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Hanuman

Warum tummeln sich die ganzen hinduistischen Götter im Yoga, wo es doch eigentlich eine Philosophie ist? Ich glaube, weil sie einfach zu schön sind. Es gibt Paare voller Liebe, aber auch Krieg, Leidenschaft wie in der besten Soap, und Tiere, die voller Symbole und Eigenschaften bestens als Repräsentanten geeignet sind für unsere Gemütszustände.

Ganesha ist nach wie vor mein Liebling, wer mag ihn nicht! Aber auch Hanuman, der Affengott, hat wunderbare Qualitäten. Gut, die Darstellungen sind schon sehr, sehr kitschig und er ist nicht umsonst auch der Gott der Bodybuilder ...

Aber hinter dieser muskelbepackten Schale steckt ja ein so zarter Kern, ein treuer Diener, bester Freund, überlaufend vor Liebe, Hingabe und Demut. So reißt er sein Herz auf und zeigt Rama und Sita, für die er alles tun würde, so auch einen riesigen Sprung von Indien nach Sri Lanka, um Sita zu retten – aus diesem wurde dann die nach ihm benannte Asana, der Spagat.

Hanuman ist der Sohn des Windgottes Vayu, kann fliegen und ist der Schutzherr des Pranayama. Er ist mutig und stark, überwindet Grenzen und zeigt so, dass man annehmen, aber auch wagen sollte.

Unser neues Kursthema: Hin(gabe) zu Hanumanasana :)

Max Strom

Im Frühjahr war ich in Frankfurt auf einem Workshop von Max Strom. Er ist ein amerikanischer Yogalehrer mit einem Fokus auf Pranayama, den Atem, und hat zwei Bücher geschrieben, von denen ich eins vor dem Workshop gelesen und geliebt habe: Das Herz des Yoga (A Life Worth Breathing). Mit seinen eigenen Worten beschreibt Max sich so:

"Meine Mission ist es, den Menschen zu helfen, sich zu erinnern, wer sie sind und zu was sie fähig sind und Werkzeuge zur Verfügung stellen, die sie befähigen, ein aussagekräftigeres Leben zu führen."

In dem Workshop referierte Max über die Aussagen seiner Bücher, wir praktizierten ein wenig Yoga zusammen und übten Pranayama. Es war ein guter Tag, um die Gedanken ein wenig zu fokussieren und neu auszurichten. Unter anderem stellte Max uns drei Fragen, von denen eine mich besonders nachhaltig beeindruckt bzw. beschäftigt hat:

Wen kennst du, der Glück(seligkeit) ausstrahlt?

Max erzählte in diesem Zusammenhang von einer Frau, die er, ich glaube, in Indien kennengelernt hatte, eine Ärmste der Armen, die als Bettler in der Stadt saß, aber nicht traurig, nicht wütend, sondern wahres Glück ausstrahlend und die ihm, der sich neben sie setze, ein wunderbares Gefühl von Glückseligkeit vermitteln konnte, ohne wirklich Worte füreinander zu haben, die sie verstehen konnten.

Ich fand die Frage unglaublich schwer zu beantworten. Wen kennt man schon, wenn auch flüchtig, der nicht mal schlechte Tage hat, dunkle Gedanken mit sich rumschleppt, auch mal sauer, wütend, traurig, verzweifelt ist ... Wer ist denn immer glücklich?!

Dann habe ich überlegt, ob es darum überhaupt geht. Muss es jemand sind, der immer glücklich ist, um für andere Glück auszustrahlen? Ist es nicht viel mehr jemand, der mir zeigt, dass auch in dunklen Tagen ein Licht scheint, dass auch aus etwas Negativem etwas Gutes werden kann?

Ich musste an meine Oma denken. Sie kommt dieser Idee vielleicht am nächsten. Ich glaube nicht, dass es ihr immer gut geht oder das Leben immer nur Sonnenschein war, schließlich ist sie im zweiten Weltkrieg groß geworden, hat Bombenangriffe und Verluste mitmachen müssen ... und doch würde viele sicher sagen, dass sie ein gutes Leben hat – weil sie es auch zu einem guten Leben macht! Egal, wann ich bei meiner Oma bin oder mit ihr unterwegs, es ist immer schön. Sie macht das Beste aus allem. Sie nimmt Kleinigkeiten für ein Picknick mit, breitet Taschentücher auf Parkbänken aus, zündet Kerzen an, erzählt etwas Lustiges, ist immer für mich da.

Vielleicht ist das nicht die reine Glückseligkeit, die Max bei dieser Frau in Indien verspürt hat, aber es ist doch ein Stück davon ... und dann gingen meine Gedanken noch weiter und ich überlegte, wenn es so schwierig ist, jemanden zu finden, der mir dieses positive Gefühl vermittelt – muss ich dann nicht anfangen, derjenige zu sein?

Ist das nicht die eigentliche Botschaft, die Antwort? Bei sich selbst anzufangen?

Es ist ein wenig vergleichbar mit "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!". Wenn ich mich liebe, im positiven und narzistischen Sinne, dann kann ich auch frei und aufrichtig diese Liebe weitergeben an andere. Wenn ich optimistisch, glücklich, mit mir im Reinen bin, dann kann ich auch das weitergeben, für andere positiv sein und so ein wenig Glückseligkeit verbreiten.

Mir ist klar, dass es ein wenig naiv klingen mag. Es ist einfacher, etwas destruktives zu sagen oder zu tun, als eine "frohe Botschaft" zu verbreiten. Aber wie immer, es kommt doch auf einen Versuch an, oder?

Wenn dich niemand trägt, dann raff dich auf, sei du für andere Glück, Seligkeit, Inspiration, Liebe, Licht.

Neues Kursthema: Rituale

Wir haben viele tägliche Rituale, die uns vielleicht gar nicht mehr bewusst sind. Aufstehen :), Zähne putzen, waschen, essen, ...

Und manchmal denken wir, unabhängig davon, wir müssten mal mehr Sport machen, uns gesünder ernähren, mehr entspannen, ... aber wie sollen wir das machen? Wir machen es einmal, hoch motiviert und am nächsten Tag kommt uns etwas dazwischen.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, oft will ich zuviel auf einmal. Mein Leben umkrempeln und alles anders, besser, machen. Das hat nie wirklich funktioniert.

Wenn ich aber in kleinen Schritten losgegangen bin, sind daraus oft tatsächlich neue Rituale geworden. Wie zB sonntags morgens joggen. Was als kleine Aktion anfing, möchte ich nun nicht mehr missen. Meinem Körper und meinem Geist fehlt etwas, wenn ich mal ein, zwei Wochen nicht joggen kann, weil ich vielleicht erkältet bin oder mal ein Termin dazwischenkommt. Doch trotz unvermeidbarer Unterbrechungen fang ich immer wieder an, mache weiter – es ist ein Ritual, eine Routine geworden.

Natürlich klappt das nicht immer – eine zeitlang bin ich so viermal in der Woche morgens um viertel vor sechs aufgestanden und hab erstmal eine halbe Stunde Yoga gemacht. Der Auslöser war ein Problem mit meiner Hüfte und es tat mir wirklich gut, diese tägliche, genau darauf abgestimmte Praxis. Ich habe das ein knappes Jahr gemacht, dann kam der Winter, mehr Müdigkeit, Erkältungen, ... und das Ritual schlief ein. Meine Hüfte sagt mir, dass ich das eigentlich mal wieder machen müsste ...

In unserer Ausbildung wurde tägliche Yogapraxis erwartet. Ich weiß noch, wie ich beim Unterschreiben des Vertrags fragte, was denn so alles auf mich zukommen würde – die Ausbildungswochenenden, klar, jede Woche mindestens einen Kurs im Studio besuchen, klar, tja, und natürlich eine tägliche eigenen Yogapraxis. Äh, was?

