der Hype um Hosen und Matten und all den Kram geht irgendwie an mir vorbei. Wenn möglich, entscheide ich mich gerne für etwas, was ich wirklich gut finde und was dann lange bei mir bleiben darf ... 

Aber, es bleibt sicher kulinarisch! Ich koche und backe immer gerne und es wird daher auch weiter ein paar Rezepte geben. Und es wird auch sicher mal was gebastelt oder irgendwie mit Papier gemacht – so auch jetzt zum Restart. Vor allem aber gibt es weiter ein paar Gedanken. Nimm sie, lies sie, denk sie durch oder lass sie liegen, egal. Ich habe das Gefühl, sie müssen noch raus – ob du bleibst und zuhörst oder mich stehen und reden lässt, bleibt dir überlassen :) 

Diese Gedanken sind ja doch auch immer verknüpft mit meinen Stunden und auch diese haben weiter Platz hier. Yoga Woman goes on. 

Anerkennung

Ich denke manchmal darüber nach, warum einige Menschen so unglücklich sind, zu Depressionen neigen, unzufrieden mit ihrem Leben nach Auswegen suchen und nicht immer finden. Dabei begegnet mir als gemeinsamer Nenner häufig das Thema Anerkennung. Einige bekommen anscheinend nicht viel davon ...

Es gibt Jobs – und Charaktere – die diese Aufmerksamkeit wiederum geradezu anziehen. Kreativität zum Beispiel. Und das fördert wiederum eine positive, optimistische Sichtweise. Man sollte es aber zum einen nicht selbstverständlich nehmen und vor allem auch an die anderen denken.

Manchmal findet man etwas toll und sagt es nicht. Oder merkt nicht, dass der andere einfach mal ein Lob braucht, einen kleinen Applaus, ein "du bist großartig und wunderbar". 

Ein Mangel an Anerkennung führt schnell zu Selbstzweifeln, wenig Selbstbewusstein, zu Traurigkeit und ja, vielleicht am Ende auch zu Depressionen. Dann ist es schwierig, da wieder herauszukommen, Anerkennung überhaupt wahrzunehmen, anzunehmen, an sich zu glauben. 

Darum lass es nicht soweit kommen. Sei stolz auf dich, egal, welchen Job du hast, wie du dein Leben gestaltest, etwas an dir ist einzigartig und schön! Und wenn es dir gut geht, dann schenk anderen etwas davon – ein Blümchen für alle, die es gerade brauchen :-*

Sturm

Die Ereignisse der Welt scheinen sich so oft zu überschlagen und ich fühle mich ein wenig wie auf diesem Bild des englischen Malers Joseph Mallord William Turner – wie ein Boot, das in den Wellen hin- und hergeworfen wird, nicht sicher, ob am Ende der Untergang oder ein ruhiger Hafen wartet. Die Flüchtlingskrise, verbunden mit der daraus hervorgegangenen (oder besser: zum Vorschein gekommenen) rechten Gewalt, die Anschläge, der Brexit. Sturm irgendwie. Und man wünscht sich einen, der den Weg aus diesem Unwetter heraus kennt. Aber die Geschichte zeigt zu oft, dass es keinen Weg gibt – das Chaos regiert zu allen Zeiten immer mit.

Turner | Snow Storm - Steam-Boat off a Harbour’s Mouth Date | 1842

Und wie immer bin ich auch innerlich hin- und hergerissen, zwischen Informationsflut und -wunsch auf der einen Seite, und dem Drang, die Tür zu schließen, mich auf die Verandatreppe zu setzen und einfach die Blumen anzuschauen auf der anderen. Weggucken ist sicher der falsche Weg – sich durch die ganzen Geschehnisse und Medien verrückt machen zu lassen aber auch.

Ich überlege, was Europa für mich bedeutet, welches ja in all diesen genannten Themen involviert ist, und denke an das, was mein persönlicher Hafen mir sagt: Frieden. Das gilt leider nicht für die ganze Welt, bei weitem nicht, aber hier in Deutschland haben wir, auch dank dieser Ländergemeinschaft, seit vielen Jahren Frieden.

In Zeiten, wo es uns wirklich schlecht geht, wo es existenziell wird, würden wir uns wohl wenig sehnlicher wünschen, als eben Frieden. Hier geht es uns aber nicht schlecht – wie Hagen Raether sagt, es wird nicht besser – und so regen wir uns auf, über EU-Gurken und Fremdartigkeit, über Nationalstolz und dessen Verletzung, über Identität und Freiheit (wovon die meisten von uns ziemlich viel haben), über Politiker und Nachbarn ... Die Liste ist endlos.

