Home / Chakren / Essays

S A H A S R A R A

Oben angekommen – und nach unten geguckt ... so könnte man diese Stunde bezeichen :) Das Kronenchakra beinhaltet quasi die Erleuchtung – tja, nur so einfach kommt die ja nicht über uns. Also aktivieren wir das Chakra mit Umkehrhaltungen – der Königsasana, dem Kopfstand, oder etwas Nacken/Schülerfreundlicher mit dem feet-up! Eine weniger meditative Stunde (hatten wir ja auch schon beim letzten Chakra, das muss erstmal vorhalten), dafür mehr Spaß und Mut!

Kopf oder Herz ... Verstand oder Gefühl ... Mut zum Ja, zum Nein ... immer wieder die Frage der Oberhand, des richtigen Weges ... vielleicht heißt Erleuchtung auch Erkennen, dass "hier und jetzt" diese Frage nicht stellt, sondern dem Impuls des Augenblicks nachgibt, egal, wodurch dieser Impuls ausgelöst wurde ...

A J N A

Das Ajna-Chakra, der Punkt auf unserer Stirn, unserer drittes Auge, lässt uns nach innen schauen. Intention, die Stimme in uns, das Gefühl, welches uns manchmal vermeintlich spontane Entscheidungen treffen lässt und doch vielleicht nur der Ausdruck einer langen Reise ist.

Die Yoga-Ausbildung war für mich so eine Entscheidung – scheinbar spontan, fast von einem Tag auf den anderen, eine Probestunde Vinyasa in einem Studio und schwupp, Vertrag unterschrieben, angemeldet. Doch es kam nicht plötzlich, es war schon so lange in mir und kam einfach an zu diesem Zeitpunkt zum Vorschein. 

Vielleicht ein Grund, mehr auf das, was wir Intuition oder Bauchgefühl nennen, zu hören – es ist selten ein plötzlicher Sinneswandeln, sondern viel mehr etwas, dass ganz lange unter der Oberfläche geschwimmert hat und nun endlich strahlen möchte!

Was bringt uns im Yoga zu diesem Punkt? Mehr Ruhe, mehr Fokus, mehr Innehalten. So ging es diese Mal ohne Ansage durch die Sonnengrüße, alleinige Konzentration auf den eigenen Atem, den individuellen Flow, weiter ins beruhigende Nadi Shodana und schließlich in die Stille, die Meditation ...

V I S H U D D H A

Kehlchakra klingt erstmal nicht so spannend, finde ich. Zumindest nicht so wie Herzchakra oder Kronenchakra ... Kehle, wann beschäftigt man sich schon mal damit, außer man ist vielleicht Sänger! Dabei kommt soviele aus unserer Kehle und soviel auch hinein – Kommunikation, Gesang, Atem ...

In dieser Stunde haben wir ein Mantra gesungen (om namo bhagavate, in dieser wunderschönen Version von David Lurey!) – viele haben sich noch ein wenig zaghaft doch getraut, mitzusingen, ein großer Fortschritt! Als Peakpoint gab es Halasana – sonst häufig mehr eine Übergangsasana zum Schulterstand, in dieser Stunde mal im Fokus in all seinen schönen Varianten!

A N A H A T A

Liebe ist überall und doch ein nicht so einfaches Thema. Dabei kann man den Fokus auf so vielfältige Weise setzen, Liebe ist unendlich viel. Dieses Mal ging es mir um die bedingungslose Liebe. Wenn man es schafft, den Geist freizumachen, die Schubladen weit aufzuziehen und den Vorhang fallen zu lassen ... dann kann man tatsächlich hinter die Fassade blicken und einfach nur den Menschen sehen. Ist nicht einfach, gelingt im Alltag mal eben sowieso nicht, aber man kann sich ja immer wieder daran erinnern.

Viele Herzöffner bestimmen natürlich die Stunde, ein betont langsamer, hingebungsvoller Flow und eine kleine Auge-in-Auge-Meditation mit dem Mattennachbarn. Liebe ist generell nicht so einfach :) Gibt aber immer wieder Hoffnung.