Ich hatte keine richtige Idee, konnte mich nicht aufraffen, aber hm, wusste ja keiner ... Dann kam unsere Intensivwoche, sechs Tage 24 Stunden zusammen. Und vorab die klare Ansage: Ihr habt jeden Morgen um halb sieben, nach dem gemeinsamen silent walk, Zeit für die eigene Yogapraxis ... Gemeinsam. Matte an Matte. Das stresste mich irgendwie. Ich wusste immer noch nicht so richtig, wie das aussehen sollte.

Klar kann man einfach was machen. Machte ich auch. Aber das fühlte sich nicht so richtig an, so nach flow, nach sinnvollem Aufbau, überhaupt nach einer Idee von Yoga ...

Meine Vorbereitung auf die Woche bestand also in erster Linie darin, mir eine halbe Stunde Yoga am Stück zu überlegen. Einen Ablauf. Eine Miniyogastunde. Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, dass ich das schwierig fand – wenn man eine zeitlang unterrichtet, macht man soviele Stunden und Flows und Sequenzings ... aber vor drei Jahren war das eben noch nicht so.

Neben den anderen fiel mir dann auf, dass die ganze Aufregung umsonst gewesen war. Keiner machte etwas Besonderes ... ein bisschen bewegen, ein paar Sonnengrüße, Vorbeugen, das war's. Was mir dabei aber auch bewusst wurde: Es tat mir gut. Diese tägliche Praxis war wunderbar. Ich machte weiter, vielleicht nicht täglich, aber immer mehr ...

Lange, lange Vorrede zum neuen Thema: Es ist toll, wenn man jede Woche zum Yoga kommt. Das ist wirklich schon eine Menge. Und vielleicht reicht das auch erstmal. Aber wenn man wirklich Feuer fängt, wenn Yoga dir Energie und Entspannung zugleich, dann fehlt es dir vielleicht auch manchmal im Alltag – und du weißt, genau wie ich früher, einfach nicht, wie du anfangen sollst ...

Darum machen wir in den nächsten Wochen kleine Yogaeinheiten, Rituale, die du, wenn du magst, in deinen Alltag mit hineinnehmen kannst – to go sozusagen.

Und dann, nach dem Yoga zuhause, ab hier: bitte lächeln :)

Irgendwie Frühling

OK, hier war es einige Tage sehr ruhig. Also nichts los. Könnte man meinen. Aber man kann ja nicht immer und überall lesen, man müsste mehr offline sein, sich dem wahren Leben widmen, ja, es selbst irgendwie predigen und dann nicht ab und zu auch mal machen.

Es waren Ferien. Familienzeit. Und irgendwie Frühling.

Zwar mit Kälteeinbrüchen und ab und zu mal Regen, aber insgesamt doch leuchtend und schön. Die Apfelblüten, die Ostereier, Gartenarbeit, Dachboden ausmisten, Keller auch, sich frei fühlen, aufgeräumt, bereit für mehr – mehr Frühling, ach, Sommer.

Von daher: Ich schreibe gerne hier, ich brauche es, sicher mehr für mich als für die Welt, die nicht auf weitere Blogergüsse wartet :) Aber wichtiger ist immer das wahre Leben! Also: mehr raus! Apfelblüten riechen. Sonne spüren. Menschen umarmen.

Hej Kopfstand

OK. Kopfstand ist und bleibt die Königsasana. Auch wenn man das Gefühl hat, es muss inzwischen eher der Handstand sein. Am besten auf einer Hand. Mit verknoteten Beinen.

Man merkt an meinen Worten (und wenn man hier ab und zu liest), dass ich kein Superyogi bin. Oder sagen wir, kein akrobatischer Superyogi. Selbst der Kopfstand ist für mich eine wahre Herausforderung, wie hier schon geschrieben.

Aber wir kommen uns tatsächlich näher. Stück für Stück. Ich brauche nur gaaaaanz wenig Absprung und ja, immer noch die Wand, um mich oben auszurichten. Aber dann schaffe ich es auch, frei zu stehen. Auch länger. Ein großartiges Gefühl.

Unabhängig von meiner Praxis stellt sich auch die Frage, wie man sich seinen Schülern gegenüber präsentiert. Leitet man sowas an, wenn man es selbst nicht perfekt kann? Oder ist man lieber ein wenig unnahbar und immer einen Schritt voraus?

Ich finde, für mich allein, und nur dafür kann ich das ja als Yogalehrer entscheiden, möchte nichts anleiten, was ich gar nicht kann. Also Handstand zum Beispiel. Aber etwas, dass ich nicht perfekt kann, finde ich OK. Denn ich bin doch genau wie alle anderen auf dem Weg. Und das sollte man doch auch zeigen. Ich selber finde es als Schüler ja auch nicht gerade toll, wenn die Lehrer vorne rumturnen und ich kann das alles nicht. Das ist frustrierend. Und darum kann es auch nicht gehen.

Sich Herausforderungen zu stellen, ohne sich zu übernehmen, das ist wohl der Weg.

In diesem Sinne: Hej Kopfstand. Ich komme.

°

Eigentlich mache ich keinen Kopfstand in meinen Stunden. Also ich unterrichte keinen. Weil mich die anatomischen Probleme, die in Folge dieser Asana auftreten können doch sehr zurückhalten. (Vielleicht machen deshalb inzwischen alle Handstand? Da ist der Nacken ja frei ...)

Dennoch arbeite ich gerade mit dem Kurs darauf hin, zumindest denen, die das mal ausprobieren möchten, die Möglichkeit zu geben. Dh viele Übungen und Asanas, die den Schulterbereich stärken und dehnen, Stützkraft und Bauchmuskeln, kleines Brett, Delfin, all diese Lieblinge :)

Für mich ist der Kopfstand immer noch etwas besonderes. Wir nähern uns an. Erst mit Schwung (... darf man ja eigentlich nicht laut sagen ... das verdammte Ego ...). Dann mit Hilfe. Mit FeetupHocker. An der Wand.

Ich merke, wann es wieder Zeit ist. Wann die Welt sich mal wieder auf den Kopf stellen mag. Und wie meine Arme, meine Schultern, mein ganzer Körper mich immer mehr hält. Ein gutes Gefühl.

Nicht nur Kopf-, sondern auch Herzenssache!

immer wieder NEUSTART

Die Sommerferien sind vorbei, das gewohnte Leben plätschert langsam wieder herein, und damit auch die Gedanken, hier wieder weiterzumachen. Von mir und anderen kenne ich diesen Moment, wo man sich die Frage stellt "Weiter? Oder nicht." Egal, ob es um irgendein soziales Netzwerk geht oder eben um einen Blog – man schreibt nicht in die Öffentlichkeit, wenn man nicht gehört werden möchte. Gut, für mich als Grafiker ist es auch eine ganz schöne Plattform, um meinen Worten einen Rahmen zu geben. Aber generell wünscht man sich wohl auch Leser, ein Gegenüber, ein Gespräch, auch wenn es eigentlich ein Monolog ist. Bei meinem letzten Blog wusste ich, die Zeit ist vorbei – der Grund, warum ich schrieb, war nicht mehr vorhanden.

Bei hejyoga ist das nicht so, es gibt noch sovieles ... nicht immer kann ich das alles so schnell in Worte fassen, bebildern, strukturieren ... aber es kommt, irgendwann. 

Und ist nicht sovieles immer wieder ein Neustart? Ein Prozess, ein Weitermachen, ein Verändern ...?

In den Ferien hatte ich auch Zeit nochmal ein wenig rechts und links zu schauen, was andere Yogis so schreiben und musste feststellen, dass ich es zwar großartig finde (zumindest zum Teil), es mich auch interessiert und alles, ich aber definitiv nicht so bin. Ich kann keine Kosmetik testen, weil es bei mir selten über Wimperntusche hinausgeht. Auch Yogakleidung, hm, die besteht bei mir aus bequemer Hose und einfachem TShirt. Klar, manchmal hätte ich da auch gerne was anderes und gönne mir vielleicht mal ein Teil, aber der Hype um Hosen und Matten und all den Kram geht irgendwie an mir vorbei. Wenn möglich, entscheide ich mich gerne für etwas, was ich wirklich gut finde und was dann lange bei mir bleiben darf ... 