Vielleicht sollten wir mehr Listen der Dankbarkeit schreiben – um uns jetzt daran zu erinnern, was wir hier erleben dürfen, und nicht erst dann, wenn es vorbei ist ...

Inspiration

Das Vishuddha Chakra steht unter anderem auch für das Thema Inspiration. Anstatt die Intention für diese Yogastunde konkret an zB die Kommunikation zu knüpfen, habe ich eine Idee aus dem Design aufgegriffen, mit der man manchmal etwas Frische in die Kreativität bringen kann: Man nimmt ein oder zwei Aspekte, die erstmal nichts mit der eigentlichen Sache zu tun haben oder zumindest nichts miteinander, und bringt diese in den neuen Kontext.

Darum gab es zu Beginn der Stunde für jeden die Möglichkeit, ein Wort auszusuchen, entweder spontan, ungesehen oder bewusst, sowie eine von mir wahllos zugeteilte Farbkarte. Wenn ich solche Impulse gebe, frage ich nie nach, was die Schüler letztendlich für sich daraus gemacht haben – es ist eben nur ein Impuls, eine Option, ein Angebot. Von daher weiß ich nicht, ob es tatsächlich inspirierend war, ob irgendwas im Geist stattgefunden hat – ich als Schüler hätte mich über diese Möglichkeit, klare Gedankenbahnen zu verlassen und einfach mal etwas anderes in die Intention einzubauen, gefreut :) Und nur so kann ich ja meine Stunden gestalten ... 

Welches Wort hättest du gewählt?

Der Junge im gestreiften Pyjama

Das Buch ist nicht mehr ganz neu, von 2006, auch bereits verfilmt. Ich kannte es aber noch nicht, es wollte mit aus der Buchhandlung, wahrscheinlich weil ich die Farbe und Streifen mag. Es gibt keinen Klappentext, man erfährt nicht, worum es in dem Buch geht. Und das war auch gut so, sonst hätte ich mich vielleicht nicht getraut, es mitzunehmen.

Wer das Buch nicht kennt und vielleicht ebenso ahnungslos lesen möchte, hört jetzt hier auf.

Das Buch fängt harmlos an. Es ist einfach geschrieben, ein Kinder- oder vielleicht Jugendbuch (in der Abteilung habe ich es auch gefunden). Der Protagonist heißt Bruno. Er neun Jahre und lebt in Berlin. Nach und nach erfährt man, dass es 1942 ist. Der Vater ist Soldat und wird vom "Furor" als Kommandant nach "Aus-Wisch" versetzt. Aus Langeweile freundet sich Bruno dort bei einer Erkundungstour mit einem jüdischen Jungen auf der anderen Seite des Zauns an ...

Das schöne und gleichzeitig grausame an dem Buch ist die Naivität. Bruno hat keine Ahnung, was da eigentlich vorsichgeht. Niemand hat ihn offensichtlich über den Krieg, die Juden, das Lager aufgeklärt. Er wird noch als kleines Kind angesehen. Bruno zieht zwar seine eigenen Schlüsse, versteckt sich aber immer, wenn er der Sache nahekommt, hinter eben dieser Naivität.

Trotz aller Widersprüche entsteht eine Freundschaft.

Am Ende habe ich nicht geweint, aber es hat mich innerlich so traurig gemacht, viel mehr als ein paar Tränen. Ohne auf die Brutalität einzugehen, verdeutlicht dieses Buch mehr als viele andere den Wahnsinn.

Und wie der Autor im Nachwort schreibt: Es gibt immer noch Zäune.

Bär im Boot

Ich tue mich oft schwer mit speziellen Yoga- oder Philosphiebüchern, die einem mit kleinen netten Anekdoten diverse Lebensweisheiten nahebringen wollen. Das ist mir oft zu plump, zu einfach, zu beliebig – oder auch umgekehrt – zu kompliziert, so lebensfern, zu schwermütig. Nicht so einfach, meinen Nerv zu treffen. Ich kann es auch nicht wirklich beschreiben, aber wenn ich etwas lese, dann merke ich sofort, ob es mich packt oder nicht (wie mit der Musik). Und dieses Buch hat mich gepackt:

Die Geschichte ist eigentlich einfach: Ein Junge möchte auf die andere Seite gebracht werden, ein Bär ist der Kapitän des kleinen Ruderbootes. Über weite Strecken passiert nicht viel, nur das endlose Meer, die Langeweile, das Annähern und wieder Entfernen, Tee trinken. Dann gibt es noch diverse Schiffsbrüche, Ungeheuer und Piratenschiffe – und dennoch bleibt der Rhythmus beruhigend, wie Ruderschläge halt ...