M A N I P U R A

Uns fehlt so oft die Energie. Was bleibt am Ende des Tages, der Woche, des Jahres von den wunderbaren Ideen, die wir hatten, von den Listen, unseren Plänen?

Vielleicht liegt es aber auch ein wenig an der Sichtweise – wir wollen soviel. Alles scheint möglich, sovieles ist zu sehen, bei anderen, offline und online. Du hast noch keine Weltreise gemacht? Läufst keinen Marathon? Bist kein Chef? Strickst nicht mal deine Pullis selbst? Was soll das nur für ein Leben sein ...

Sich lösen von den Werten, Zielen, Wünschen anderer, kann manchmal soviel Energie freisetzen – Energie, für die Dinge, die wir wirklich wollen. Und wenn das einfach nur leben ist – warum nicht? Energie kann man auch spüren, still in sich hineinfühlen, wie sie uns wärmt, erhellt, brodelt!

Sie wird ihre Aufgabe, ihren Moment finden, wo sie sich freisetzt und Taten vollbringt :)

Manipura, das dritte Chakra, in unserer Mitte, kann helfen, diese Energie wieder zum Vorschein zu bringen, mit vielen Twists und Flows das Feuer neu entfachen, und bis in die Fingerspitzen wärmen ...

S V A D H I S T H A N A

Fließen kann etwas wunderschönes sein. Nicht nur im Yoga suchen wir den Flow, auch in anderen Bereichen spricht man davon, wenn unsere Tätigkeit im perfekten Rhythmus läuft und wir uns optimal gefordert fühlen, gut fühlen, im Einklang mit unserem Handeln, unserem Sein sind ...

Diese ständige Transformation ist aber oft unerwünscht, wenn der Ist-Zustand doch gerade so schön ist, dass wir alles festhalten wollen. Festhalten ist überhaupt das Stichwort – wir wollen alles erreichen, wir wollen besitzen und wir wollen es nicht wieder abgeben.

Zu aktzeptieren, dass nichts für die Ewigkeit ist – eben auch unser Leben nicht – fällt vielen schwer. Unsere Gesellschaft, die gewisse Lebenssituationen als ideal, als Standards ansieht, die das Altern am liebsten ignorieren würde und alles, was nicht dem perfekten Bild entspricht, gerne hinterm Vorhang verschwinden lässt, trägt ihr übriges dazu bei, dass wir das eigentlich Natürliche kaum mehr aktzeptieren können. 

Wir wollen in den Lauf der Dinge eingreifen, haben vielleicht tatsächlich kurzzeitig ein Gefühl von Macht, und müssen am Ende doch erkennen, dass die Natur stärker ist. Ich denke, je früher wir uns damit auseinandersetzen und diese gegebenen Dinge nicht als negativ betiteln, sondern mit einem Lächeln und Dankbarkeit dem Leben entgegentreten, desto entspannter können wir letztendlich sein und uns mehr dem Lebens-Flow hingeben :)

Sich dem zu öffnen und hinzugeben, dafür stehen die Vorbeugen und Hüftöffner im Yoga, und so wird diese Stunde einige meiner Lieblingsasanas zu einem Flow verbinden und wir werden vielleicht wenigstens für den Moment das sich Fügen in einen vorgegebenen Rhythmus als wunderbar empfinden! 

to let myself go * to let myself flow * is the only way of being (Ane Brun)

M U L A D H A R A

Wir kommen auf diese Welt und suchen Nähe, Halt, Geborgenheit. So wachsen unsere Wurzeln, stärken uns, für alles, was kommen mag. Je sicherer diese Basis, desto leichter fällt uns vielleicht das Fliegen, das Loslassen und eigene Wege gehen. Am Ende kommt dann wieder die Erinnerung, an früher, vergangene Zeiten, zurück zu den Wurzeln ...