Aber, es bleibt sicher kulinarisch! Ich koche und backe immer gerne und es wird daher auch weiter ein paar Rezepte geben. Und es wird auch sicher mal was gebastelt oder irgendwie mit Papier gemacht – so auch jetzt zum Restart. Vor allem aber gibt es weiter ein paar Gedanken. Nimm sie, lies sie, denk sie durch oder lass sie liegen, egal. Ich habe das Gefühl, sie müssen noch raus – ob du bleibst und zuhörst oder mich stehen und reden lässt, bleibt dir überlassen :) 

Diese Gedanken sind ja doch auch immer verknüpft mit meinen Stunden und auch diese haben weiter Platz hier. Yoga Woman goes on. 

Unbedingt Yogalehrer?

Das Thema habe ich schon auf einigen Seiten gelesen und mich auch gefragt vor der Ausbildung – muss ich unbedingt Yogalehrer werden? Und währenddessen und danach – müssen all die anderen auch unbedingt Yogalehrer werden? Man bekommt manchmal den Eindruck, es könnte bald mehr Lehrer als Schüler geben :)

Für mich war die Antwort allerdings klar – ich wollte nicht nur mehr über Yoga lernen, ich wollte es auch unbedingt weitergeben. Ich stehe sehr gerne da vorne, denk mir Stunden aus, bin für meine Schüler da und gebe alles, was ich in diesem Moment zu geben habe. 

Es gibt andere, da ist von vorneherein klar, dass sie nicht unterrichten werden. Warum dann eine Ausbildung? Weil man wohl kaum woanders in so kurzer Zeit soviel lernt. Die Ausbildung ist sehr vielfältig gewesen, umfasste Yogastunden, praktisch und theoretisch, Anatomie, Philosophie, Pranayama, Meditation, Ayurveda und vieles mehr. Wissen, das mich nicht nur zum Yogalehrer gemacht, sondern auch zu neuem Denken bewegt, meine Ansichten aufgefrischt, Wege freigemacht. Es war eine prägende Erfahrung, egal ob nur für mich oder für meinen Unterricht.

Bei den vielen Ausbildungsangeboten geht es sicher auch ein wenig um das Geld. Die Studios wollen überleben und Ausbildungen und Retreats sind da sicher lukrativer als einzelne Kurse. Aber ich fand jeden einzelnen Cent richtig investiert!

Und was, wenn es tatsächlich zuviele Lehrer werden? 

Ich denke, Yogalehrer wird man ja nicht, um reich zu werden – es ist schon eine Passion und eine Mission. Wenn man mit Herz und Seele dabei ist, dann wird es wohl auch immer Schüler geben, die das gerne von dir annehmen. 

Yoga ist nichts, was ein Geheimnis bleiben sollte (so wie in den Ursprüngen!). Yoga ist für alle da!

Es kann ja auch nicht zuviele Blumen geben ... :)

Ein Tag der Liebe

Es war mal wieder soweit. Die Yoga Conference fand Köln dieses Wochenende in Köln statt. Dieses Mal, mein zweites, war ich nur einen Tag dort, aber es sind wieder soviele Eindrücke, dass ich wahrscheinlich noch einige Zeit brauche, alles zu verarbeiten – und einzuarbeiten, weiterzugeben, denn das, was man da mitnimmt, muss hinaus in die Welt!

Yoga ist heute so ein Hype, ein Lifestyle, gehört mit Detox und Superfoods, Sixpack und Bikini-Challenge schon lange zum In-Sein dazu und ist erst recht kein ruhiger, spartanischer, meditativer Geheimtipp mehr. Auf der einen Seite finde ich es gut, wenn Dinge sich weiterentwickeln. Warum nicht? Yoga darf gerne vielfältig, bunt und glitzernd sein! Auf der anderen Seite gibt es eine back-to-the-roots-Bewegung, wieder mehr Stille finden, Yin Yoga, Philosphie. Ganz wichtig, denke ich. Die Wurzeln, den eigentlichen Grund, warum wir nochmal mit dem Yoga angefangen haben, nicht vergessen. Und egal, wie und woran – weiterarbeiten, Mut zur Entwicklung, auch wenn das Rückschritte bedeutet. Wir gehen tatsächlich immer vorwärts!

Was aber unabhänging von In und Out und Top und Basic immer wieder zu spüren ist, ist Liebe. 

Es geht vielleicht nicht jedem so, aber Yoga kann dich so freimachen, dass du jeden ehrlich und liebevoll umarmen kannst. Dieses Gefühl ist so schön und ich versuche es immer zu kultivieren – auch wenn ich Auto fahre ... oder mein Nachbar-Yogi sich mit seiner Matte total breit macht ... oder ich jemanden erstmal nicht leiden kann, weil er/sie nicht in mein Bild passt, sich in meinen Augen komisch verhällt ... 

Daran hat mich der Tag erinnert. 

Wie gut, dass diese Woche das Anahata-Chakra dran ist ... open your heart!

(Motiv: © Yoga Conference Germany 2016)

Das Thema der Conference fand ich übrigens auch wieder wunderbar: 

Every little thing you do is magic!

Wurde leider viel zu selten in den Workshops aufgegriffen. Mehr von den Inhalten vielleicht später. Wie gesagt, das muss erstmal verarbeitet werden ... bis dahin: weiter die Liebe kultivieren :)

Liste * gute Vorsätze *

Jedes Jahr aufs Neue.

Warum nicht! Ich denke, gute Vorsätze sind großartig – egal ob was daraus wird! :)

Erstens finde ich es gut, mal die eigenen Gedanken und Wünsche zu sortieren. Innehalten und überlegen, was man eigentlich will. Das schafft man im Alltag viel zu selten und diese Zeit zwischen den Jahren (... als hätte man eine Auszeit, losgelöst vom Geschehen drumherum, in einer wunderbaren Seifenblase aus Nichts) hat ja doch meistens so ein, zwei ruhige Tage dabei, wo man im Pyjama auf dem Sofa lümmelnd durchaus mal darüber nachdenken könnte.

Dazu bin ich ja bekennender Listenliebhaber. Aber selbst wenn man das nicht ist, Listen helfen auch chaotischen Gemütern, etwas Struktur und Reihenfolge in die Ziele zu bringen. Darum zweitens alles aufschreiben, was einem einfällt, völlig unsortiert. Dann vielleicht nach Themen ordnen, was gehört zusammen, was baut vielleicht sogar aufeinander auf, was geht in die gleiche Richtung ...

(Den Begriff Mindmap mag ich nicht so sehr, aber übersetzt – Karte der Gedanken vielleicht – finde ich das schon besser. Die Vorstellung einer Landkarte, in der meine Gedanken Berge und Täler sind, Inseln im Meer, verbunden mit kleinen Stegen und Brücken ... das ist doch schön!) 

Drittens, ein Reihenfolge festlegen. Da muss man nochmal in sich gehen. Was will man wirklich, was ist realistisch, was vielleicht eher ein Fernziel, ein Spaß – wobei man durchaus auch große Ziel anstreben darf. Aber dazu im Fazit. Nichtsdestotrotz, in einem Jahr Klaviervirtuose werden ist sicher nicht realistisch. Aber mit dem Klavierspielen anfangen und zum nächsten Weihnachtsfest ein festliches Liedchen spielen, durchaus :) 

Viertens konkret werden. Planen. In den Kalender eintragen. Auch dabei realistisch bleiben. Fünfmal joggen pro Woche – sicher von jetzt auf gleich schwierig. Aber mit etwas Ehrlichkeit findet jeder sicher etwas Zeit, die auch einzuhalten ist. Vielleicht bindet man direkt auch andere in die Pläne mit ein, dann ist die Gefahr direkt aufzugeben nicht so groß. 

