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Herzmomente

Es gibt so Momente, das strömt das Herz über. Es kann ein ganz kleiner Moment sein, ein Blick zum so vertrauten Partner, wissend, dass die Gedanken gleiche Wege gehen. Eine Hand, die deine hält. Eine stürmische Umarmung des Kindes. Ein Kuss voller Schokolade und Dreck und doch der beste. Das Gefühl, nicht allein zu sein. Nach Hause zu kommen. Licht zu sehen. Ein Wort, ein Lied. Es gibt soviel ...

Wenn jemand von einer langen Reise kommt und an dich gedacht hat. Dir Dinge mitbringt, die so wunderbar, so einzigartig, so liebevoll ausgesucht sind, dass du weisst, du bist da fest verankert in dem anderen Herzen, dass Zeit und Meilen nicht zu weit sind, um die Verbindung zu lösen ... dass jemand dich mag.

Das macht glücklich. So sehr.

Max Strom

Im Frühjahr war ich in Frankfurt auf einem Workshop von Max Strom. Er ist ein amerikanischer Yogalehrer mit einem Fokus auf Pranayama, den Atem, und hat zwei Bücher geschrieben, von denen ich eins vor dem Workshop gelesen und geliebt habe: Das Herz des Yoga (A Life Worth Breathing). Mit seinen eigenen Worten beschreibt Max sich so:

"Meine Mission ist es, den Menschen zu helfen, sich zu erinnern, wer sie sind und zu was sie fähig sind und Werkzeuge zur Verfügung stellen, die sie befähigen, ein aussagekräftigeres Leben zu führen."

In dem Workshop referierte Max über die Aussagen seiner Bücher, wir praktizierten ein wenig Yoga zusammen und übten Pranayama. Es war ein guter Tag, um die Gedanken ein wenig zu fokussieren und neu auszurichten. Unter anderem stellte Max uns drei Fragen, von denen eine mich besonders nachhaltig beeindruckt bzw. beschäftigt hat:

Wen kennst du, der Glück(seligkeit) ausstrahlt?

Max erzählte in diesem Zusammenhang von einer Frau, die er, ich glaube, in Indien kennengelernt hatte, eine Ärmste der Armen, die als Bettler in der Stadt saß, aber nicht traurig, nicht wütend, sondern wahres Glück ausstrahlend und die ihm, der sich neben sie setze, ein wunderbares Gefühl von Glückseligkeit vermitteln konnte, ohne wirklich Worte füreinander zu haben, die sie verstehen konnten.

Ich fand die Frage unglaublich schwer zu beantworten. Wen kennt man schon, wenn auch flüchtig, der nicht mal schlechte Tage hat, dunkle Gedanken mit sich rumschleppt, auch mal sauer, wütend, traurig, verzweifelt ist ... Wer ist denn immer glücklich?!

Dann habe ich überlegt, ob es darum überhaupt geht. Muss es jemand sind, der immer glücklich ist, um für andere Glück auszustrahlen? Ist es nicht viel mehr jemand, der mir zeigt, dass auch in dunklen Tagen ein Licht scheint, dass auch aus etwas Negativem etwas Gutes werden kann?

Ich musste an meine Oma denken. Sie kommt dieser Idee vielleicht am nächsten. Ich glaube nicht, dass es ihr immer gut geht oder das Leben immer nur Sonnenschein war, schließlich ist sie im zweiten Weltkrieg groß geworden, hat Bombenangriffe und Verluste mitmachen müssen ... und doch würde viele sicher sagen, dass sie ein gutes Leben hat – weil sie es auch zu einem guten Leben macht! Egal, wann ich bei meiner Oma bin oder mit ihr unterwegs, es ist immer schön. Sie macht das Beste aus allem. Sie nimmt Kleinigkeiten für ein Picknick mit, breitet Taschentücher auf Parkbänken aus, zündet Kerzen an, erzählt etwas Lustiges, ist immer für mich da.

Vielleicht ist das nicht die reine Glückseligkeit, die Max bei dieser Frau in Indien verspürt hat, aber es ist doch ein Stück davon ... und dann gingen meine Gedanken noch weiter und ich überlegte, wenn es so schwierig ist, jemanden zu finden, der mir dieses positive Gefühl vermittelt – muss ich dann nicht anfangen, derjenige zu sein?

Ist das nicht die eigentliche Botschaft, die Antwort? Bei sich selbst anzufangen?

