the journey begins ...

Das neue Thema der nächsten Stunden ist unterwegs sein, auf Reisen ...

Wenn ich mir das so um mich herum anschaue, geht es oft eher um Ziele – wir arbeiten stetig auf unsere Ziele hin. In der Schule auf einen guten Abschluss, beruflich auf einen gut bezahlten, tollen Job, auf eine lohnende Rente, privat auf die perfekte Beziehung, auf großartige Kinder, auf eine spannende Freizeit ... wir wollen uns vielleicht weiterbilden, eine Sprache lernen, abnehmen, mehr Sport machen, einen Handstand schaffen, Marathon laufen, möglichst viel und lang feiern gehen, tausend Freunde haben, ob real oder digital ... das Ziel haben wir klar vor Augen und es gilt in der entsprechenden Zeit die nächste Etappe zu erreichen.

Klar kennen wir den Spruch, der Weg ist das Ziel, und immer, wenn man vielleicht nicht so schnell da ist, wie man wollte oder es sogar nicht erreicht, dann wird dieser gerne genommen. Aber ernst nehmen wir diese Worte meistens nicht. Für uns ist doch das Ziel das Ziel. 

Auch in der klassichen Erholungszeit, den Ferien, können viele dieses verinnerlichte Streben kaum vergessen. Es geht von Ort zu Ort, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, dazwischen muss entspannt werden und das mit Wellness auf Sterneniveau. 

Wann waren wir mal Tage an einem Ort und habe nichts getan? Wer kann das denn überhaupt noch! Einfach sein.  

Auch Yoga ist eine Reise. Und auch hier können wir nicht immer vermeiden, dass wir an Ziele denken. Wir wollen den Sonnengruß perfekt machen, stärker werden, geschmeidiger, endlich im Kopfstand stehen, im Krieger III nicht umkippen, in der Vorbeuge mit dem Kopf auf den Boden kommen. 

Aber darum geht es überhaupt nicht. Nichts von dem ist eigentlich Yoga, auch wenn es uns eigentlich ständig suggeriert wird. Schaut man sich bei den Yogalehrern um, sieht man häufig Bilder im Internet, auf Instagram, von möglichst schwierigen Posen. Mindestens eine Armbalance muss es sein. Oder die Beine hinterm Kopf verdreht. Handstand ist auch beliebt. 

Nichts gegen Ziele. Die brauchen wir auch. Aber wenn wir nicht aufpassen, verpassen wir so vieles am Wegesrand! Wieviele kleine, wundervolle Momente gehen unter in dieser Hetze? Und kommt uns nicht gerade deshalb oft die Zeit so schnell vergehend vor, weil wir selbst der Antrieb sind? 

Ich habe mal gelesen, dass Kinder Zeit oft als endlos empfinden, weil sie ganz im Augenblick leben, während für uns die absolut gleiche Zeitspanne furchtbar schnell vorbei ist, weil wir immer schon an das nächste denken. 

Wenn mich diese Schnelllebigkeit selbst erwischt, dann versuche ich mich an die Momente zu erinnern, die mir wirklich wertvoll waren und sind, als einzigartige Sammlung in meinem Koffer – es sind die kleinen Erinnerungen, ein Lächeln, ein Blick ... Dazu muss ich nicht reich sein. Ich muss keine Weltreise unternehmen. Es sind die alltäglichen Dinge, die mir überall begegnen – wenn ich nicht nur das Ziel fokussiere, sondern mit offenen Augen den Weg anschaue.