Ein Tag der Liebe

Es war mal wieder soweit. Die Yoga Conference fand Köln dieses Wochenende in Köln statt. Dieses Mal, mein zweites, war ich nur einen Tag dort, aber es sind wieder soviele Eindrücke, dass ich wahrscheinlich noch einige Zeit brauche, alles zu verarbeiten – und einzuarbeiten, weiterzugeben, denn das, was man da mitnimmt, muss hinaus in die Welt!

Yoga ist heute so ein Hype, ein Lifestyle, gehört mit Detox und Superfoods, Sixpack und Bikini-Challenge schon lange zum In-Sein dazu und ist erst recht kein ruhiger, spartanischer, meditativer Geheimtipp mehr. Auf der einen Seite finde ich es gut, wenn Dinge sich weiterentwickeln. Warum nicht? Yoga darf gerne vielfältig, bunt und glitzernd sein! Auf der anderen Seite gibt es eine back-to-the-roots-Bewegung, wieder mehr Stille finden, Yin Yoga, Philosphie. Ganz wichtig, denke ich. Die Wurzeln, den eigentlichen Grund, warum wir nochmal mit dem Yoga angefangen haben, nicht vergessen. Und egal, wie und woran – weiterarbeiten, Mut zur Entwicklung, auch wenn das Rückschritte bedeutet. Wir gehen tatsächlich immer vorwärts!

Was aber unabhänging von In und Out und Top und Basic immer wieder zu spüren ist, ist Liebe. 

Es geht vielleicht nicht jedem so, aber Yoga kann dich so freimachen, dass du jeden ehrlich und liebevoll umarmen kannst. Dieses Gefühl ist so schön und ich versuche es immer zu kultivieren – auch wenn ich Auto fahre ... oder mein Nachbar-Yogi sich mit seiner Matte total breit macht ... oder ich jemanden erstmal nicht leiden kann, weil er/sie nicht in mein Bild passt, sich in meinen Augen komisch verhällt ... 

Daran hat mich der Tag erinnert. 

Wie gut, dass diese Woche das Anahata-Chakra dran ist ... open your heart!

(Motiv: © Yoga Conference Germany 2016)

Das Thema der Conference fand ich übrigens auch wieder wunderbar: 

Every little thing you do is magic!

Wurde leider viel zu selten in den Workshops aufgegriffen. Mehr von den Inhalten vielleicht später. Wie gesagt, das muss erstmal verarbeitet werden ... bis dahin: weiter die Liebe kultivieren :)

M A N I P U R A

Uns fehlt so oft die Energie. Was bleibt am Ende des Tages, der Woche, des Jahres von den wunderbaren Ideen, die wir hatten, von den Listen, unseren Plänen?

Vielleicht liegt es aber auch ein wenig an der Sichtweise – wir wollen soviel. Alles scheint möglich, sovieles ist zu sehen, bei anderen, offline und online. Du hast noch keine Weltreise gemacht? Läufst keinen Marathon? Bist kein Chef? Strickst nicht mal deine Pullis selbst? Was soll das nur für ein Leben sein ...

Sich lösen von den Werten, Zielen, Wünschen anderer, kann manchmal soviel Energie freisetzen – Energie, für die Dinge, die wir wirklich wollen. Und wenn das einfach nur leben ist – warum nicht? Energie kann man auch spüren, still in sich hineinfühlen, wie sie uns wärmt, erhellt, brodelt!

Sie wird ihre Aufgabe, ihren Moment finden, wo sie sich freisetzt und Taten vollbringt :)

Manipura, das dritte Chakra, in unserer Mitte, kann helfen, diese Energie wieder zum Vorschein zu bringen, mit vielen Twists und Flows das Feuer neu entfachen, und bis in die Fingerspitzen wärmen ...

S V A D H I S T H A N A

Fließen kann etwas wunderschönes sein. Nicht nur im Yoga suchen wir den Flow, auch in anderen Bereichen spricht man davon, wenn unsere Tätigkeit im perfekten Rhythmus läuft und wir uns optimal gefordert fühlen, gut fühlen, im Einklang mit unserem Handeln, unserem Sein sind ...