Es ist ein wenig vergleichbar mit "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!". Wenn ich mich liebe, im positiven und narzistischen Sinne, dann kann ich auch frei und aufrichtig diese Liebe weitergeben an andere. Wenn ich optimistisch, glücklich, mit mir im Reinen bin, dann kann ich auch das weitergeben, für andere positiv sein und so ein wenig Glückseligkeit verbreiten.

Mir ist klar, dass es ein wenig naiv klingen mag. Es ist einfacher, etwas destruktives zu sagen oder zu tun, als eine "frohe Botschaft" zu verbreiten. Aber wie immer, es kommt doch auf einen Versuch an, oder?

Wenn dich niemand trägt, dann raff dich auf, sei du für andere Glück, Seligkeit, Inspiration, Liebe, Licht.

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I am
I am
afraid to meet myself when I'm old
I am afraid to meet someone else than I thought

From there I can see how my past was strong on a string
But from here I can feel how the fear demands to begin
From here I can see if my future is hollow and save
I can only ask for the following day to be on my site

I am
I am
afraid to meet myself when I'm old
I am afraid to meet someone else than I thought

And now it's time, to take my life in my own hands
And not to wait till life takes me by the hand

And now it's time to decide if the pain should rain over my life
And I know that all this will take time

I am
I am
afraid to meet myself when I'm old
I am afraid to meet someone else than I thought

I am
I am
afraid that be in afraid is a sin
because it makes me wait forever for my life to begin

I don't wanna wait till forever for my life to begin

Rendezvous

(ohne Bild)

Manchmal hat man kein Bild zum Gefühl. Und vielleicht auch nicht mal die Worte. Es ist einfach da, ein Zustand der Unruhe, der Ungewissheit, der Unsicherheit. Alle diese Worte mit Un- birgen nichts Gutes in sich ... Dabei ist gar nichts Schlimmes passiert. Und das ist vielleicht das eigentlich Schlimme. Dieses aus dem Nichts kommen, scheinbar grundlos.

Ok, ich weiß nicht genau, wie ich weitermachen möchte. Und welche Richtungen sich mir überhaupt bieten. An einem Tag euphorisch vor Möglichkeiten, am nächsten in Sorge vor der was-ist-wenn-da-was-blödes-kommt, am übernächsten depremiert denkend und-wenn-sich-gar-nichts-ändert.

Warum kann man nicht aktzeptieren, dass jetzt gerade doch alles fein ist. Und eigentlich auch immer war. Es ist immer weitergegangen und es war immer gut. Und Stillstand ist auch nicht mein Ding. Ich brauche Veränderung in einem gewissen Maße. Etwas für den Kopf, zum Weiterentwickeln. Dafür muss man anderes hinter sich lassen, loslassen.

Woher dann diese Gedanken?

Dazu was Hervorragendes gelesen – aus "Die Psychologie des Yoga" von Ralph Skuban (absolut empfehlenswert!!!):


... Obwohl Gestern und Morgen nicht mehr oder noch nicht existieren, im Grunde also fiktional sind, wirken sie durch unser Denken in unser Wahrnehmen, Fühlen und Handeln hinein und verursachen sehr viel duhkha (negativen Raum, Leid im weitesten Sinne). ...

... Nur allzu gerne beschäftigt sich der Geist im Hier und Jetzt mit Vergangenem, er kann sich darin geradzu verstricken; er hadert, ist verärgert und leidet darunter, dass die Dinge gestern so gelaufen sind, wie sie eben gelaufen sind, obgleich sich nichts mehr daran ändern lässt. Zu einem vermeintlichen Misserfolg in der Vergangenheit tritt der Schmerz hinzu, den Ärger und Groll verursachen. Hinsichtlich der Zukunft verhält es sich ganz ähnlich: Der Geist spielt fiktive, negative Szenarien durch. Er verheddert sich in seinen Gedanken, und wir erleben Sorge und Angst. So quälen uns die Spuren des Gestern und der Schatten von morgen, obgleich sie gar nicht existieren. Diese Art des Funktionierens in den drei Zeiten ist leidhaft, ja sinnlos. Es macht den größten Teil jener negativen Räume aus, in denen so viele von uns leben. ...