Zuletzt und fünftens: nicht enttäuscht sein und gleich wieder aufgeben. Du willst abnehmen, aber am Neujahrstag gibt es noch ein Festessen bei Mama? Dann genieß das doch. Solang man nicht immer auf morgen verschiebt, muss der erste Januar nicht der erste Tag für einen Neuanfang sein. Und wenn du es eine zeitlang probierst und es dann doch nicht so gut klappt? Dann hast du es auf jeden Fall versucht und etwas dabei gelernt! 

Denn, Fazit: Wir sind wieder mal beim der Weg ist das Ziel. Wenn ich immer gleich denke, klappt sowieso nicht, dann bleibe ich ewig auf einem Fleck stehen. Denn jeder Schritt könnte ja eine Enttäuschung sein und mich nicht zum Ziel führen. Aber wenn wir uns das mal bildlich vorstellen, wäre doch zumindest schön, ein Stück weiterzukommen. Am Weg ein bisschen was Neues gesehen zu haben. Vielleicht lernen wir ja auch jemanden kennen, der uns begleitet. Lernen über Berge zu klettern oder durch ein Meer zu schwimmen, wer weiß. Darum sind auch große Ziele nicht unbedingt verkehrt, wenn der Weg dir wichtiger wird. 

Soweit mein Plädoyer für gute Vorsätze! Vielleicht noch aus meiner Erfahrung. Vor vier Jahren hab ich schon mal öffentlich eine Liste gemacht. Es war kein Jahreswechsel, sondern ein anderer Grund für neue Pläne, aber gute Vorsätze gehen ja immer :) 

Folgendes hatte ich damals aufgeschrieben: 

+ Socken stricken (eine (!) Babysocke hab ich geschafft) 
+ neue smak-Projekte (da gab es einige) 
+ noch mehr Fahrradfahren (könnte wieder mehr sein) 
+ die besten Karamellbonbons machen (hab ich noch nicht wirklich ausprobiert) 
+ wieder ein freies Skizzenbuch anfangen (naja ... immerhin gibt es jetzt Yoga Woman :) und ein bisschen so illustriert habe ich auch, siehe nächster Punkt) 
+ ein neues Kinderbuch illustrieren (hab ich, auch wenn es kein Verlag wollte, aber es gab eine Ausstellung dazu) 
+ drei Gemüsesorten im Topf pflanzen (gemacht!) 
+ einen Monat vegetarisch essen (nicht nur einen Monat, sondern ein Jahr ... und jetzt immer noch sehr selten Fleisch) 
+ noch mehr lesen (mal ja, mal nein. Gestern ein Buch an einem Tag. Kann immer mehr sein!) 
+ Klavier spielen (leider hab ich das nicht geschafft ...) 
+ mehr Schwedisch lernen (auch nicht wirklich viel ...) 
+ die perfekten Riciarelli backen (yep!) 
+ jeden Tag Yoga (jaaaaaa!) 
+ Kinderkurse aus dem Koffer (könnte immer noch ein Plan E werden) 
+ eine Bude bauen (ja!) 
+ für eine Eismaschine sparen (geschenkt bekommen :) 
+ einfach nur sitzen und schauen (tatsächlich habe ich auch das gemacht. nicht nur einmal :) 
+ mehr kleine Reisen (dafür fehlt manchmal das Geld, manchmal die Zeit, manchmal die Motivation beim Rest der Familie, aber ich versuch es weiter auszubauen!) 
+ ... 

Einiges hat also geklappt. Anderes steht immer noch an. Manches ist vielleicht nicht mehr so wichtig im Moment. Listen ändern sich mit dem Leben. Während es Dinge gibt, die immer wichtig sind, blühen anderen nur für den Augenblick. Das ist doch gut. Und darum macht eine Liste auch immer wieder Sinn. Mindestens einmal im Jahr. Was würde ich heute auf die Liste schreiben? 

+ Bewusster atmen. Pranayama. 
+ Kleine Sammlungen. Muster, Farben, Worte. 
+ Zurück zum Sonntagssüß. Einmal in der Woche, aber besonders fein. 
+ Häufiger Tee trinken. Auch grünen. 
+ Nähmaschine überholen lassen. Versuchsweise auch mal was zum Anziehen nähen. 
+ Wenn keine große Reise, dann kleine Ausflüge. Manchmal liegt das Gute so nah. 
+ Mehr Zeit finden. Für Familie, für Freunde, für Schönes. 
+ Sterne. Zeichnen, Basteln, Suchen, Wünschen ... 
+ Weniger Materielles. Mehr Wert. 
+ Viel Musik, mehr Singen. 
+ und, und, ... und einiges von dem, was oben noch aussteht ...

Lass es leuchten, das Vergangene und das Kommende, aber vor allem den Augenblick. 

Lights will guide you home :)

the journey never ends ...

Eine liebe Freundin schickte mir vor kurzem ein Thema – Neugier – wäre das nicht etwas für eine Yogastunde? Neugier – meine erste Assoziation war "ich will doch gar nicht neugierig sein", denn neugierig heißt häufig zuviel wissen wollen, den anderen nicht in Ruhe lassen, rumspionieren :) Aber als ich den mitgeschickten Abschnitt las, war klar, es ging um Neugier im eigentlichen Sinne – um die positive Gier nach Neuem. So ist es mit Themen, es hängt viel vom Kontext ab, ob daraus etwas Wunderbares oder etwas Negatives wird.

Und die Neugier als Wunderbares, die passt tatsächlich zur Yogastunde und gerade zu dieser. Es ist die letzte Stunde zum Thema Reise, aber der Titel oben deutet ja schon an, es gibt kein wirkliches Ende. Wir entwickeln uns stetig weiter, werden jede Sekunde etwas älter, verändern uns äußerlich, aber vor allem auch innerlich. Das wird uns nur meistens erst nach größeren Abschnitten bewusst, dennoch passiert es jeden einzelnen Augenblick. Ich bin jetzt nicht der Mensch, der ich gerade noch war und ich werde gleich bereits ein anderer sein ... sehr philosophisch :) aber wahr.

Wenn ich manchmal Kinderfotos von mir sehe, dann denke ich oft, ja, die Person da auf dem Bild, die gehört zu mir. Mehr als irgendjemand zu mir gehören kann. Aber ich bin das nicht mehr. Es ist ein anderer Mensch in einer anderen Zeit mit anderen Gedanken. Manches mag noch ähnlich sein, dieses Kind steckt in uns drin und es wird immer ein Teil von uns sein, aber tatsächlich sind wir jemand anderes.

Vielleicht macht das dem ein oder anderen Angst. Wir sind darauf gepolt, uns am Alter zu orientieren, die einen mehr, die anderen weniger. Ich finde, der Gedanke, sich jede Sekunde zu verändern, hat aber auch viel Positives. Wir sind Teil dieses Fließens, dem die ganze Welt unterliegt, in der immer Neues entsteht und Großartiges erschaffen wird. 

Vielleicht liebe ich deshalb den Flow im Yoga so sehr. Er lässt mich spüren, wie alles weitergeht, wie ich darin mitschwebe und wie wunderbar sich alles immer wieder zusammenfügt. 

Auch wenn wir uns manchmal gerne an das klammern, was ist – die Reise endet nicht und wir, wir müssen neugierig bleiben, offen und frei für alles, was kommt. Es war, es ist, es wird gut werden. 

the journey begins ...

Das neue Thema der nächsten Stunden ist unterwegs sein, auf Reisen ...