Eine Stunde, die mit Shavasana beginnt. Ungewöhnlich für meine Klassen, aber bei diesem Thema so passend. Die Erdung spüren und von dort aus langsam weitergehen, in die Sonne, die Taube, den Baum ... sich frei fühlen und ein wenig abheben, bis zur langen Vorbeuge, dem letzten Loslassen, bevor uns am Ende Shavana, die Erde, wieder empfängt ...

Sahasrara Chakra

Als Kind habe ich mir manchmal auf dem Boden liegend vorgestellt, wie es wäre, an der Decke zu laufen. Die Wohnung sah ganz anders aus, so leer, nur Lampen ragten hervor und um von einem Zimmer ins andere zu kommen, musste man über eine kleine Mauer klettern (was ich so lustig fand, dass ich mich fragte, warum Türen nicht immer so herum gebaut werden ...).

Stell dir vor, du könntest deine Welt auf den Kopf stellen. Die Dinge aus einer anderen Perspektive sehen. Manchmal glauben wir, das geht nicht. Es ist, wie es ist. Aber genauso, wie ich als Kind an der Decke laufen konnte, ist mit der Kraft der Gedanken alles möglich. Nichts ist so, wie es ist. Alles kann ganz anders sein und manchmal braucht es nur Mut, diese Sichtweise einzunehmen. Trau dich, gedanklich und körperlich, deine Welt und dich auf den Kopf zu stellen ...

Element: – * Farbe: violett * Laut: stilles OM * Asanas: Kopfstand

Das Kronenchakra steht für die Vollendung, universelles Bewusstsein, Erkenntnis durch direkte innere Schau ...

Ajna Chakra

Stell dir einen klaren Nachthimmel vor. Die Erde um dich herum ist dunkel, aber über dir siehst du tausend Sterne. Je länger du nach oben schaust, desto mehr Lichter kannst du entdecken. Du fühlst dich eins mit dem Kosmos, geborgen in diesem Zauber, der dich umgibt, wissend, dass es gut ist ...

Element: – * Farbe: lila * Laut: OM * Asanas: Kindeshaltung

Das Stirnchakra steht für die Entwicklung der inneren Sinne, Geisteskraft, Wille ...

Vissudha Chakra

Stell dir jeden Ausdruck, der deine Kehle verlässt, als Farbe vor. Deine gesamte verbale Kommunikation, deine Wortwahl, die Stimmung in deinen Aussagen, aber auch deinen Atem, die Luft, die hinein- und hinausströmt ... Welche Farbe herrscht vor – klares, reines Blau, leicht wie Äther? Oder sind es eher dunkle Tönen, gemischt aus vielen Nuancen? Oder ganz zarte, pastellige, ohne Gewicht? Sich Unsichtbares als Bild vorzustellen kann vielleicht helfen, Dinge besser zu erkennen. Worte, die wir nicht sagen wollten – oder auch wunderschöne poetische Gedanken, die im Alltag einfach untergehen.

Element: Äther * Farbe: blau * Laut: HAM * Asanas: Pflug, Schulterstand, Fisch

Das Kehlchakra steht für Kommunikation, kreativen Selbstausdruck, Offenheit, Unabhängigkeit, Inspiration, Zugang zu feineren Ebenen des Seins ...

Anahata Chakra

Stell dir dein Herz vor. Deinen Punkt im Körper, der sich zusammenziehen kann, vor Glück, vor Liebe, vor Furcht, vor Schmerz. Diesen Bereich, den wir manchmal so verschließen, damit er nicht verletzt werden kann. Manchmal fällt es uns schwer, ihn wieder zu öffnen, frei zu werden und voller Mut, aber ohne Erwartungen in die Welt hinauszugehen. Es gibt Momente, in denen es uns vielleicht leichter fällt – rosafarbener Himmel am Morgen, wenn man eigentlich noch müde ist und lieber nicht hinausmöchte ... Rosenduft, vielleicht unerwartete Blumen ... liebe Worte, einfach so, gesagt, geschrieben ...

