Home / auf dem Weg / Essays

Glücksgefühl

Seit nicht mal einem halben Jahr bin ich "fertiger" Yogalehrer, seit gut drei Monaten unterrichte ich. Letzten Montag nach dem Kurs merkte ich, welches Glücksgefühl in mir ist nach dem Unterricht. Ich versuche, mir viel Mühe zu geben, meine Stunden gut vorzubereiten, mit Inhalt zu füllen, für Körper und Geist – und wenn ich dann manches Wort danach höre, es gut geworden ist, die Schüler entspannt und voller Energie, dann durchströmt es mich und ich grinse den restlichen Abend, im Schlaf, am Morgen ...

Es zeigt sich für mich wieder einmal, dass Yoga alles ist – es gibt dir was, wenn du unterrichtet wirst, den Anleitungen folgst, dich hingibst in eine gute Yogastunde, aber auch, wenn du vorne stehen darfst, forderst und gibst, am Ende in Shavasana für jeden ganz da bist.

Ich empfinde dieses Unterrichten als sehr verantwortungsvolle Aufgabe. Du stehst da in einer Gruppe, die den Arm hebt, wenn du es verlangst, die jedem deiner Worte Folge leistet, die deine Gedanken zu dieser Stunde, deine Intention im Kopf hat und weiterträgt. Das ist viel. Und nicht immer kannst du jeden erreichen. Aber ich versuche es, jede Stunde, ganz und gar – dabei blühe ich auf ... und freue mich sehr, wenn auch die Schüler mit diesem Glücksgefühl nach Hause gehen.

Weg ...

1. Januar 2015. Hej Yoga. Da bin ich. Dachte ich vor gut einem Jahr.

Wir kannten uns schon lange, sporadisch, sprunghaft, liebevoll, ermutigend ... Ich habe mich als Kind nach schwarz-weiß Fotos von Kareen Zebroff verbogen, später Hatha Yoga ausprobiert, mich in Kinderyoga fortgebildet und ... zuletzt wollte ich mehr.

Es war ein spontaner Entschluss, ich habe nicht lange geschaut und es zum Glück gut getroffen (ein paar Worte zur Ausbildung folgen später ...). Ende August 2014 war ich fertig, zumindest mit Zertifikat ausgezeichnet – und fühle mich doch mehr denn je auf dem Weg, nicht angekommen.

Ich habe begonnen zu unterrichten. Es macht mir sehr, sehr viel Freude. Und bringt mich unter anderem hierher. Zu dieser Platform, diesem Blog. Zur Information, zum Austausch, zur Wegbegleitung.

Das wird kein Yoga-Blog. Ich habe mir Yoga-Blogs angeschaut. Ich weiß nicht einen Bruchteil von dem, was dort geschrieben wird. Ich bin kein Superyogi, ich bin nicht rank und schlank und kann mich nicht in jede Asana verbiegen, schon gar nicht die akrobatischen. Ich war noch nicht in Indien, in keinem Ashram, keinem Yoga-Retreat. Ich besitze kein farbliches passendes Yoga-Outfit für jede Gelegenheit. Ich meditiere nicht jeden Tag, ich schaff es einfach nicht. Ich lebe nicht vegan, nicht mal konsequent vegetarisch. Und, und, und ... ich bin kein Bilderbuch-Yogi.

Aber ich habe eine Yogamatte, zwei Blöcke und eine schwarze Yogahose (ja, und auch zwei zum wechseln). Ich versuche, eine gute Yogalehrerin zu sein. Und ein guter Yogaschüler. Und entsprechend zu leben. Seit fast einem Jahr habe ich mit drei Ausnahmen kein Fleisch gegessen. Achtsamkeit hat an Bedeutung gewonnen. Liebe. Verzeihen. Gelassenheit. 

Das wird ein Yoga-Blog. Yoga ist sovieles. Yoga ist frei, offen, für vieles, für alle. Auch für mich. Darum ein (schwedisches) HEJ – hier bin ich. Nimm mich so, wie ich bin, ich verspreche auch, mir Mühe zu geben. Ich bin auf dem Weg, nicht angekommen. Komm gerne mit. Hej Yoga.