Wenn ich mir das so um mich herum anschaue, geht es oft eher um Ziele – wir arbeiten stetig auf unsere Ziele hin. In der Schule auf einen guten Abschluss, beruflich auf einen gut bezahlten, tollen Job, auf eine lohnende Rente, privat auf die perfekte Beziehung, auf großartige Kinder, auf eine spannende Freizeit ... wir wollen uns vielleicht weiterbilden, eine Sprache lernen, abnehmen, mehr Sport machen, einen Handstand schaffen, Marathon laufen, möglichst viel und lang feiern gehen, tausend Freunde haben, ob real oder digital ... das Ziel haben wir klar vor Augen und es gilt in der entsprechenden Zeit die nächste Etappe zu erreichen.

Klar kennen wir den Spruch, der Weg ist das Ziel, und immer, wenn man vielleicht nicht so schnell da ist, wie man wollte oder es sogar nicht erreicht, dann wird dieser gerne genommen. Aber ernst nehmen wir diese Worte meistens nicht. Für uns ist doch das Ziel das Ziel. 

Auch in der klassichen Erholungszeit, den Ferien, können viele dieses verinnerlichte Streben kaum vergessen. Es geht von Ort zu Ort, von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, dazwischen muss entspannt werden und das mit Wellness auf Sterneniveau. 

Wann waren wir mal Tage an einem Ort und habe nichts getan? Wer kann das denn überhaupt noch! Einfach sein.  

Auch Yoga ist eine Reise. Und auch hier können wir nicht immer vermeiden, dass wir an Ziele denken. Wir wollen den Sonnengruß perfekt machen, stärker werden, geschmeidiger, endlich im Kopfstand stehen, im Krieger III nicht umkippen, in der Vorbeuge mit dem Kopf auf den Boden kommen. 

Aber darum geht es überhaupt nicht. Nichts von dem ist eigentlich Yoga, auch wenn es uns eigentlich ständig suggeriert wird. Schaut man sich bei den Yogalehrern um, sieht man häufig Bilder im Internet, auf Instagram, von möglichst schwierigen Posen. Mindestens eine Armbalance muss es sein. Oder die Beine hinterm Kopf verdreht. Handstand ist auch beliebt. 

Nichts gegen Ziele. Die brauchen wir auch. Aber wenn wir nicht aufpassen, verpassen wir so vieles am Wegesrand! Wieviele kleine, wundervolle Momente gehen unter in dieser Hetze? Und kommt uns nicht gerade deshalb oft die Zeit so schnell vergehend vor, weil wir selbst der Antrieb sind? 

Ich habe mal gelesen, dass Kinder Zeit oft als endlos empfinden, weil sie ganz im Augenblick leben, während für uns die absolut gleiche Zeitspanne furchtbar schnell vorbei ist, weil wir immer schon an das nächste denken. 

Wenn mich diese Schnelllebigkeit selbst erwischt, dann versuche ich mich an die Momente zu erinnern, die mir wirklich wertvoll waren und sind, als einzigartige Sammlung in meinem Koffer – es sind die kleinen Erinnerungen, ein Lächeln, ein Blick ... Dazu muss ich nicht reich sein. Ich muss keine Weltreise unternehmen. Es sind die alltäglichen Dinge, die mir überall begegnen – wenn ich nicht nur das Ziel fokussiere, sondern mit offenen Augen den Weg anschaue.

Was kann eigentlich Yoga?!

Gute Frage. Viele Antworten.

Auf der Yoga Conference hatte ich eine Stunde bei Frank Schuler – Mitbegründer von Lord Vishnus Couch Köln und hier schon häufig zitiert, weil er mich bei unserem Philosophiewochenende in der Ausbildung so beeindruckt hat mit seinen Worten und seiner ganz eigenen Art. 

Er hatte in dieser Stunde eine gute Antwort auf die Frage:
"Wenn du zu mir kommst und sagst, hej Frank, ich habe da so Verspannungen im Körper – dann sag ich dir, ich hab da was für dich – Yoga! Damit kriegen wir die Verspannungen schon wieder weg und vielleicht erreichen wir auch noch mehr für deinen Körper, mehr Kraft, mehr Flexibilität.
Wenn du zu mir kommen würdest und sagst, hej Frank, ich habe da solchen Herzschmerz (nur sagt das selten jemand) – dann würde ich dir sagen, ich hab da was für dich – Yoga! Damit kriegen wir dein Herz wieder heil.
Und wenn du zu mir kommen würdest und sagst, hej Frank, ich habe da so Verspannungen im Kopf, ich kann einfach nicht mehr klar denken (doch damit kommt niemand!) – dann würde ich dir sagen, ich hab da was für dich – Yoga! Damit kriegen wir die Tassen wieder in den Schrank und den Geist wieder klar :)"
 

Ich hoffe, ich habe es einigermaßen richtig wiedergegeben ... aber der Sinn ist, denke ich, klar. Yoga kann vieles. Für den Körper, den Geist, die Seele. 

Letztendlich muss jeder für sich diese Frage beantworten. Aber Yoga kann nicht zaubern. Es reicht nicht, dass du einmal zum Yoga gehst und dann ist alles gut für immer. Der Funke ist dann vielleicht übergesprungen, aber Yoga ist Arbeit. Arbeit an dir. Das setzt erstmal voraus, dass du auch bereit bist, an dir zu arbeiten – für viele ist das genau der Punkt, warum sie kein Yoga machen ...

Und was ist nun mit mir?

Yoga hat mir erstmal körperlich geholfen – ein jahrelanger Schmerz konnte mit einfacher, aber konsequenter Praxis (mehrmals die Woche um halb sechs aufstehen, sag ich da nur – ja, es ist Arbeit!) auf ein Minimum reduziert werden, eigentlich ist er schon gar nicht mehr da. 

Yoga hilft mir, meinen Geist weiterzuentwickeln. Neue Ansichten kommen dazu, manches stellt sich dadurch in Frage, anderes bestätigt oder ergänzt sich. Normalerweise führt sowas bei mir zu Stress, Angst vor Neuem, dem Zusammenbrechen bestehender Strukturen, aber interessanterweise ist das beim Yoga und der anhängigen Philosophie nicht der Fall, im Gegenteil, ich werde nur ruhiger. Es scheint vieles so klar, so einfach, so gut.

Yoga bringt diese Ruhe insgesamt mehr in mein Leben. OK, ich fluche immer noch beim Autofahren und es gibt Dinge, die regen auch mich auf. Aber – immer weniger. Und – immer reflektierter. Ich bemühe mich, mehr den Kontext zu sehen, nicht schwarz, nicht weiß, alles Facetten wahrzunehmen und Gegebenes zu aktzeptieren. 

Das hilft mir auch in Situationen wie letzte Woche im Krankenhaus kurz vor der OP. Die Beruhigungspille konnte ich nicht schlucken und war trotzdem entspannt. 

Natürlich habe ich auch Angst, Sorge, Kummer. 

Ich denke, das hat jeder, das ist menschlich und damit vielleicht auch unsere Aufgabe hier. Yoga kann helfen, tatsächlich, aber es ist ein Prozess und die Arbeit an dir hört nie auf :)

PS Aber Yoga ist jetzt auch kein Arbeitslager! Es gibt auch immer noch Einhörner und Regenbögen!!!

Meniskus??

Das erste Anatomie-Wochenende der Yoga-Ausbildung hatte ich mit Spannung erwartet. Es war mit einer der Gründe, warum ich diese Ausbildung überhaupt machen wollte: mehr über den Körper wissen, sicherer im Umgang mit den Asanas in Bezug auf mögliche Beschwerden sein.

Unsere Dozentin Beate Meyer begann mit uns am Fuß und wir arbeiteten uns über zwei Wochenenden bis zum Kopf nach oben :) Hätte man mich vorher gefragt, hätte ich zwar eingestanden, dass ich nicht viel über Anatomie weiß, aber so grob hätte ich doch gedacht, mich zurechtzufinden. Zum Beispiel Meniskus, hatte man doch schon oft gehört, ist halt am Knie ... irgendwo da ... wie der aussieht? ... keine Ahnung ...