Diese ständige Transformation ist aber oft unerwünscht, wenn der Ist-Zustand doch gerade so schön ist, dass wir alles festhalten wollen. Festhalten ist überhaupt das Stichwort – wir wollen alles erreichen, wir wollen besitzen und wir wollen es nicht wieder abgeben.

Zu aktzeptieren, dass nichts für die Ewigkeit ist – eben auch unser Leben nicht – fällt vielen schwer. Unsere Gesellschaft, die gewisse Lebenssituationen als ideal, als Standards ansieht, die das Altern am liebsten ignorieren würde und alles, was nicht dem perfekten Bild entspricht, gerne hinterm Vorhang verschwinden lässt, trägt ihr übriges dazu bei, dass wir das eigentlich Natürliche kaum mehr aktzeptieren können. 

Wir wollen in den Lauf der Dinge eingreifen, haben vielleicht tatsächlich kurzzeitig ein Gefühl von Macht, und müssen am Ende doch erkennen, dass die Natur stärker ist. Ich denke, je früher wir uns damit auseinandersetzen und diese gegebenen Dinge nicht als negativ betiteln, sondern mit einem Lächeln und Dankbarkeit dem Leben entgegentreten, desto entspannter können wir letztendlich sein und uns mehr dem Lebens-Flow hingeben :)

Sich dem zu öffnen und hinzugeben, dafür stehen die Vorbeugen und Hüftöffner im Yoga, und so wird diese Stunde einige meiner Lieblingsasanas zu einem Flow verbinden und wir werden vielleicht wenigstens für den Moment das sich Fügen in einen vorgegebenen Rhythmus als wunderbar empfinden! 

to let myself go * to let myself flow * is the only way of being (Ane Brun)

Morgenbrei

Morgens essen wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler ... dieses alte Sprichwort findet sich prinzipiell auch im Ayurveda wieder – den Start bildet in jedem Fall ein gutes Frühstück, am besten warm, was mir sehr entgegenkommt, da ich Porridge seit langvergangenen Ferien in Schweden und Irland liebe. Neben einem bekömmlichen Tagesbeginn gibt diese Mischung auch genug Energie, um bis zum Mittag vorzuhalten und den Magen erstmal in Ruhe verdauen zu lassen, bevor er mit immer neuen Snacks gefüttert werden muss (was eben im Ayurveda als sehr kontraproduktiv gesehen wird, aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr).

Hier kommt meine aktuelle Mischung – allerdings kann man hier nach Herzenslust variieren! Probier verschiedene Milchsorten (Hafermilch, Reismilch, ...), zarte statt kernige Haferflocken (machen das ganze natürlich weicher, weniger bissfest), mehr / andere knackige Nüsse (Walnüsse! Mandelstückchen! Pekannüsse! ...) und verschiedenes Obst (am besten saisonal und frisch und bio und immer was anderes ... Äpfel, Bananen, (getrocknete) Aprikosen, Kirschen, ... – nur mit Südfrüchten aufpassen, die können je nach Milchkombination plötzlich alles bitter machen!

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Yoga Woman : Yin Yoga

Es fehlte immer noch ein kleiner Yoga Woman Nachtrag zum Thema Entspannung – zum Zeichnen der Restorative Posen bin ich noch nicht gekommen, aber eine kleine feine Yin Yoga Stunde hätte ich in der Schublade, zu schade, um sie dort liegen zu lassen :)

Yin Yoga setzt auf langes Halten der Positionen, körperliches Loslassen der Muskeln und vor allem der Faszien sowie mentales Loslassen durch die vielen Vorbeugen:

SUPTA BADDHA KONASANA . 5 Min
– mit langem Kissen unter Kopf und Rücken, Arme locker neben dem Körper, Handflächen nach oben ...
(Übergang: aufsetzen)

SCHMETTERLING . 5 MIN
– Vorbeuge in Baddha Konasana, eher Diamantform, Arme nach vorne abgelegt, Handflächen nach oben ... – ggf mit Kissen unter Brust abstützen
– Gegenbewegung zum Abschluss: gerader Sitz, hinten abstützen, evtl. leichte Rückbeuge