Ich finde, das klingt sehr wahr. Und wie kommen wir nun da raus? Fokus aufs Hier und Jetzt, Meditation auf das, was wir gerade hören, auf unseren Atem, auf die Gegenwart, auf den Moment ... diese Zeit sollten wir uns nehmen, dann verplempern wir sie nicht an anderer Stelle für diese überflüssigen gedanklichen Baustellen :)

Versuchen, weitermachen, nicht aufgeben.

Irgendwie Frühling

OK, hier war es einige Tage sehr ruhig. Also nichts los. Könnte man meinen. Aber man kann ja nicht immer und überall lesen, man müsste mehr offline sein, sich dem wahren Leben widmen, ja, es selbst irgendwie predigen und dann nicht ab und zu auch mal machen.

Es waren Ferien. Familienzeit. Und irgendwie Frühling.

Zwar mit Kälteeinbrüchen und ab und zu mal Regen, aber insgesamt doch leuchtend und schön. Die Apfelblüten, die Ostereier, Gartenarbeit, Dachboden ausmisten, Keller auch, sich frei fühlen, aufgeräumt, bereit für mehr – mehr Frühling, ach, Sommer.

Von daher: Ich schreibe gerne hier, ich brauche es, sicher mehr für mich als für die Welt, die nicht auf weitere Blogergüsse wartet :) Aber wichtiger ist immer das wahre Leben! Also: mehr raus! Apfelblüten riechen. Sonne spüren. Menschen umarmen.

° universe

Was auch immer uns trägt – der Gedanke, alle im funkelnden Sternenstaub vereint zu sein, unser innerstes Licht, welches niemals verlöschen wird, oder das Bewusstsein, dass das ganze Universum in unserem Herzen existiert – es steckt soviel Energie, soviel Großartiges und Wunderbares in uns, das darauf wartet, hinauszustrahlen, Glück und Seligkeit zu verbreiten, die wahre Schönheit hinter allem aufzuzeigen!

Pranayama ist ein Weg, Zugang zu unserem Inneren zu finden, Ruhe und Stille des Geistes zu üben, Bewusstsein zu schaffen und Frieden zu verbreiten. Ein wichtiger Schritt in Richtung Meditation und Freiheit.

Wenn du magst, versuch es – es gibt viele einfache Möglichkeiten, anzufangen:
Setz dich bequem hin, so dass du entspannt aufrecht für einige Minuten verharren kannst, eng deinen Bauch nicht ein, also am besten im Schneider- oder Fersensitz, atme tief ein ... und entspannt aus. Bei der Einatmung versuche, viel Luft in dich hineinzusaugen, deine Lungen, deine Rippen weit werden zu lassen – bei der Ausatmung atme durch den entspannten Mund aus, lass deinen Kiefer locker und deine Schultern sinken, ohne deine Aufrichtung zu verlieren. Atme so einfach einige Minuten ein und aus. Du wirst sehen, es beruhigt, es führt dich zu dir, es blendet deine Umwelt mehr und mehr aus.

Eine weitere beruhigende Atemtechnik ist die recht populäre 4-7-8 Atmung, dh auf vier Zeiten einatmen, sieben Zeiten den Atem halten und auf 8 Zeiten ausatmen. Im Yoga gibt es unterschiedliche Zählzeiten – du kannst auch mit gleichen Zeiten atmen, dh zB 7-7-7 oder dich steigern in der Atemverhaltung.

Allerdings solltest du bei Pranayama, also Atemtechniken, immer gut auf deinen Körper hören. Atem kann auch Panik in uns auslösen, Hyperventilation, Stress, ... deshalb fang immer klein an, steiger dich vorsichtig, beobachte die Reaktion deines Körpers. Wie bei allem im Yoga geht es auch beim Pranayama um deinen persönlichen Zustand – kein Wettbewerb, sondern ein tägliches neues Einfühlen, Ausprobieren, Annehmen.

Wenn wir schon ein paar Mal am Tag einfach bewusst Atmen würden ... anstelle dieser flachen Kurzatmung, die wir ansonsten unbewusst machen ... wäre das schon sehr viel wert. Mir fällt es immer leichter, solche Ideen zu etablieren, wenn ich diese mit täglichen Dingen verbinde – zb nach dem Zähneputzen zehn Mal tief und entspannt atmen. Oder wenn ich ins Auto steige, bevor ich losfahre. Oder vor dem Schlafengehen, entweder sitzend auf dem Bett oder auch liegend (da würde ich jetzt nicht jede Atemtechniken machen können und wollen, aber einfaches entspanntes bewusstes Atmen oder so etwas wie 4-7-8 geht auch im Liegen).