Es war eine sehr interessante Reise, die wir da gemeinsam begingen. Natürlich reichte die Zeit nicht, um bis in kleinste Details zu gehen – wie kann das auch, wenn andere drei Jahre ihre Ausbildung als Physiotherapeut machen oder Medizin studieren – aber für einen Einblick hat es gereicht und da Beate nicht nur Physiotherapeutin, sondern selbst auch Yogalehrerin ist, war es sehr angewandte Anatomie, die uns praktisch in den Stunden weiterhilft. Auch wenn das erste Gefühl nach jeder Einheit "Ich mach gar nichts mehr, ich trau mich nichts mehr, ich weiß überhaupt nichts" war ... Es ist halt schon ein großes Thema und es gibt vieles zu beachten.

Es ist lange her, dass ich soviel gelernt habe – also auch tatsächlich lernen musste, zuhause mit Tabellen und Skripten und Schaubildern! Unser Yogaraum sah an den Wochenenden aus wie ein Schlachtfeld, überall Matten und Kissen und Notizen :)

Mir hat das Thema Anatomie auch viel für mich persönlich gebracht (denn jeder von uns schleppt ja meistens das ein oder andere Wehwehchen mit sich rum ...) – Beate hat mir da großartig geholfen, aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr. 

Ach ja, und für alle, die sich gefragt haben, wie genau denn nun der Meniskus aussieht und wo der exakt liegt ... er sieht so aus, wie ein Mandarinenstückchen, ein kleiner Halbmond, besteht aus Knorpel und liegt zwischen unseren Kniegelenken, wo er sich mit der Bewegung verschiebt und den Druck verringert. Wenn jemand etwas am Meniskus hat, dann kann es also sein, dass die Gelenke nicht mehr so entlastet werden, vielleicht sogar aneinanderstoßen und das ist in jedem Fall schmerzhaft. Vorsicht also bei zu abrupten Bewegungen!

Der Grimm!

Während der Ausbildung kam irgendwann der Moment, wo es hieß: "Wer geht denn jetzt mal nach vorne und sagt einen Sonnengruß an?!" Meine Matten-Nachbarn sahen betreten zu Boden, keiner traute sich so richtig ... Mir machte das Ansagen nicht ganz soviel aus. Ich hatte schon meine Erfahrungen mit dem Kinderyoga und mir ist es noch nie schwergefallen, öffentlich zu sprechen (was nicht heißt, dass mein Herz nicht pocht, aber man merkt es mir halt selten an). Also ging ich mutig vorneweg und sah mich mit etwas konfrontiert, mit dem ich nicht gerechnet hatte: dem Grimm!

Vielleicht sehen so entspannte Gesichter aus (ich will gar nicht wissen, wie ich so dreinschaue beim Yoga), aber für mich als Lehrer da vorne, was das erstmal ein Schock! Ich dachte, OK, irgendwas machst du falsch. Oder du siehst blöd aus (hallo Selbstwertgefühl, da bist du wieder im Keller ...). Oder die finden dich alle sowieso doof und jetzt erst recht, weil du als erster "hier" geschrien hast ...

Danach gab es aber Applaus und alle guckten auch wieder freundlich, schien also doch nicht ganz so schlimm gewesen zu sein. Dann kam die erste richtige ganze lange Yogastunde und wieder – nur Grimm in den Gesichtern. Alle total ernst, fast verbissen. Nicht so einfach, sich durch die ganzen immer noch neuen Ansagen zu hangeln, den Flow nicht zu verlieren, die Zeit im Blick zu haben, wenn selbst die liebsten Yogakolleginnen böse gucken!

Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt. Es ist halt so und scheint tatsächlich entspannt zu sein ... wenn alle Muskeln mal Pause machen, kann man auch nicht lächeln. Das Schöne in meinen festen Kursen ist, das man sich nun ganz gut kennt und das Ganze doch mal durch ein paar Worte auflockern und den Grimm zumindest zeitweise vertreiben kann :) 

Einatmen, ausatmen, lächeln ...

Kurmasana

Jeder Yogi hat wohl so seine Lieblings-Asanas. Ich bin nicht der König der Armbalance (irgendwann ... irgendwann werde ich auch euch meistern ...), meine Stärken liegen eher in den weniger spektakulären Körperhaltungen. Vor allem der Fokus auf Hüfte und Vorbeugen fällt mir leicht. Daher liebe ich die Schildkröte – Kurmasana.

In der Ausbildung brauchte ich noch ein wenig Assistenz, um wirklich ganz runter zu kommen, aber inzwischen bin ich flexibel genug, um mich allein flach auf den Boden zu legen. Gut, es ginge immer noch einen Schritt weiter – die Füße auf den Kopf stellen zum Beispiel ... ach ja, aber ich freue mich einfach über diese Position, in der ich mich sehr wohlfühle und denke an die schönen Eigenschaften der Schildkröte, während ich dort in meinem Panzer verweile ...

Kurma bedeutet Schildkröte. Sie symbolisiert innere Kraft, Geduld und Standhaftigkeit. Ihr Panzer besteht aus zwei Teilen: der Bauchpanzer verkörpert die irdische Welt – der Rückenpanzer gleicht dagegen dem Bogen eines Himmelsgewölbes und spiegelt Sterne und Planeten.

Ihr wird nachgesagt, dass sie als Inkarnation des Gottes Vishnu im Kampf gegen die Götter den Berg Mandara mit ihrem Rücken abstützte.

Ein Zitat des Weisen Nagasena aus einer Legende benennt die Eigenschaften der Schildkröte, welche die Schüler annehmen sollen: „Im Wohlwollen mit allen Lebewesen soll der Schüler verweilen und die ganze Welt liebevoll durchstrahlen. Bei Gefahr oder Versuchung soll der Schüler sich in das „Meer der Meditation“ versenken, so wie die Schildkröte ins Wasser taucht. Wie die Schildkröte die Sonne braucht, so braucht der Schüler das Licht der Weisheit. Der Schüler soll sich an einen ruhigen Ort zur Meditation zurückziehen, so wie die Schildkröte sich in den Boden vergräbt, wenn sie ruhen will.“

stimmlos

Husten hat mich erwischt und meine Stimme mitgenommen ... seit Tagen bin ich fast ohne Ton, mal geht es ein wenig, dann kann ich die Worte nur noch hauchen, bevor sie im Hustenanfall ganz ersticken. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Stimme mal weg war, zumindest nicht für so lange.

Eigentlich stört mich das wenig, morgens fällt es mir kaum auf – bis ich das erste Gespräch führen muss, Antworten geben und ... Yogastunden ansagen. Letzten Montag sollte es eine kraftvolle Stunde geben, give me fire, doch ohne kraftvolle Stimme ist das nicht möglich. Daher musste ich die Stunden tauschen und das Feuer auf nächsten Montag verschieben ...

(April 2014)

Die Stille in mir lässt mich augenblicklich viel an Wilde Wiese vor ungefähr einem Jahr denken. Im Zuge der Ausbildung waren wir eine Woche dort, in diesem wunderschönen Hotel, in dieser großartigen Landschaft. Jeder Morgen begann für uns um sechs Uhr mit einem meditativen Spaziergang in Stille. Wir gingen als Gruppe die Landstraße entlang, teils durch den Wald, mit Blick auf die Wiesen, Pferde, Berge und manchmal auch tiefen Wolken ... 

Was du mit dieser Zeit gemacht hast, blieb dir überlassen, nur schweigend sollte es sein, möglichst meditativ. Ich hatte meistens eine Malakette dabei und habe mir ein kurzes Mantra oder zwei Worte überlegt, in Gedanken, im Rhythmus mit meinen Schritten, meinem Atem, dem Weiterschieben der Perlen ... Zwischendurch bin ich stehengeblieben, habe mich umgesehen, durchgeatmet und war einfach nur dankbar für diesen Moment. 

Eine Zeit ohne Stimme, eine Zeit in Stille – wann nimmst du dir die sonst?