VIERECK . 5 Min
– Vorbeuge im Schneidersitz, Arme nach vorne abgelegt, Handflächen nach oben ...
– ggf mit Kissen unter Brust abstützen
– Gegenbewegung: gerader Sitz, hinten abstützen, evtl. leichte Rückbeuge
(Übergang: vorschieben in Bauchlage)

SPHINX . 5 Min
– weiter geöffnete Beine, auf Unterarmen abgestützt (Ellbogen weiter weg und Brustkorb tiefer ist leichter) ...
– ggf mit Kissen unter Brust abstützen
– Gegenbewegung: Balasana
(Übergang: aufrichten, rechtes Bein nach vorne ziehen) 

ANJANEYASANA + GECKO . 10 Min (2,5 Min Anjaneyasana + 2,5 Min Gecko pro Seite)
– vorderes Bein im rechten Winkel, Hände darauf abstützen, hinteres Bein ablegen und soweit nach hinten schieben, dass eine Dehnung in der Hüfte spürbar ist ...
– nach halber Zeit tiefer gehen, neben dem Vorderbein auf Unterarmen abstützen, Kopf tief ...
 – ggf Decke unter hinterem Bein / Knie, mit Kissen unter Brust abstützen beim Gecko
– Gegenbewegung: Adho Mukha Svanasana
(Übergang: über DDSplit das Bein wechseln) 

SCHWAN . 5 Min (1 Min Rückbeuge + 4 Min Vorbeuge pro Seite)
– hinteres Bein gerade ablegen, vorderes Bein gebeugt abgelegen, wie Taube
– bei Knieproblemen Schienbein nicht parallel zur Mattenkante, Fuß mehr zur Hüfte ...
– erst leichte Rückbeuge, dann Vorbeuge, Arme nach vorne abgelegt, Handflächen nach oben ...
– ggf mit Kissen unter Brust / unter Becken abstützen
– Gegenbewegung: Adho Mukha Svanasana
(Übergang: über DDSplit das Bein wechseln, nach der zweiten Seite über Fersensitz ablegen) 

KATZENSCHWANZ . 10 Min (5 Min pro Seite)
– Seitlage, Beine gebeugt, oberes im rechten Winkel nach vorn, unterer Oberschenkel in einer Linie mit dem Oberkörper, ggf Fuß hinten fassen ...
– ggf Kopf auf Kissen ablegen
– Gegenbewegung: Balasana
(Übergang: auf der anderen Seite ablegen, nach der zweiten Seite Beine im Sitz nach vorne nehmen) 

RAUPE . 5 Min
– Vorbeuge in Pascimottanasana, Arme neben den Beinen abgelegt, Handflächen nach oben ...
– Gegenbewegung: gerader Sitz, hinten abstützen, evtl. leichte Rückbeuge
(Übergang: zurücklegen) 

SCHNECKE . 5 Min
– Umkehrhaltung in leichtem Pflug, Beine locker, evtl. gebeugt, Arme entgegengesetzt abgelegt, Handflächen nach unten ...
– alternativ mit Händen an Fußgelenke fassen
– ggf Podest für Nacken bauen, Knie auf der Stirn ablegen
– Alternative: Viparita Karani oder Happy Baby
– Gegenbewegung: Fisch, umgekehrtes Balasana (in Rückenlage Knie ranziehen) 

TWIST . 10 Min (5 Min pro Seite)
– rangezogene Knie zur Seite ablegen (erst nach links), Arme geöffnet, Handflächen nach oben ...
– ggf Kissen unter Knie legen
– Gegenbewegung: umgekehrtes Balasana 

SHAVASANA 

Wichtig: Wie immer, wenn du Yoga praktizierst – höre auf deinen Körper, mache nur, was dir gut tut! Gerade beim Yin Yoga kommt es zu intensiven Dehnungen, die man auch unangenehm spüren kann – dennoch sollten die Positionen niemals schmerzhaft sein!

Die geschriebenen Anweisungen können immer nur wegweisend sein, niemals individuell! Falls etwas unklar ist, besprich dich wenn möglich erst mit deinem Yogalehrer!

Im Yin Yoga werden die Asanas oft länger gehalten, als in anderen Yogastilen – dennoch sind die Zeitangaben natürlich nur Optionen. Gib deinem Körper Zeit, loszulassen, aber übertreib es nicht. 