Fang einfach an. Atme :)

° light

Ich war vor kurzem bei einem eintägigen Workshop bei Max Strom. Zuvor hatte ich sein Buch "Das Herz des Yoga" (englischer Titel: "A life worth breathing") gelesen, verschlungen, aufgesogen, in mein Herz geschlossen. Der Workshop war in vielerlei Hinsicht inspirierend, unter anderem stellte Max die Frage, welche(n) erwachsenen Menschen wir kennen, der für uns wahres Glück und Freude ausstrahlt. Es müsse niemand sein, der uns besonders nahe steht, einfach nur jemand, in dessen Gegenwart man sich gerne aufhält und wo man das Gefühl hat, dieser Mensch hat diese gewisse Ausstrahlung.

Ich fand das sehr schwer zu beantworten. Natürlich gibt es Menschen, die eher optimistisch und gut gelaunt daher kommen, aber man weiß halt gerade bei denen, die man näher kennt, auch um die dunklen Tage, die Schattenseiten, die Mühe, die dieser Optimismus manchmal kostet.

Ich dachte dann, vielleicht geht es nicht darum, jemanden zu finden, der immer gut drauf ist, sondern eher genau jemanden, der trotz allem positiv denkt. Mir fiel unter anderem meine Oma ein, weil sie jemand ist, der auch aus weniger schönen Situationen versucht, immer etwas feines zu machen. Dieses Bemühen, auch anstrengende, hektische, nervige Tage mit kleinen Dingen zu versüßen, finde ich, strahlt schon sehr viel Glück und Freude aus.

In der Yogastunde habe ich diese Frage dann am Anfang als Intuitionsanstoß in die Gruppe gegeben – und gegen Ende, in der Stille, dann gesagt: "Wenn es dir vielleicht auch schwergefallen ist, diese Frage zu beanworten, diesen jemand zu finden – dann sei du dieser Mensch, der für andere Glück und Seligkeit ausstrahlt, Inspiration, Liebe und Licht."

Wie immer ist das Ziel scheinbar weit – wie immer wäre es schon großartig, wenn wir uns alle zumindest auf den Weg machen würden.

° star

Zitat der liebsten Soulsister heute in einer Mail vom anderen Ende der Welt:

Die meisten Menschen bewegen sich oft nur in den ersten drei Chakren – dh Existenzsicherung und ganz viel ICH. Wenn wir weiter nach oben wachsen wollen, braucht es einiges mehr!!

Darum in den nächsten Yogastunden: der Blick nach oben, zu den Sternen.
Oder doch, gerade, viel mehr, in unser Herz?!

°

Manchmal fällt das leicht. Wenn wir verliebt sind, glücklich, gut gelaunt, ... dann können wir auch geben, nehmen die Dinge entspannt, teilen unsere Liebe.

Schwieriger, wenn es uns nicht gut geht. Das Herz gerade kämpfen muss. Dann verschließen wir uns lieber und behalten den kleinen mickrigen Rest für uns.

Doch Yoga bringt uns weiter, zeigt neue Perspektiven, die uns auch in dunklen Momenten das Licht erstrahlen lassen, unser Herz offen halten und wir geben, geben, geben, ...

Immer wieder zitiere ich dazu so gerne den großartigen Frank Schuler: Du haust dich raus, du schenkst dich weg!

It's worth a try.

meins oder keins

Zwei interessante Artikel gelesen, die sich beide mit der gleichen Thematik beschäftigen: Besitz.

Manchmal weiß ich nicht, ob ICH einfach an einem bestimmten Punkt im Leben angekommen bin – oder ob ich den WELLEN folge, die in der Welt, der Gesellschaft, kommen und gehen.

Als wir unsere erste Wohnung bezogen, waren wir froh, bei Ikea für kleines Geld viel schlichtes und schönes Mobiliar zu erstehen – wir konnten uns komplett einrichten, alles sah nett aus, fertig. Dann kam die Individualität. Gegenstände sammelten sich an und verliehen unserem Heim eine persönliche Note. Aus Ikea wurde meins.

Die Ansprüche stiegen mit der Zeit. Es musste nicht das Teuerste sein, aber es sollte Wert haben. Entweder Designerstück oder Qualität. Oder sonst irgendwie etwas Besonderes.

