am Wegesrand

Pack deinen Koffer. Diese Sommerkarte habe ich nicht von ungefähr dieses Jahr verschickt – sie war mein Thema in der letzten Zeit. Nein, kein Umzug, keine Weltreise, nur (...) ein Jobwechsel. Und wie so oft hatte ich lange das Gefühl zumindest beruflich nicht weiterzukommen, ja, ich wollte es auch gar nicht. Ein Ist-Zustand kann auch ganz wunderbar sein und ich war zufrieden.

Die Auslöser – es waren viele kleine – die letztendlich dazu geführt haben, dass ich jetzt an einer anderen Stelle sitze, kamen erst von außen, brachten etwas in mir zum klingen und dann wollte ich es auch. Und dennoch musste ich zwischendurch mal innehalten und dachte, puh, ganz schön viel, was da passiert – doch lieber wieder zurück?

Aber es gab kein Zurück und da, wo ich jetzt bin, ist es großartig.

Könnte alles prima sein, wenn ... ja wenn ich nicht dann noch die Idee gehabt hätte, ein wenig nebenher zu studieren. Eigentlich ohne Ziel oder besser gesagt, nur mit dem Ziel, dass mein Gehirn nicht langsam verschrumpelt. Ich hatte bei der Yoga-Ausbildung gemerkt, wie gut mir das tut, mal wieder was Theortisches zu lernen, den geistigen Motor anzuschmeißen, ich brauche das tatsächlich.

Nun muss ich aufpassen, dass ich mich nicht auf meinen selbstgewählten und eigentlich so hübsch erdachten Wegen verirre. Dahin und dorthin schauen, schnuppern, lauschen, atmen – das ist super. Wenn man aber anfängt, über kleine Steine zu stolpern, statt drüber zu hüpfen, nur noch das Ziel im Blick hat und den Weg, den man doch ursprünglich genießen wollte, gar nicht mehr sieht, dann läuft da vielleicht was falsch.

Ich merke, dass die Uni mich ärgert. Die Bürokratie, dieses behäbige, zum Teil doch sehr verstaubte System, die Selbstgefälligkeit derjenigen, die dort so fein eingerichtete und gut bezahlte Stellen haben und von diesem Thron nicht herabschauen wollen, geschweige denn steigen. Natürlich gibt es dort auch andere, inspirierende, fleißige, wohlgesonnene Menschen, keine Frage, aber es reicht schon einer, der einem alles nicht nur von der Laune her, sondern auch im Semesterplan vermiesen kann. Also lohnt sich die Mühe dann überhaupt?

Ich habe immer das Gefühl gehabt, dass man tatsächlich mit den Anforderungen wächst. Als ich Elternzeit hatte und wenig Verpflichtungen, da war so ein Tag trotzdem recht voll. Die Planung des Einkaufs konnte einen schon ziemlich lang in Beschlag nehmen. Wenn für so etwas aber keine Zeit da ist, dann klappt da ja lustigerweise auch, ohne langen Plan und Vorbereitung. Ich empfinde das, was ich mache, (noch) nicht als zuviel. Das Dazulernen macht mir Spaß. Dennoch muss ich mir auch jetzt und hier die Frage stellen, ob nicht doch etwas auf der Strecke bleibt. Familie? Yoga? Ich?

Max Strom hat ja die vielleicht nicht neue, aber doch effektive, Frage gestellt:
Was würdest du tun, wenn du nur noch ein Jahr zu leben hättest?

Ich fand die Frage damals überflüssig – es standen keine Entscheidungen an und ich war tatsächlich zufrieden. Ich wollte nichts anderes. Konnte erstmal so weitergehen.

Als sich die Veränderungen in der letzten Zeit dann scheinbar wie von selbst eingestellt hatten, habe ich mir die Frage nochmal gestellt.

Würde ich den Job wechseln? JA!
Würde ich ein Studium beginnen? JA!
Würde ich das alles auch in dem Bewusstsein machen, dass ich (a) entweder nur noch ein Jahr Zeit hätte oder auch (b) es vielleicht aus anderen Gründen nicht zuende bringen könnte (wenn das Studium doch zuviel ist oder der Arbeitsvertrag nicht verlängert wird und ich dann in einem Jahr vielleicht ohne alles dastehe)? JA!

Würde ich das durchziehen, auch wenn die Menschen um mich herum darunter leiden? NEIN!
Würde ich das durchziehen, auch wenn es mir dabei nicht gut geht? NEIN!

Also, was muss ich machen? Mir immer wieder die Zeit nehmen, mich zu fragen: Ist es noch gut? Will ich das noch? Wie geht es den anderen, wie geht es mir? Das ist der Punkt.

Nicht einen Weg einschlagen, immer schneller rennen und nicht mehr rechts und links schauen – sondern innehalten, durchatmen, nach innen schauen, die Umgebung wahrnehmen, fühlen, … das, was da hochkommt, akzeptieren und vielleicht den Mut haben, wieder einen neuen Weg zu suchen und zu gehen.

Hej – ist das nicht … Yoga? :)