Nach jeder Position gibt es eine Gegenbewegung zum Ausgleich, die du kurz einnehmen solltest.

Wenn du diese Reihe hintereinander ausführen möchtest als Yoga-Einheit, dann helfen dir die Übergänge in den Klammern möglichst einfach von einer Asana in die andere zu kommen. 

Die orangefarbenden Begriffe sind Bezeichnungen, die ich nur aus dem Yin Yoga kenne – in der Anweisung stehen ggf. die entsprechenden Namen, die sonst verwendet werden. 

Die Übungen habe ich so zusammengestellt, wie sie mir in der Abfolge gut tun und entspannte Übergänge ermöglichen (denn auch, wenn es langsam ist, liebe ich einen guten flow ...). Fühl dich frei, auch einzelne Asanas herauszugreifen, die dir besonders helfen, nimm dir aber immer Zeit und Ruhe – Yin Yoga ist nichts für mal eben zwischendurch ... :)

M U L A D H A R A

Wir kommen auf diese Welt und suchen Nähe, Halt, Geborgenheit. So wachsen unsere Wurzeln, stärken uns, für alles, was kommen mag. Je sicherer diese Basis, desto leichter fällt uns vielleicht das Fliegen, das Loslassen und eigene Wege gehen. Am Ende kommt dann wieder die Erinnerung, an früher, vergangene Zeiten, zurück zu den Wurzeln ...

Eine Stunde, die mit Shavasana beginnt. Ungewöhnlich für meine Klassen, aber bei diesem Thema so passend. Die Erdung spüren und von dort aus langsam weitergehen, in die Sonne, die Taube, den Baum ... sich frei fühlen und ein wenig abheben, bis zur langen Vorbeuge, dem letzten Loslassen, bevor uns am Ende Shavana, die Erde, wieder empfängt ...

Paranuss-Rucola-Pesto

Immer wieder was neues, immer wieder bezaubernd: Deliciously Ella. Aus ihrem Blog stammt auch das Pesto, etwas für mein aus-der-Lameng-Gefühl abgewandelt, aber nur wenig, grandios köstlich, zu Nudeln, zum Brot, zum Salat, zum Gemüse ... frisch und schnell gemacht, spricht alles für den Sommer:

nimm dich wahr ...

Das eigene Ich verbarrikadiert sich, hinter einer Fassade, hinter Konventionen, hinter Wünschen und Vorstellungen. Sich selbst wahrzunehmen, zu spüren, zu fühlen, ernst zu nehmen, ist manchmal nicht so einfach. Wer bin ich eigentlich, wenn alles andere von mir abfällt, wenn nur noch mein reines Ich überbleibt?

Sic öffnen und fallen lassen, dafür steht auch eine meiner Lieblings-Asana: Kurmasana, die Schildkröte. Eine Stunde voller Hüftöffner und Vorbeugen, meine Favoriten, aber nicht immer die der Schüler, denn da sitzen oft unsere Verspannungen, unser verhärteter Rücken ist im Weg, unsere Beine wollen nicht geschmeidig sein, alles nicht so einfach. Und doch haben viele eine neues Ich in sich entdeckt, sind weitergegangen, als sie dachten, haben neue Grenzen erfahren und hoffentlich auch ein wenig von allem fallenlassen, was uns so verhüllt. 

Sei du selbst. Sei authentisch. Sei wahr.

von innen leuchten ...

Du kannst es Seele, Licht, dein Innerstes, ... wie auch immer nennen – ich denke, die meisten von spüren, dass da etwas in uns ist, etwas Unveränderliches, etwas Leuchtendes.

Dieses Licht vergessen wir manchmal. Wir bauen uns eine Fassade drumherum und sehen auch bei anderen nur das Äußere. Doch tatsächlich steckt dieser Kern in jedem von uns, egal, ob wir einen Menschen als gut oder böse empfinden, begabt oder einfach, extrovertiert und in sich vertieft – daran glaube ich fest.