Dann schlug es irgendwann um. Als hätte man den Höhepunkt einer Welle erreicht und müsste nun erstmal wieder runterkommen. Es war alles zuviel. Es wurde aussortiert, verkauft, verschenkt, entmüllt. Damit wurde der Anspruch nicht weniger, im Gegenteil. Wenn man schon einen neuen Mülleimer kauft, dann bitte aber einen mit Qualität UND gutem Aussehen.

Diesen Trend finde ich um mich herum mehr und mehr wieder. Ich dachte, es läge einfach an mir, dass zuviel Kram inzwischen rumliegt und ich das Bedürfnis nach freiem Raum spüre. Aber es scheint doch ein Gesellschaftsphänomen zu sein. Stapelweise Bücher lehren uns, wie man ausmistet. Erklären uns, wie toll ein leerer Schreibtisch ist. Und dass man eigentlich mit hundert Dingen (Wattestäbchen inklusive!) auskommt im Dasein.

Der erste Artikel befasste sich mit diesem Ausmisten. Weniger ist mehr. Und der Meinung der Autorin, dass sie doch viel mit den einzelnen Dingen verbindet, diese sie an Ereignisse, Gefühle, Menschen erinnern wie ein Tagebuch. Zuviel, um sie wegzuschmeißen.

Beim zweiten Artikel ging es um das gleiche Thema mit etwas anderem Schwerpunkt. Ein für mich entscheidender Satz: "Eigentlich wollen wir all den Krempel ausmisten, der das Leben so unübersichtlich macht, aber dazu kaufen wir erst einmal etwas ein." Geht mir manchmal auch so. Ehrlich gesagt.

Egal, ob wir uns einrichten, unsere Freizeit gestalten, in die Ferien fahren – weniger ist hier tatsächlich mehr, nämlich mehr Vorbereitung, Gestaltung, Ausrüstung etc.

Ich sehe das auch in dieser Yogawelt. Immer neue Klamotten (sauteuer) und schönere, komfortablere oder transportablere Matten (ja, neue Farben, tolle Muster), hier noch eine Malakette, da noch eine Tasche, was man nicht alles so braucht, um zu sich zu finden. Der Weg zum Ich ist gut gepolstert :)

Aber es ist ja auch zu schön – und man will ja gut gerüstet sein und dazu noch Stil beweisen.

Und was nun? Alles weg?

Ich glaube, das wäre nicht der Weg für mich. Aber ich will auch nicht mehr, mehr, mehr. Wohlüberlegt ist vielleicht das richtige Wort. Was hat für mich Wert? Was nutze ich wirklich? Woran hängt meine Erinnerung und wieviel Raum nimmt diese im Verhältnis zum Volumen des Gegenstandes ein? :) Ein paar Fotos in einer Kiste tun wahrscheinlich keinem weh, der riesengroße Tisch von Oma, den ich eigentlich nicht will, vielleicht doch auf seine platzeinnehmende Weise ...

Ja, ich finde es befreiend, aufzuräumen und mich von einigen Dingen zu trennen. Aber genauso trägt es zu meinem Wohlfühlen bei, wenn mir zufällig ein Shirt in die Hände fällt, das eines meiner Kinder als Baby getragen hat. Oder ich die Postkarte einer Freundin in einem Buch wiederfinde. Oder ich keinen neuen Topf für die Feier mit Freunden kaufen muss, weil da einfach noch einer im Schrank steht und auf seinen alljährlichen Einsatz wartet. Ich verleih den auch, wenn jemand anderes mal Bedarf hat.

Egal, wofür ich mich entscheide – eins muss jedem klar sein: Es ist sowieso alles nur für den Moment. Tja, wir können tatsächlich nichts mitnehmen und wissen auch nicht, ob sich irgendjemand noch über unseren gesammelten Krempel freut, wenn wir mal nicht mehr sind. Wahrscheinlich eher nicht, denn es ist ja UNSER Kram. Insofern ist etwas kleiner halten zumindest schon mal eine gute Richtung ...

all we are saying ...

Ein kurzes Gespräch auf der Arbeit heute. Auslöser meine Postkarte – Peace please. Die Meinung dazu: Frieden wäre nicht möglich, oder eher, nicht erstrebenswert. Es wäre doch eine Gleichheit von Meinung, weichgespült und utopisch, stattdessen bräuchte es ab und zu ausgefahrene Ellbogen, um manchen Leuten den Weg zu weisen, anders würden die das nicht verstehen. Das hieße nicht Krieg, nein, das nicht. Aber was dann?