Element: Luft * Farbe: grün * Laut: YAM * Asanas: Rückbeugen

Das Herzchakra steht für die Entfaltung des Herzens, Liebe, Mitempfinden (nicht Mitleiden!), Selbstlosigkeit, Hingabe ...

Manipura Chakra

Stell dir dein inneres Feuer vor. Eine kleine Flamme, die immer höher lodert und zum starken Feuer wird. Du spürst die Wärme in deinem Bauch, deinem Rücken. Es verbrennt alles Überflüssige, Negative, entschlackt, reinigt. Fühl, wie es dich von innen wärmt und freu dich über die Energie, die in dir steckt.

Element: Feuer * Farbe: gelb * Laut: RAM * Asanas: Twists

Das Nabelchakra steht für die Entfaltung der Persönlichkeit, Verarbeitung von Gefühlen, wachsende Erfahrung, Weisheit, Kraft, Macht ...

Svaddhistana Chakra

Stell dir einen klaren Bach vor. Das Wasser fließt sanft über die glatten Steine. Es ist Nacht und der volle Mond scheint sein helles Licht auf die Oberfläche. An manchen Stellen bildet der Bach kleine Buchten, in denen das Wasser ganz ruhig steht. Du kannst mit den nackten Füßen durch den Bach auf die andere Seite laufen. Dort, wo das Wasser steht, ist es angenehm warm und weich. An anderen Stellen, wo das Wasser fließt, spürst du die Bewegung und es wird kühler. Mit kleinen Schritten gehst du über die Steine, spürst jede Unebenheit, sammelst Steine und gelangst sicher auf die andere Seite.

Element: Wasser * Farbe: orange * Laut: VAM * Asanas: Hüftöffner

Das Sakralchakra steht für Sinnlichkeit, mit dem Leben fließen, Kreativität, Staunen, Begeisterung ... Fühl dich geborgen im Ursprünglichen und damit bereit für das Leben. 

Muladhara Chakra

Stell dir einen großen, alten Baum vor. Betrachte seine Wurzeln, seinen festen Halt in der Erde – wie sein dicker Stamm verwunden und doch stetig nach oben wächst – seine Äste sich bis in kleinste Zweige hinauf in den weiten Himmel strecken. Durch seine raue Rinde kannst du seine Stärke fühlen – und dieses Gefühl macht auch dich stark, lässt dich Halt finden und gleichzeitig wachsen. Die Sonne geht gerade auf, färbt den Himmel rot. Die Luft ist lau und frisch. Du fühlst dich wach, frei, weder warm noch kalt, sondern wohl in deiner Haut, in deiner Position. Du hast Vertrauen in die Welt, in das, was kommen mag.

Element: Erde * Farbe: rot * Laut: LAM * Asanas: stehende Positionen

Das Wurzelchakra steht für Urvertrauen, Stabilität, unsere Beziehung zur Erde, zur Materie ... Wurzeln verleihen uns Halt, aber auch gleichzeitig die Freiheit zu wachsen!

Chakren

Die sogenannten Chakren kommen aus dem Hinduismus und sind ein Teil des Energiekörpers im Yoga. Es gibt sieben Chakren, die wir uns wie Räder vorstellen können, die prana, Lebensenergie, den Energiekanal hoch transportieren. Übertragen auf unseren anatomischen Körper können wir uns diese Chakren als bestimmte Punkte in unserem Körper vorstellen, wo viele Nervenbahnen aufeinandertreffen und somit Energiepunkte entstehen. Wenn Störungen in einem oder mehreren Chakren vorkommen, merken wir das an Symptomen oder Blockaden in den Bereichen, die dem jeweiligen Chakra zugeordnet sind. Sind alle sieben Chakren frei und die Energie kann ungehindert fließen, erlangen wir nach hinduistischer und auch nach buddhistischer Lehre Erleuchtung. Jedes Chakra hat seinen Sitz im Körper, eine Farbe, eine Element, einen Klang ... und dazugehörige Asanas.