Der schönste Begriff des Buches für mich ist wohl "unvorhersehbare Anomalien im Strömungsverlauf". 

Ist nicht allein das Philosophie und Poesie genug? Beschreibt das nicht mehr als einmal unser Leben? Wollen wir nicht auch irgendwo ankommen und sind doch die ganze Zeit unterwegs? Gibt es überhaupt eine andere Seite? Und sollten wir nicht unsere kleinen Rituale pflegen, auch in Zeiten von Sturm und Schiffsbruch, und uns eine gute Tasse Tee zubereiten? :)

Wahrheit oder Glückskeks

Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte, über ihre Yoga-Erfahrungen. Sie hatte erst vor kurzem Yoga für sich entdeckt – in früheren Kursen hatte es sie einfach nicht gepackt. Das lag zum Teil auch daran, dass diese zu esoterisch daherkamen, mit Worten begleitet wurden, die einfach nicht berühren wollten, und dem Klang einer Stimme, die nicht authentisch war.

Schwierige Sache. Für mich macht Yoga aus, dass es eben mehr ist als Bewegung und Rumturnen. Nicht nur sind die Asanas an sich ausgeklügelte und ganzheitlich wirkende Körperhaltungen, sondern gerade auch die Intention, die ich in diese Positionen, in die Abläufe lege, macht den Unterschied. Das hat für mich aber auch nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist einfach eine tiefe Ebene, die in uns allen steckt, und die wir so wieder wahrnehmen und zum Klingen bringen können.

Ob die Worte, die man in einer Yogastunde an die Klasse richtet, nun als Wahrheit rüberkommen oder als platte Glückskeksphilosophie, mag natürlich auch am Empfänger liegen. Nicht jeder ist in eben dieser Stunde bereit für ein bestimmtes Thema oder eine besondere Stimmung.

Aber als Lehrer ist für mich entscheidend, dass ich es ehrlich meine, dass ich authentisch bin, in dem was ich sage und wie ich handle, dass ich weitergebe, was mich berührt, ohne Zauberei, sondern mit eben jenem Gefühl, das in mir steckt. Ich glaube, das kann man schon spüren und so vielleicht eher bereit sein, die eigenen Gedanken dazu fließen zu lassen ...

Warum diese Gedanken gerade zu Ostern? Für viele Menschen sind das Osterfest und die Religion etwas Besonderes, die absolute Wahrheit, die ihre Herzen schlagen lässt und ihre Seele wärmt. Für andere ist das alles nur Hokuspokus und viel Theater um nichts. 

In diesem Fall bin ich ein Empfänger, der Worte auf sich wirken lässt. Und in dieser Rolle denke ich, sollten wir offen sein. Nicht alles mag uns berühren, vieles können wir vielleicht nicht glauben, aber wir können dem Mysterium mit freiem Geist und bereitwilligem Staunen begegnen – und unsere eigenen Gedanken dazu fließen lassen ... 

Ob wir am Ende die Wahrheit oder einen Glückskeks bekommen, wissen wir nicht. Es bleibt ein Geheimnis des Glaubens.

Immer wieder.

Seit ich diesen Blog schreibe, gab es zwei große Trauerereignisse – der Absturz der Germanwings-Maschine vor fast genau einem Jahr und die Attentate in Paris im November. Nun Brüssel. 

Diese Ereignisse bewegen uns. Sie lassen für einen Moment den schwarzen Vorhang fallen über all das Schöne, Leuchtende, Herzliche, was diese Welt ausmacht. Für einen Moment könnte man denken, es gibt nur Dunkel. 

Manchmal treffen uns auch im persönlichen diese Ereignisse – niemand wird ein Leben ohne Trauer leben. So ist es – immer wieder. 

Im November habe ich geschrieben: 

Es ist Zeit – für Mitgefühl, Hoffnung, Liebe und Frieden.
So ist es – immer wieder. 

Lasst diese Dinge nicht dunkel werden, bleibt ein Strahlen! Die Welt, das Leben, ist es wert.