Und dann kann es doch ein Ziel sein, das eigene Leuchten mehr zum Strahlen zu bringen, das Herz zu öffnen und der Seele Raum zu geben – zu scheinen, aber auch bereit zu sein, das Licht der anderen wahrzunehmen, hinter Mauern aus Äußerlichkeiten und Verhalten zu blicken, und das Gemeinsame, das Ewige in jedem zu erkennen. 

... durch einen Spiegel in einem dunkeln Wort ...

°

Fürchte dich nicht, es blüht hinter uns her.
(Hilde Domin)

Einer meiner Lieblingssätze.

Der Junge im gestreiften Pyjama

Das Buch ist nicht mehr ganz neu, von 2006, auch bereits verfilmt. Ich kannte es aber noch nicht, es wollte mit aus der Buchhandlung, wahrscheinlich weil ich die Farbe und Streifen mag. Es gibt keinen Klappentext, man erfährt nicht, worum es in dem Buch geht. Und das war auch gut so, sonst hätte ich mich vielleicht nicht getraut, es mitzunehmen.

Wer das Buch nicht kennt und vielleicht ebenso ahnungslos lesen möchte, hört jetzt hier auf.

Das Buch fängt harmlos an. Es ist einfach geschrieben, ein Kinder- oder vielleicht Jugendbuch (in der Abteilung habe ich es auch gefunden). Der Protagonist heißt Bruno. Er neun Jahre und lebt in Berlin. Nach und nach erfährt man, dass es 1942 ist. Der Vater ist Soldat und wird vom "Furor" als Kommandant nach "Aus-Wisch" versetzt. Aus Langeweile freundet sich Bruno dort bei einer Erkundungstour mit einem jüdischen Jungen auf der anderen Seite des Zauns an ...

Das schöne und gleichzeitig grausame an dem Buch ist die Naivität. Bruno hat keine Ahnung, was da eigentlich vorsichgeht. Niemand hat ihn offensichtlich über den Krieg, die Juden, das Lager aufgeklärt. Er wird noch als kleines Kind angesehen. Bruno zieht zwar seine eigenen Schlüsse, versteckt sich aber immer, wenn er der Sache nahekommt, hinter eben dieser Naivität.

Trotz aller Widersprüche entsteht eine Freundschaft.

Am Ende habe ich nicht geweint, aber es hat mich innerlich so traurig gemacht, viel mehr als ein paar Tränen. Ohne auf die Brutalität einzugehen, verdeutlicht dieses Buch mehr als viele andere den Wahnsinn.

Und wie der Autor im Nachwort schreibt: Es gibt immer noch Zäune.

eins sein ...

Ein Widerspruch, der scheinbar in der heutigen Zeit besonders zelebriert wird, ist der Wunsch, auf der einen Seite möglichst individuell und einzigartig zu sein, und gleichzeitig auf der anderen Seite zu einer Gruppe, einer Einheit, dazuzugehören.

Fragt man seine Mitmenschen, werden das viele bestreiten, aber wenn man sich umschaut, prägt dieser Umstand die Welt doch sehr bestechend. Soviele Fotos, Videos, Statements von Leuten, die sonst außer dem normalen Umfeld keiner kennen würde, prasseln auf uns ein, das Internet macht es möglich. Jeder will anders sein, etwas besonderes, herausstechen aus der Masse, verrückt, bloß nicht spießig, individuell eben. Gleichzeitig gibt es eben tausende solcher Darstellungen, völlig austauschbar. Du bist nicht bei dem und dem sozialen Netzwerk? Hm, du gehörst nicht dazu!

Es gab mal eine Fotoreihe, wo beliebige Menschen fotografiert und kategorisiert wurden. Es entstanden ganze Bilderbögen, wo Leute die gleiche Kleidung trugen. Und das war nicht nur der Bürostandard mit Hemd und Krawatte, sondern eben auch vermeintliche individuell gestaltete Outfits. Nicht von ungefähr gibt es schon Anleitungen, wie "style like a hipster" :) Der Wunsch nach Individualität schafft Konformität.

Besonders schön ist dieses Paradoxon in Monty Pythons Film "Das Leben des Brian" (den vielleicht noch der ein oder andere kennt) dargestellt: Brian ruft bei seiner unfreiwilligen Predigt vor hunderten Leuten "Ihr seid alle Individuen." Und die Masse antwortet im Chor: "Ja, wir sind alle Individuen." Einer ruft: "Ich nicht."