Ich kann das nicht so sehen. Frieden ist das Ziel. Frieden ist der Weg. Gewalt wird nur neue Gewalt produzieren. Krieg nur Hass, Kummer und Angst. Frieden bedeutet nicht Uniformität, sondern Toleranz und Akzeptanz. Rücksichtnahme und dennoch Selbstbewusstsein. Sich nicht klein machen – und andere auch nicht. Freiheit. Angstfreiheit.

Dazu ein Zitat aus einer Zeitschrift:

Mit jedem freundlichen Wort, jedem Lächeln, jedem Lob, jedem Vertrauensbeweis kann ich meine Welt ein wenig verbessern, in dem ich sie schöner und liebenswerter für die Menschen gestalte, die mit mir darin leben.

Give Peace a Chance!

Love Franziska

Ein Tipp meiner Soulsister, ein Blick ins VideoKontrolle vs Vertrauen.

Ich hatte Franziska schon mal "gesehen", wie das im Internet so ist, man surft auf einigen Yogaseiten, trifft immer wieder auf die gleichen, lernt die Menschen, die diese Seiten erschaffen, so ein wenig kennen – meint man zumindest. Persönlich habe ich Franziska noch nie getroffen oder gesprochen.

Ein Bild ist entstanden, nett, Ok, aber nicht direkt auf einer Wellenlänge. Auch die Begeisterung meiner Freundin und ihre positive Beurteilung haben mich nicht wirklich mitgezogen, vielleicht war es der Titel dieses Videos, der mich dann noch auf die Seite gebracht hat, ihre eigene Seite, franziska.love.

Und dann kam die Stimme dazu. Es ist erstaunlich, es waren nicht die Worte, sondern eher die Stimme, die eine positive Stimmung in mir geweckt hat, die mehr in mir angesprochen hat, als alle Worte und Themen vorher.

Was man letztendlich aus dem Video mitnimmt, wie offen man für was ist und wo man selbst überhaupt gerade stehen mag – da muss jeder in sich selbst schauen. Interessant fand ich es in jedem Fall, vielleicht brauchst du diese Gedanken zu einem anderen Zeitpunkt – wenn du magst, schau mal rein.

Irgendwie fügt sich ja immer was zusammen – meine Gedanken zu unseren Lebensaufgaben, Schicksal und Freiheit – die sich auch in Kontrolle und Vertrauen widerspiegeln. Stay optimistic – and smile :)

°

Manchmal grübelt man, manchmal muss man einfach feiern. Gerade wenn es draußen trübe ausschaut – und innen drin vielleicht auch. Das Leben ist zu kurz, wer weiß es nicht, also lasst Konfetti regnen und Glitzersterne sprühen:

Ach ja, Kerzen auspusten und Wünsche in die Welt schicken, nicht vergessen. Eigentlich ein Mantra für jeden Tag, nicht nur für diese Woche ...

°

Warum ich?

Manche Dinge verdienen diese Frage sicher, schwere Schicksalsschläge, die sich nicht so einfach hinnehmen lassen. Aber wie oft sind es schon Kleinigkeiten, die Unfrieden in uns stiften – warum muss ich immer aufräumen, wieso streiten sich die Kinder schon wieder, hat der Chef immer nur mich auf dem Kieker, ... Wir fühlen uns im Nachteil, wünschen ein perfektes Leben, alles reibungslos und ansonsten sind wir verständnislos ...

Ich mag die Vorstellung, die ich hier sicher hier schon mal beschrieben habe (aber ich muss sie mir selbst immer wieder vor Augen führen :), dass wir mit einem Paket an Aufgaben auf die Welt kommen. Diese Aufgaben sind da, manche einfach, kaum wahrgenommen, andere so schwer, dass sie nicht zu bewältigen scheinen – das ist vielleicht das, was manche als Schicksal betiteln würden. Doch wie wir mit diesen Aufgaben umgehen, welchen Weg wir letztendlich wählen, mit welchen Gefühlen wir reagieren – das ist unsere Freiheit.