Vielleicht wäre das mal wieder eine Aufgabe für einen Tag ... sich eine Zeit in Stille zu nehmen, ganz früh morgens, mittendrin, abends, wann es passen könnte. Nur für dich, vielleicht mit einer kleinen Meditation, vielleicht aber auch nur ein Genießen der Ruhe um dich herum und in dir drin. 

Das Schweigen in Wilde Wiese sollte bis nach dem Frühstück eingehalten werden. Pünktlich ging bei manchen das Geschnatter wieder los :) Ich hätte diese Zeit gerne noch verlängert ... 

Die Anderen

Wenn man nicht gerade in einem Erdloch in Kanada lebt (...), kommt man unweigerlich mit anderen Menschen in Kontakt, vor allem, wenn man vor hat, eine Yoga-Ausbildung zu machen – da wird man wohl kaum alleine sein. Andere kennenzulernen kann häufig eine Bereicherung, manchmal vielleicht auch nervig oder in seltenen Fällen auch etwas fürs Leben sein. Generell habe ich kein Problem damit, auf andere zuzugehen, mich zu unterhalten, aufgeschlossen zu sein – aber mir war schon klar, dass zusammen Yoga machen doch einiges mehr bedeutet. Vielleicht nicht immer entscheiden zu können, was ich von mir zeigen will, sondern manchmal auch preisgeben müssen, das Innerste öffnen ... und sich zumindest über einen längeren Zeitraum irgendwie ausgeliefert sein.

Die Anderen bekommen so eine merkwürdige Aura, sind eine diffuse Masse, wie ein gepixeltes, unkenntliches Bild, solange man sie noch nicht kennt. In meiner Vorstellung sind sie meistens besser, schöner, klüger, können alles, haben keine Makel, und werden so noch vor dem ersten Kontakt zu Übermenschen. Je länger dieses Warten auf ein Treffen dauert, desto schlimmer werden die Vorurteile. Auch wenn mich die Erfahrung gelehrt hat, dass man eigentlich immer jemanden trifft, den man mag oder mit dem man es zumindest aushält – ich werde die bescheuerten Gedanken vor neuen Gruppen nicht los.

Und nun würde ich an diese Menschen in gewisser Weise ein Jahr gebunden sein, mich vielleicht manchmal schämen, vielleicht keinen finden, den ich wirklich mag, mich in einer Gruppe dennoch allein fühlen. Ich konzentrierte mich ganz auf das erste Ausbildungswochenende, doch plötzlich sollte es schon ein Vorab-Treffen der Düsseldorfer (die Ausbildung verteilte sich auf zwei Yogastudios in Düsseldorf und Dortmund) stattfinden ...

(November 2013)

Ich bin gerade überfordert. Noch vor dem ersten Wochenende soll es einen Workshop und ein Kennenlernen der Düsseldorfer Runde geben. Das kommt so plötzlich und ich weiß nicht, ob ich dazu jetzt bereit bin. Aber irgendwann muss es ja sein, also nun ... Per Mail-Austausch erfahre ich, dass eine Mitstreiterin aus Moers kommt, also in meiner Nähe wohnt. Wir verabreden uns unbekannterweise zur Fahrgemeinschaft und ich hole sie ab. Aufgeregt. Nervös. Irgendwie auf das Schlimmste gefasst.

Die Frau, die zu mir ins Auto steigt, macht direkt einen sehr netten Eindruck. Puh. Und schon nach wenigen Minuten stellt sich heraus, dass sie mit meiner Tante zusammen in derselben Klinik arbeitet!! Und das wir beide meine Tante total gern haben!!! Wir lachen uns kaputt und heulen auch ein bisschen – zum Glück scheinen wir beide dazu veranlagt ... Das kann doch nur gut gehen. Hoffe ich. 

Im Yogastudio lernen wir dann die anderen vier kennen. Keiner sieht total nach Oberkassel aus (sorry, aber als Ruhrpottkind hat man da so seine Vorurteile, wie sicher in die andere Richtung auch :) – das beruhigt mich auch schon mal. Wirkt eigentlich ziemlich OK, die Runde. Aber was kann man nach einer halben Stunde schon sagen. Beim anschließenden Workshop sind wir dann nur zu dritt dabei. 

Das Thema ist Jivamukti für Anfänger. Wir erarbeiten nochmal den Sonnengruß und einige Kriegerpositionen. Ich bekomme ein Lob von meiner Lehrerin und freu mich wie Bolle. Ja, ja, ja – und immer noch ist Yoga kein Wettbewerb. Aber jeder braucht halt doch auch mal Lob. Und ich jetzt leider gerade ganz viel. 

Die Stunde ist wirklich toll. Es ist inzwischen dunkel geworden, die Lehrerin hat Kerzen angezündet, ich bin erschöpft, aber nicht verschwitzt. Beim Shavasana habe ich das Gefühl zu fliegen. Ich fühle mich großartig. 

So darf es doch weitergehen ... 

Umkehr

Die Asana zum letzten Chakra, dem Kronenchakra, ist der Kopfstand und so war dieser Thema der letzten Stunde. Umkehrhaltungen sind kein einfaches Thema im Yoga und doch gehören sie dazu. Steht man einmal im Kopfstand und bekommt ein Gefühl dafür, ist es großartig, aber der Weg dahin nicht immer leicht.

Es war die zweite Stunde als Yogalehrerin, in der ich diese Asana unterrichtet habe und ich erinnerte mich während der Anleitungen an meine ersten Stunden kurz vor dem Beginn meiner Ausbildung ... ich hoffe sehr, dass meine Schüler sich nie nach einer Stunde so fühlen, aber es liegt nicht immer in der Hand des Lehrers, wie sich rückblickend zeigt. Manchmal sind es die Umstände oder wir selbst, die uns im Weg stehen ...

(August 2013)

Im Mai stand die Entscheidung zur Yoga-Ausbildung – und bis zu deren Beginn im Dezember wollte ich eigentlich gaaanz viel Yoga machen, fleißig "vorarbeiten" und möglichst schon Stunden in Düsseldorf sammeln ... tja, so der Plan. Bis zu den Sommerferien waren die Tage allerdings voll, dann wurde der Sommer heiß, danach kamen die Ferien in Frankreich ...

... und nun bin ich endlich wieder hier, im Yogastudio. Meine zukünftige Lehrerin erinnert sich schon mal nicht mehr an mich. OK, ich war ja auch nur einmal hier im Mai. Aber irgendwie … hatte ich bei ihr die gleiche gedankliche Beschäftigung mit mir erwartet wie umgekehrt, was natürlich Quatsch ist. Die Stunde wird nicht von ihr, sondern einer Trainee, kurz vor der Prüfung, gehalten. An dieser Stelle werde ich hoffentlich in einem Jahr auch stehen … Kursteilnehmer sind nur meine Lehrerin, eine weitere Auszubildende und ich. Keine Ahnung, warum, aber diese Stunde schafft mich. Zwischendurch muss ich langsamer machen, mein Herz schlägt bis zum Hals. Ich schwitze und fühle mich unwohl, es ist mir ehrlich gesagt peinlich. Ich komme mir vor wie der letzte Klops, der dann noch genialerweise die Idee hatte, Yogalehrer zu werden. Nach der Stunde wechsel ich höflich noch zwei, drei Sätze mit den anderen und schäme mich weiter für meinen knallroten Kopf, meine klatschnassen Haare und erinnere mich dabei an die Hilfestellung der Trainee bei meinem Schulterstand … Scheiße. Etwas anderes fällt mir gerade nicht ein. Aus dieser Stunde gehe ich nicht beschwingt, sondern völlig demotiviert. Na, das kann ja heiter werden ...