Was machen wir nun mit dieser Tatsache? Vielleicht wie immer nicht soviel Drama :) Wir verbringen soviel Zeit im Grübeln über uns, verharren aber häufig beim Äußerlichen, wollen uns ändern, statt zu aktzeptieren und zu genießen, was wir sind.

Jeder Mensch ist einzigartig. Egal, ob man das unbedingt nach außen darstellen möchte oder einfach ist. Und jeder Mensch sehnt sich wahrscheinlich auch nach einer gewissen Zusammengehörigkeit, ob zu einem Partner oder zu einer Gruppe oder einfach in der Gesellschaft. Das allein ist nicht paradox, sondern kann wunderschön sein.

Sich selbst wahrnehmen, als einzelnen Menschen, als eins mit den anderen, mit dem Universum :)

Man braucht nur eine Insel allein im weiten Meer.
Man braucht nur einen Menschen, aber den braucht man sehr.
(Mascha Kalekó)

Bär im Boot

Ich tue mich oft schwer mit speziellen Yoga- oder Philosphiebüchern, die einem mit kleinen netten Anekdoten diverse Lebensweisheiten nahebringen wollen. Das ist mir oft zu plump, zu einfach, zu beliebig – oder auch umgekehrt – zu kompliziert, so lebensfern, zu schwermütig. Nicht so einfach, meinen Nerv zu treffen. Ich kann es auch nicht wirklich beschreiben, aber wenn ich etwas lese, dann merke ich sofort, ob es mich packt oder nicht (wie mit der Musik). Und dieses Buch hat mich gepackt:

Die Geschichte ist eigentlich einfach: Ein Junge möchte auf die andere Seite gebracht werden, ein Bär ist der Kapitän des kleinen Ruderbootes. Über weite Strecken passiert nicht viel, nur das endlose Meer, die Langeweile, das Annähern und wieder Entfernen, Tee trinken. Dann gibt es noch diverse Schiffsbrüche, Ungeheuer und Piratenschiffe – und dennoch bleibt der Rhythmus beruhigend, wie Ruderschläge halt ...

Der schönste Begriff des Buches für mich ist wohl "unvorhersehbare Anomalien im Strömungsverlauf". 

Ist nicht allein das Philosophie und Poesie genug? Beschreibt das nicht mehr als einmal unser Leben? Wollen wir nicht auch irgendwo ankommen und sind doch die ganze Zeit unterwegs? Gibt es überhaupt eine andere Seite? Und sollten wir nicht unsere kleinen Rituale pflegen, auch in Zeiten von Sturm und Schiffsbruch, und uns eine gute Tasse Tee zubereiten? :)

neues lieben ...

Das Thema Liebe findet sich häufig im Yoga, zumindest kommt es in meinen Stunden immer wieder vor. Liebe ist vielleicht das Wichtigste, wer weiß. Passend dazu finden sich untern den Asanas die Rückbeugen, oft so schön als Herzöffner bezeichnet :) Und ist es nicht eine schöne Vorstellung? Sich zurückzulehnen, die Schultern weit werden zu lassen und sich vorzustellen, wie die Liebe nur so aus dir herausfliegt?

Dabei muss es nicht immer um eine Person gehen. Die Intention darf auch eine ganz andere sein. Vielleicht entflammt dein Herz gerade für den Frühling, vielleicht für ein gutes Buch, vielleicht für die Musik ...

Und dabei darfst du dich auch Neuem öffnen, Asanas, die du vorher noch nicht ausprobiert hast, Kraft, die du vorher noch nicht gespürt hast, Energie, die ganz neu in dir erwacht!

Wie und wofür auch immer:

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Cinderella . Mando Diao

wieder ankommen ...

Auch wenn es nur zwei Wochen Pause waren – ich höre von vielen Seiten schon das Vermissen, die Sehnsucht, und ja, das macht Yoga so wunderbar. Darum widme ich die erste Stunde dem Ankommen – der Wiedersehensfreude, Bekanntem, Heimat.