Akzeptanz ist schon mal ein Schritt. Aktzeptieren, dass es einfach unsere Aufgabe ist, das, was das scheinbar als Berg vor mir liegt. Meine Aufgabe – und nicht die eines anderen, dh nur ich kann diese Aufgabe lösen! Aktzeptieren, dass es mir freisteht, wie ich damit umgehe. Und vielleicht schließlich erkennen, dass es an mir ist, das Beste daraus zu machen, positiv ans Werk zu gehen, mit Selbstvertrauen in die eigene Kraft und Fähigkeit. Das wäre doch wirklich schon mal ein riesiger Schritt ...

Ach ja, Akzeptanz heißt für mich nicht Resignation und Handlungsunfähigkeit! Aber ich denke, das ist durchgekommen :)

°

Sometimes it's ok if the only thing you did today was breathe.

Diese Zitat von Milan Kundera habe ich schon einige Male gelesen, gerne auf Yogablogs — es passt auch wirklich gut zum Fokus "Atmen". Machen wir ja auch viel zu selten. Also atmen schon, klar. Aber bewusst? Tief? Ganz und gar? Nur aufs Atmen konzentriert? Hm ... eher nicht. Oft haben wir tausend Dinge gemacht, den ganzen Tag lang, aber nicht einmal wirklich geatmet.

Insofern ist der Satz schon fast ein wenig untertrieben. Es ist nicht "ok", wenn du "nur" geatmet hast. Es ist tausend Mal mehr als ok. Es ist wichtig, unendlich wichtig, eigentlich großartig, wenn du mal einen Tag richtig geatmet hast ...

Ich nehme es mir mal vor, für diese Woche ist es mein Mantra ... und vielleicht auch deins.

Zuckerstaub

Heute war die Welt überzogen von Zuckerstaub. Man kann es nicht wirklich Schnee nennen, dafür war es zu wenig und zu schnell wieder verschwunden, aber heute morgen, war alles weiß. Beim Laufen knirschte es, die Pfützen krachten und die Luft war so frisch und klar. So mag ich Winter.

feeling home

Manche Menschen fühlen sich überall zuhause. Andere kommen nicht über den Gartenzaun hinaus. Ich denke, ich bin irgendwo dazwischen. Früher hätte ich mich als sehr verwurzelt bezeichnet, inzwischen habe ich gelernt, dass Wurzeln nicht bedeuten, aneinem Ort, bestimmten Menschen oder Traditionen festzuhängen. Wurzeln haben etwas mit Erdung zu tun - und dieses Gefühl kann man tief im Herzen mit sich herumtragen, auch wenn es rundherum stürmt und schneit.

Dennoch ist es schön, ein Heim zu haben, einen Ort, wo man gerne ist, wo man lächelt, wenn man die Tür öffnet, wo alles so ist, wie man es mag.

Wenn wir in einem Ferienhaus sind, brauche ich immer so zwei, drei Tage, bis diese mein Zuhause für den Moment wird. Ich muss erst ein wenig räumen, vielleicht auch was putzen, im Bett geschlafen, vom Teller gegessen, ... kurz: ein wenig dort gelebt haben. Die Atmosphäre füllt sich mit unseren Schwingungen, unserem Geruch, unserem Leben.

Zuhause sammeln sich die Dinge, die wir so im Laufe der Zeit bekommen, gekauft, gefunden haben - im besten Fall, also wenn wir keinen unpersönlich durchgestylten oder stereotyp eingerichteten Räume bewohnen. Kleinigkeiten, die Geschichten erzählen, von gemeinsamen Erlebnissen, Stöbern in kleinen Läden, Ferien am Meer, all den vielen kleinen Begebenheiten, die langsam unsere Persönlichkeit gebildet haben (und es weiter tun), die sich widerspiegelt in unserem Heim.

Ich mag unseren Tisch. Je nach Jahereszeit stehen andere Blumen dort, zur Zeit noch die Barbara-Kirschzweige von unserem kleinen Baum im Garten, der bald wieder wunderbar blühen wird, die Teestasse / Zuckerdose mit dem schönen Holzdeckel und dem blauen Löffel, die auf den Namen Chai hört, Geschenk einer lieben Freundin, kleine Sojasoßenschälchen von meinem japanischen Lieblingsgeschirr Sendan Tokusa, zu denen sich seit Samstag noch zwei Suppenschalen gesellen, der große Teller mit dem Goldrand aus einem Trödelfundus, die kleine weiße Porzellantasse vom Fräulein, Kerzen, Papierlampions, ...

Yep. I'm feeling home :)