(Oktober 2013)

Ich raffe mich zu einem weiteren Versuch auf. Es hat ja keinen Zweck, ich habe diesen Weg gewählt und dafür teuer bezahlt, also muss ich jetzt auch da durch. Gedanklich plane ich schon einen Kalender, an dem ich die qualvollen Tage abstreichen kann. Immerhin bin ich bei dieser Stunde nicht ganz so alleine. Im Gegenteil, heute, am Feiertag, scheinen alle Yoga machen zu wollen. Wir wechseln in den neuen, größeren Raum, ich lege meine Matte schnell in die hinterste Ecke am Fenster und beschließe, die Stunde zu genießen. Das klappt auch ganz gut, bis wir Handstand üben sollen – zu zweit. 

Alle scheinen natürlich bereits mit Partner hier zu sein, für mich bleibt eine kleine, zarte, blonde Dame ... dass sie nicht schon einen Rückzieher macht, als ich auf sie zustampfe (natürlich stampfe ich nicht, aber so kommt es einem vor, wenn man sich als großer, kräfitger Mensch so einem Püppchen nähert und weiß, was kommt). Ich habe noch nie Handstand gemacht und natürlich kriege ich meine Beine nicht hoch. Meine Lehrerin muss helfen, hievt mich irgendwie in die Senkrechte, kein gutes Gefühl. Zum Glück ein kurzes – schnell wieder runter, ab in meine Ecke. Der Rest der Stunde verläuft OK, ich merke, dass ich zwar keinen Handstand kann, dafür aber biegsamer als meine Nachbarinnen bei den Vorbeugen bin (trotz Speckrolle dazwischen!). Ja, ja, man soll sich nicht vergleichen, Yoga ist kein Wettbewerb, aber das brauchte ich jetzt halt mal nach dem Disaster! 

Dann kommt der zweite Höhepunkt – der Kopfstand. Bei meiner ersten Yogastunde hier haben wir auch den Kopfstand geübt. Damals hatte ich verstanden, wir sollten uns ruhig mal abstoßen und die Beine wie im Spagat ausbalancieren, ein Gefühl bekommen. Das mache ich nun auch und kassiere gleich den nächsten Kommentar – "Nicht mit Schwung, das ist Ego. Das ist "Ich will unbedingt Kopfstand machen". Kein Yoga!". Der Satz ging gefühlt direkt an mich, toll. 

Dann endlich Shavasana. Frieden. Pustekuchen. Ich bekomme nicht den Nacken massiert – sind halt zuviele da, aber in dem Moment kann ich nur schwarz sehen. Ich denke, ich würde meinen Nacken auch nicht massieren wollen, so verschwitzt wie ich bin. Ich fühl mich wie eine Wurst. Wird das denn immer schlimmer? Ich husche schnell und unauffällig raus. Ich hab keine Lust mehr. Das kann doch echt nicht sein – wo ist dieses wunderbare Gefühl der ersten Stunde? 

Ich beschließe, alles positiv zu sehen. Ist Yoga nicht auch irgendwie hinnehmen, annehmen und verzeihen? Ich  gehe die Stunde nochmal in Gedanken durch, versuche, neutral zu urteilen und muss zugeben, dass meine Lehrerin einen sehr guten Unterricht macht – sie kann ja nichts dafür, dass ich mich nicht in den Handstand katapultieren kann (und ich habe auch nicht protestiert, als sie es tat). Ich beschließe, mich auf die Ausbildung zu freuen (was mir jetzt gerade schwerfällt, aber ich glaube an die Kraft des positiven Denkens ...). 

Ein paar Tage später bekomme ich eine liebe Mail von meiner Lehrerin. Alles ist wieder gut. 

Kann losgehen mit dem Yoga.

Vogelzwitschern

(Rückblick Mai 2013)

Der Raum ist hell, schlicht weiß, mit drei großen Fenstern, aus denen man Häuserdächer, Baumkronen und den Himmel sehen kann. Symmetrisch angeordnet liegen vielleicht 20 Matten auf dem Boden. Das gefällt mir schon mal – schlicht und symmetrisch liebe ich. Die Yogakitchen liegt im obersten Stock einer ehemaligen Schule und wird ein wenig mein zweites Zuhause werden in der nächsten Zeit. Im Moment noch schwer vorstellbar, denn ich bin zum ersten Mal hier ... 

Ich sitze auf meiner Matte im Schneidersitz und versuche, Eindrücke zu sammeln. Der pinkfarbene Plastikbuddha auf dem kleinen Tisch vorne, das weiße Bina-Harmonium, der Blick aus dem Fenster. Es wird meine erste Vinyasa-Yogastunde sein und doch habe ich mich eigentlich schon vorher entschieden, hier eine Ausbildung zu machen. 

Die Entscheidungen scheinen bei mir manchmal auf ersten Blick spontan. Was fang ich noch so mit meinem Leben an? Ach, ich könnte mal Yogalehrer werden. Aber sie sind es nicht. Yoga begleitet mich eigentlich mein ganzes Leben lang, allerdings völlig unprofessionell. Als Kind habe ich häufig mit meiner Mutter Yoga gemacht, nach einem Buch von Karen Zebroff. Dieses alte Buch mit den schwarz-weiß Fotos habe ich immer noch und es war mir stets eine gute Quelle. Ich habe mir immer gerne Übungsreihen zusammengestellt, als Jugendliche, im Studium. Nie konsequent, aber immer wieder. Schließlich habe ich einen Yogakurs bei der Volkshochschule besucht, damals noch völlig unwissend, dass es so etwas wie Yogastudios gibt (vielleicht gab es sie auch damals noch nicht?). Die Übungen waren gut, aber die Art war mir zu einschläfernd. Ich ging zwar entspannt, aber müde und nicht erfrischt aus diesen Kursen nach Hause. Nach vielen Jahren Jazztanz bin ich dann irgendwann beim Pilates gelandet. Ich war begeistert, das war eine Verbindung von Yoga und Tanz für mich. Wenn wir in einen Flow kamen, war ich glücklich. Aus dieser Stimmung heraus kaufte ich mir eine PoweryogaDVD und auch hier fand ich mich wieder. Die klassischen Asanas, die ich aus dem alten Buch kannte, wurden auf dynamische Weise zu einer Choreografie verbunden – ich spürte, das war meins. 

In der Elternzeit entstand die Idee, mit einer Freundin eine Ladenwerkstatt für Kinder zu gründen. Drucken, stempeln, basteln sollten die Schwerpunkte sein, aber auch Theater und Yoga. Schon da überlegte ich, eine Ausbildung zur Yogalehrerin zu machen, aber wir beschränkten uns erstmal auf zwei Wochenendseminare zum Kinderyoga. Diese Seminare waren eine völlig neue Erfahrung. Ich hatte viel Esotherik und wenig Humor erwartet – und fand das Gegenteil. Es war lustig, erfrischend und gleichzeitig irgendwie erleuchtend! Ich ging einfach gut gelaunt nach Hause. Da es mit dem Laden nicht funktionierte, machte ich meine ersten Kinderyoga-Erfahrungen an der Grundschule.  

Vor dem ersten Kurs mit den Kindern hatte ich Bammel. Zwölf Knirpse, deren Vorstellung von Yoga in Schneidersitz und Om (!) bestand. Das Fazit nach über zwei Jahren: Viele gute Yogastunden, manchmal waren die Kinder sehr unruhig, aber es gab auch Momente, wo sehr aktive, ja wibbelige Kinder, in einen Zustand der Ruhe gekommen sind, zehn, fünfzehn Minuten auf dem Rücken liegend verharren konnten, das war bereichernd zu sehen. Inzwischen habe ich einen guten Weg gefunden – vieles funktioniert über Rituale, klare Strukturen und: Musik!  

Aber meine Gedanken schweifen ab – ich sollte doch gerade im Hier und Jetzt sein …  Die Yogastunde nähert sich dem Ende. Ich bin mit verdammt schlechter Laune hier angekommen. Der Tag war blöd. Die Stunde schweißtreibend. Und ich – gehe glücklich raus. Entspannt, aber voller Energie. Ja, die Entscheidung steht fest. Ich mache die Yoga-Ausbildung!