Yoga kann dein Zuhause sein, das du immer mit dir herumträgst, das dich nie verlässt – Yoga bietet dir überall, zu jeder Zeit einen Ort des Friedens, der Liebe, der Stille, der Freiheit, ... 

Indische Creme

... zum Frühstück, Mittag, Abendessen ... dieser Aufstrich schmeckt unwahrscheinlich grandios, finde ich :) Dabei sind die Zutaten simpel und auch so variabel, dass aus vegetarisch vegan werden kann. Als Basis habe ich mal Frischkäse und Schafskäse angegeben, da könnte man auch eine Sojavariante wählen oder zB auch Sojajoghurt und den Honig durch Agavendicksaft ersetzen.

Der Clou kommt erst durch die Zusätze. Die Süße der Datteln, das leicht Herbe des Olivenöls und des Kurkumas, der Crunch des Schwarzkümmels ... man merkt, die Creme ist mein Favorit – und nicht nur meiner. Bis jetzt wurde ich bei jeder Gelegenheit nach dem Rezpet gefragt, daher nun für alle, die es ausprobieren möchten, hier notiert :) Schmeckt übrigens nicht nur auf Brot, sondern auch zum Verfeinern von Gemüse zu Reis zum Beispiel ...

Ich habe noch nicht ausprobiert, wie lange sich die Creme im Kühlschrank hält – ich denke, das hängt auch von den Grundzutaten ab – aber einige Tage waren bisher kein Problem, zumal dann sowieso nichts mehr übrig sein wird ... 

Wahrheit oder Glückskeks

Vor wenigen Tagen sprach ich mit einer Freundin, die ich lange nicht gesehen hatte, über ihre Yoga-Erfahrungen. Sie hatte erst vor kurzem Yoga für sich entdeckt – in früheren Kursen hatte es sie einfach nicht gepackt. Das lag zum Teil auch daran, dass diese zu esoterisch daherkamen, mit Worten begleitet wurden, die einfach nicht berühren wollten, und dem Klang einer Stimme, die nicht authentisch war.

Schwierige Sache. Für mich macht Yoga aus, dass es eben mehr ist als Bewegung und Rumturnen. Nicht nur sind die Asanas an sich ausgeklügelte und ganzheitlich wirkende Körperhaltungen, sondern gerade auch die Intention, die ich in diese Positionen, in die Abläufe lege, macht den Unterschied. Das hat für mich aber auch nichts mit Esoterik zu tun, sondern ist einfach eine tiefe Ebene, die in uns allen steckt, und die wir so wieder wahrnehmen und zum Klingen bringen können.

Ob die Worte, die man in einer Yogastunde an die Klasse richtet, nun als Wahrheit rüberkommen oder als platte Glückskeksphilosophie, mag natürlich auch am Empfänger liegen. Nicht jeder ist in eben dieser Stunde bereit für ein bestimmtes Thema oder eine besondere Stimmung.

Aber als Lehrer ist für mich entscheidend, dass ich es ehrlich meine, dass ich authentisch bin, in dem was ich sage und wie ich handle, dass ich weitergebe, was mich berührt, ohne Zauberei, sondern mit eben jenem Gefühl, das in mir steckt. Ich glaube, das kann man schon spüren und so vielleicht eher bereit sein, die eigenen Gedanken dazu fließen zu lassen ...

Warum diese Gedanken gerade zu Ostern? Für viele Menschen sind das Osterfest und die Religion etwas Besonderes, die absolute Wahrheit, die ihre Herzen schlagen lässt und ihre Seele wärmt. Für andere ist das alles nur Hokuspokus und viel Theater um nichts. 

In diesem Fall bin ich ein Empfänger, der Worte auf sich wirken lässt. Und in dieser Rolle denke ich, sollten wir offen sein. Nicht alles mag uns berühren, vieles können wir vielleicht nicht glauben, aber wir können dem Mysterium mit freiem Geist und bereitwilligem Staunen begegnen – und unsere eigenen Gedanken dazu fließen lassen ... 

Ob wir am Ende die Wahrheit oder einen Glückskeks bekommen, wissen wir nicht. Es bleibt ein Geheimnis des Glaubens.